Sean Boswell lässt sich nicht leicht provozieren. Doch wer seinem Auto etwas tut, der hat bald ein Problem am Hals. Denn dann wird aus der Klapperkiste schnell eine Duell-Waffe, die es in sich hat. Nicht nur die Polizei, auch Seans Mutter ist von diesem gefährlichen Hobby wenig begeistert. Als Sean sich wieder einmal auf das riskante Vergnügen eines Rennens einlässt, ist für sie Schluss. Anstatt erneut umzuziehen, um einen Neuanfang zu versuchen, schickt sie Sean zu ihrem Ex-Ehemann nach Tokyo.
Der Unterschied könnte kaum größer sein. Gewohnt an die Weite Amerikas findet sich Sean nun in einer beengten Millionenstadt. Doch schnell wird ihm klar, wenn es um Autos geht, sind auch Sprachbarrieren kaum ein Problem mehr. Bereits am ersten Schultag lernt er Twinkie kennen, der ihn in die Welt der „Drifter“ einführt.
Schon nach wenigen Minuten vor Ort gelingt es Sean, sich Ärger – und ein Duell – einzuhandeln. Der Gegner: ausgerechnet D.K. – der Drift King. Sean versagt kläglich und demoliert darüber hinaus die Luxuskarosse von D.K.’s Partner Han. Um diese Schuld zu begleichen, wird aus Sean Hans Assistent. Denkbar schlechte Gesellschaft, denn D.K. und Han stehen ungünstigerweise in Verbindung mit den Yakuza. Die richtigen Probleme beginnen für Sean aber erst, als er sich in D.K.’s Freundin Neela verliebt.
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| FILMKRITIK
Eine Stadt inmitten der trockenen Einöde von Amerikas Westen. Breite, staubige Straßen, sengende Hitze. Und wir sind mittendrin im Western. Allerdings mit ein paar kleinen Neuerungen. Aus Colts werden Schraubenschlüssel, aus Pferden werden Autos und aus Cowboys werden Rennfahrer. Rivalitäten werden außerhalb des Gesetzes gelöst, die empfundene Moral ist hoch, der Preis auch: Die Gunst der Schönen winkt.
Dann, mit der Änderung des Handlungsortes, ändert sich auch der Fahrstil radikal. Während in den Weiten der Wüste Schnelligkeit oberste Priorität hat, setzen die beengten Verhältnisse der Riesenmetropole gänzlich andere Fähigkeiten voraus. Will man aus dem Auto nicht vorzeitig einen Schrotthaufen machen, heißt es nicht nur schnell fahren, sondern auch geschickt bremsen.
Schnell merkt man, dass das Driften weit mehr ist, als schlichtes Autofahren. Mit tänzerischer Eleganz schlängeln sich die schicken Wagen Serpentinen hoch oder absolvieren in halsbrecherischer Geschwindigkeit einen Slalom um die Betonpfeiler eines Parkhauses. Gerade in der Enge der Stadt, die einem den Atem nehmen kann, ist das Driften eine Möglichkeit, diesem Gefühl für kurze Zeit zu entkommen.
Wer wirklich driften kann, beherrscht sein Auto. Man ahnt, dass damit auch das kurze Gefühl verbunden ist, das eigene Leben zu beherrschen. Für Außenseiter ist dieses riskante Hobby zudem die Möglichkeit, doch noch Gruppenzugehörigkeit zu empfinden. Einzige Schranke ist dabei nicht die Herkunft, sondern Kapital und Können. Und zumindest mit ersterem sind die Menschen dieses Films weit mehr als reichlich ausgestattet.
Doch nicht nur die Schönheit der Kraft und der Bewegung des Autos als perfekt beherrschte Technik, auch das Spiel mit dem Tod ist Teil des Faszinosums. Das Aufbegehren gegen einengende Regeln und die Macht, sich selbst und andere zu zerstören, wenn man denn will.
Wie einst in „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ gibt es hier den jungen Rebell, der vergeblich auf Unterstützung aus der Elterngeneration hofft und mit Grenzen und Regeln spielt, bis er sich selbst über deren Bedeutung klar wird. So war es zumindest bei James Dean alias Jim Stark. Beim unverbesserlichen Sean ändern sich zwar die Ziele, die seine Raserei begründen, dennoch ist er weit von gewissen Einsichten entfernt.
Und darum geht es in „Tokyo Drift“ auch gar nicht. Was eigentlich zählt sind coole Autos, coole Musik und coole Menschen. Chromblitzendes Imponiergehabe mit perfekt einstudierten Gesten und rasanten Verfolgungsjagden. Da man – wie es bei solchen Filmen üblich ist – bereits am Anfang weiß, wie es am Ende ausgeht, kommt zwar keine Spannung auf, doch für kurzweilige Unterhaltung wird mit guten Stunts und guten Effekten durchaus gesorgt.
| FAZIT
Kurzweiliger Film über schnelle Autos und schöne Menschen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung