In der Nacht vor Heiligabend fährt der Polarexpress durch die verschneite Winterlandschaft und holt einige auserwählte Kinder zur Fahrt an den Nordpol ab. Der Held des Films, ein von Tom Hanks (bzw. seiner Synchronstimme) gesprochener Junge, zweifelt an der Existenz des Weihnachtsmannes. Auf seiner Reise mit dem Polarexpress soll er jedoch bald eines Besseren belehrt werden.
Die Fahrt zum Nordpol gestaltet sich mit vielerlei Hindernissen. Über zugefrorene Seen, rasante Kurven und Strecken mit 99 Prozent Gefälle muss sich der Express seinen Weg bahnen.
An Bord begegnet der junge Held einigen merkwürdigen Gestalten und gewinnt ein junges Mädchen (Nona M. Gaye) sowie einen Jungen aus dem Armenviertel (Peter Scolari) als neue Freunde. Am Nordpol angekommen, verlaufen sich die drei Freunde in der Wichtelstadt und das schwungvolle Abenteuer geht weiter. Es ist bereits fünf vor zwölf und sie wollen den Auftritt des Weihnachtsmannes nicht verpassen.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Ein Zug voller Kinder auf der Abenteuerreise ihres Lebens - zum Nordpol, wo der Weihnachtsmann wohnt. Viele von ihnen sollen in ihrem Glauben an den Geist der Weihnacht wieder gestärkt werden. Und Weihnachten scheint dieses Jahr wirklich auf dem Spiel zu stehen. Immer neuen Katastrophen fährt der Polarexpress entgegen. Ob nun die Bremsen defekt sind oder der Zug aufs Glatteis schlittert - irgendetwas geht immer schief. "Der Polarexpress" arbeitet mit der Überzeichnung von Gefahrensituationen, in denen eine Rettung immer nur in allerletzter Sekunde möglich ist. Darunter leidet die Dramaturgie, denn die dauerhafte Anspannung vermag nicht lange mitzureißen.
Doch "Der Polarexpress" spielt mit weiteren absurden Details. So begleitet der Zuschauer für einige Minuten eine vom Wind entrissene Fahrkarte auf ihrer Reise durch die Winterlandschaft - nur um zu erfahren, wie sie wieder in den Zug gelangt. Mit spielerischer Leichtigkeit findet sich die virtuelle Kamera oft in den ungewöhnlichsten Perspektiven wieder. Der Film liefert wunderbare, jedoch vollkommen unmotivierte Effekte.
Er stellt dem "Geist der Weihnacht" somit selbst opulente Bilder des Überflusses entgegen. Den Höhepunkt bildet schließlich die Weihnachtsfabrik der Wichtel, die mit weihnachtlicher "Kaufhausmusik" nun auch akustisch an den alljährlichen Konsumrausch erinnert. Die den Film begleitende Werbe- und Merchandisingaktion tut ihr Übriges und lässt die ohnehin plump verpackte Botschaft des Films verblassen.
"Das größte Geschenk ist die Freundschaft", sagt Santa Claus (ebenso Tom Hanks) einem armen Jungen aus den Slums. Warum er nie Geschenke zu Weihnachten bekommen hat? Nun das liegt wohl daran, dass er nicht an den Weihnachtsmann glauben wollte. Armut als eine Frage der inneren Einstellung? Dass die ohnehin flache Message nun auch noch ziemlich geschmacklos präsentiert wird, lässt den Film - wie den Zug - entgleisen.
Es bleibt eine schön animierte Achterbahnfahrt mit viel Schnee. Ein besonderes Augenmerk müssen die Grafiker auf die Gestaltung der im Wind wehenden Haare gelegt haben. Dieses liebevolle grafische Detail ist einer der sehenswertesten Aspekte des Films, denn kaum wurde bisher eine so naturnahe Genauigkeit erzielt (nur mit den Ohren gab es wohl einige Probleme).
Positiv ist auch die sorgfältige deutsche Synchronisation anzumerken. Sogar Songs und Schriftzüge im Bild wurden für das junge Publikum sehr sorgfältig übersetzt und machen den Film ohne Verständnisprobleme familientauglich.
| FAZIT
Achterbahnfahrt im Schnee - oh je, oh je, oh je.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung