Mittwoch | 30. Mai 2012 | 16:33 Uhr
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  • FILM REVIEW | Aaltra
  • Aaltra

    Komödie | Belgien / Frankreich 2004
  • | INHALTSANGABE

  • Was tut ein Mann, dessen Kind gestorben ist, dessen Karriere beendet ist und der dann noch mitbekommen muss, wie seine Frau ihn betrügt? Eine Möglichkeit: Er rastet aus! Die Wut trifft den verhassten Nachbarn, mit dem er schon lange einen perfiden Kleinkrieg führt. Der heftige Zweikampf wird allerdings von der fehlerhaften Konstruktion des Traktoranhängers der Firma Aaltra beendet, der die Streithähne unter sich begräbt.

    Zu ihrem Ärger landen sie nicht nur im gleichen Krankenhaus, sondern auch im selben Zimmer. Beide sind fortan von der Hüfte abwärts gelähmt und werden im Rollstuhl entlassen. Beide versuchen vergeblich, sich das Leben zu nehmen. Und beide entschließen sich, auf Reisen zu gehen. Doch so sehr sie auch wollen, ihre Wege trennen sich dabei nicht.

    Es beginnt eine skurrile Odyssee, bei der sie sich in den unwahrscheinlichsten Situationen wiederfinden. Mit Gaunereien und unverschämtem Witz rollen sie gemächlich von Ort zu Ort. Und abgesehen von einigen kleinen Unterbrechungen bewegen sie sich einem gemeinsamen Ziel zu: Aaltra in Finnland.
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      • | FILMKRITIK

      • Zwei Männer, die aufgrund eines tragischen Unfalls zu Rollstuhlfahrern werden. Und kaum jemand wird wirklich Mitleid mit ihnen empfinden. Warum? „Aaltra“ räumt auf ziemlich unterhaltsame Weise ein „Muss“ aus dem Weg. Das „Muss“, Rollstuhlfahrer als arme Opfer zu sehen, denen man natürlich Hilfe leisten muss, weil sie es ja alleine gar nicht schaffen können.

        Können sie nicht? Können sie doch! Die beiden übellaunigen Nachbarn jedenfalls haben ihren Spaß mit dem aufgesetzten Wohltätertum der Menschen um sie herum. Sie nutzen diese Hilfsbereitschaft rigoros aus. Wird ihnen der kleine Finger gereicht, nehmen sie gleich den ganzen Arm. Wer ihnen mit ratloser Unsicherheit begegnet, wird kurzerhand ausgenommen, wer lacht, angepöbelt. Jede Reaktion löst eine Gegenreaktion aus.

        Sie begegnen der Welt selbstbewusst und unverschämt und damit nicht anders als manche ihrer Zeitgenossen. Schließlich wird hier keine naive Weltsicht gefördert. Neo-Nazis, rassistische Witze, Beleidigungen und Ignoranz sind ebenso an der Tagesordnung, wie – ehrliche und aufgesetzte – Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Offenheit. Fest steht, die beiden kennen ihr Ziel und alle Mittel, das zu erreichen, sind ihnen recht. Und auch wenn sie stehlen, saufen, fressen und sich prügeln, man kann nicht umhin, diese lakonischen Helden immer mehr ins Herz zu schließen.

        In grobkörnigem Schwarz-Weiß und mit skurrilem und teilweise makaberem Humor wird dieses Rollstuhl-Road-Movie erzählt. Man sollte außerdem damit rechnen, mit absurden Situationen konfrontiert zu werden, zu denen weder eine Erklärung noch eine Auflösung angeboten wird. Am ehesten erinnert „Aaltra“ dabei an die Filme von Aki Kaurismäki, der hier ganz und gar nicht zufällig einen Kurzauftritt als Aaltra-Chef absolviert.
      • | FAZIT

      • Rollstuhl-Road-Movie mit widerspenstigen Helden und skurrilem Humor.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Anke Hermann

      • | Userwertung

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