Auf einem rustikalen Fischerboot leben ein alter Mann und ein junges Mädchen. Tagsüber kommen Angler vorbei und nutzen den alten Kahn als Station. Über die beiden Bootsbewohner entstehen bald Gerüchte. Mit sechs Jahren hat der alte Mann (der übrigens auch keinen anderen Namen hat) das junge Mädchen aufgelesen und seitdem nicht mehr gehen lassen. Da sie inzwischen 16 Jahre alt ist, will er sie in drei Monaten heiraten.
Wer dies argwöhnisch betrachtet, wird sogleich bestraft. Mit einem Bogen zielt der Alte treffsicher auf Störenfriede und verscheucht ungebetene Gäste vom Boot. Nur im direkten Zweikampf unterliegt er und schließlich muss das Mädchen ihre Fähigkeiten am Bogen beweisen.
Sowie die Hochzeit immer näher rückt, trifft der Mann in kleinen Ritualen erste Vorbereitungen. Diese werden jedoch jäh gestört, als ein junger Student an Bord kommt und das Interesse des Mädchens weckt. Zwischen dem Mann und dem Jungen beginnt ein Kampf um die Freiheit des Mädchens.
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| FILMKRITIK
Der Bogen in HWAL ist ein vielseitiges Instrument. Er dient zunächst zum Schutz des Bootes und seiner beiden Insassen. Zielgenau schießt der alte Mann Pfeile haarscharf an seinen Gegnern vorbei. Das junge Mädchen ist da nicht so zimperlich und zielt gleich ins Bein.
Der Bogen dient aber auch als Orakel zur Wahrsagung: Während das Mädchen vor einem Buddha-Gemälde an der Außenwand des Bootes schaukelt, zielt der alte Mann von einem Beiboot aus mit Pfeilen auf das Bild und kann so die Zukunft voraussagen. HWAL lädt in eine fremdartige Kultur ein. Man mag den Alten als Wahnsinnig betrachten; dennoch Beweist die dreimal wiederholte Wahrsageprozedur das große Vertrauen, das zwischen Mann und Mädchen besteht.
Ein Vertrauen, das an einer harten Probe dann doch zu Zerbrechen scheint. Schließlich erscheint es uns ja auch richtig, dass das Mädchen lieber den Kontakt zu Gleichaltrigen suchen sollte und sich aufmacht, die Welt außerhalb des Bootes zu sehen. Zudem erfahren wir bald, dass ihre Eltern immer noch nach ihr suchen.
Dennoch gibt es auch sentimentale Momente zwischen Mann und Mädchen: Auch als Musikinstrument lässt sich der Bogen nutzen. Letztlich verwischen auch die Grenzen zwischen Erwachsenheit und Kindlichkeit. Wie ein kleiner Junge reißt der Mann schließlich die Kalenderblätter von der Wand um die bevorstehende Hochzeit zu beschleunigen und zu retten.
Das Mädchen selbst jedoch äußert sich kaum dazu, zumindest nicht verbal. Kim Ki-Duk erzählt ihre Veränderungen in ausdrucksstarken Bildern vor dem klaren Hintergrund des Meeres. Als ihr der Student einen mp3-Player schenkt, ist sie fasziniert von der neuen Musik und lauscht stundenlang, so dass sie den herankommenden Alten gar nicht bemerkt. Dieser reißt ihr wütend die Kopfhörer von den Ohren. Doch eine Trommel und ein alter Bogen können offenbar nicht mehr mithalten, es gibt auf einmal mehr zu entdecken.
Auch als die Batterien schon leer sind, trägt das Mädchen immer noch die Kopfhörer. Sie hat sich schon für die neue Welt entschieden, kann sich jedoch der Verantwortung gegenüber ihrer Vaterfigur nicht entziehen. Letztlich wird klar, dass es unterschiedliche Formen von Liebe gibt, die miteinander nicht mehr konkurrieren können.
In Sequenzen, deren Symbolik uns sich oft nicht erschließen mag, zeigt Kim Ki-Duk einen Ausgang der zwar kaum überrascht, aber dennoch fesselt. Trotz des geringen filmischen Raumes fasziniert allein das mit bunten Tüchern und bunten Sesseln bestückte Schiff dermaßen, das es kaum möglich ist sich an den Bildern satt zu sehen. Für das Mädchen ist das Schiff die Welt und auch nach 90 Minuten glauben wir, von ihr noch nicht alles gesehen zu haben.
| FAZIT
Poetisches und Faszinierendes Kino, das eine stille, aber außergewöhnliche Geschichte erzählt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung