Mittwoch | 30. Mai 2012 | 06:39 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Reviewübersicht > Reviewdetails
  • FILM REVIEW | Wer früher stirbt, ist länger tot
  • Wer früher stirbt, ist länger tot

    Drama, Komödie | Deutschland 2006
  • | INHALTSANGABE

  • Der elfjährige Sebastian lebt mit seinem älteren Bruder und dem alleinerziehenden Vater in einem Dorf in Oberbayern, am Fuße des Wendelstein. Ein Lastwagen hat sein Fahrrad mitgeschleift, Sebastian will den geparkten Wagen wegbewegen und fährt die Hasen seines Bruders tot. Der Bruder rächt sich, indem er Sebastian sagt, die Mutter sei bei dessen Geburt gestorben, also sei er schuld an ihrem Tod.

    Fortan hat der Junge Angst zu sterben, denn dann kommt er in die Hölle und trifft seine Mutter im Himmel nicht. Unsterblich soll ihn die Musik machen, also lernt er Gitarre. Und der Vater braucht eine neue Frau, also schleimt sich Sebastian bei Frau Kramer ein. Auf Anraten des Stammtischs in Vaters Gasthaus denkt auch Sebastian selbst an Fortpflanzung, damit seine Gene in anderen Menschen weiterleben: Er fragt seine Lehrerin, ob sie mit ihm... Die bittet den Vater in die Sprechstunde.
    WERBUNG
      • | FILMKRITIK

      • Der erste Kinofilm von Regisseur und Co-Autor Marcus Hausham Rosenmüller ist eine dieser Heimatgeschichten, die ohne Blasmusik zurück zu den Wurzeln finden wollen. Irgendwo in den bayerischen Tälern fährt vielleicht heute noch ein Junge auf einem Fahrrad, das auf „Easy Rider“ gestylt ist, schickt ein Althippie unsterbliche Rocklieder aus einem kleinen privaten Hörfunkstudio durch den Äther, fährt ein Biertransporter zum Klang dieser Lieder zu schnell durch eine Ortschaft.

        Die Filmkamera fliegt sogar auf den Schwingen der Radiomusik über die Landstraße und rund um Sebastians Bubenfantasien entwickelt sich eine pralle Screwball-Dynamik, der manchmal die Gäule durchgehen. Sebastian will einen Hasen per Stromschlag wiederbeleben, dabei spritzt Blut auf die adrette Schulfreundin, die dem Jungen gerne assistiert. Der wortkarge Vater verteilt Ohrfeigen, die Sorgen der Lehrerin über die Entwicklung von Sebastian dringen nicht durch das Telefon, der Lastwagenfahrer hat am Stammtisch Mühe, Sebastian nicht allzu ordinär sexuell aufzuklären.

        Über allen Szenen und Dialogen blinkt eine Warnung, die automatisch Lacher produziert: Moralisch bedenklich! Oder: Achtung, hier tobt das rockige, urtümliche Leben mit seinen brutalen Widersprüchen. Sebastian wird in seinen nächtlichen Albträumen von den Proben des Dorftheaters heimgesucht: Er soll ins Fegefeuer! Aber seine Sünden werden täglich mehr, unbeabsichtigt natürlich, wie auch das Dorftheater nicht aufhören will, in den Albträumen zu proben, so dass man sich bald als Zuschauer zu billig einquartiert fühlt.

        Schon besser ist die bunte Bildfantasie, in der die tote Mutter als Wassernymphe im Weiher erscheint. 105 Filmminuten aber sind zu lang. Zu Sebastians wachsender Umtriebigkeit gesellt sich im Rausch des Immer-Höher auch noch ein himmlischer Wink der Mutter in Gestalt einer Krähe: Sebastian soll den Radio-Alfred erschießen, weil der mit der Lehrerin verheiratet ist, der Vater sie aber bekommen soll.

        Der von Markus Krojer gespielte Sebastian sieht Hansi Kraus aus den „Lausbubengeschichten“ der sechziger Jahre ziemlich ähnlich. Der hatte es ja auch ganz schön krachen lassen. Nur kennt man inzwischen schon weniger harmlose Filme. Es gibt daher einen fatalen Moment in dieser naiven Bubenstreichgeschichte: Sebastian steht mit dem Revolver in der Hand vor Alfred, der gerade entschieden hat, sich doch nicht aus Liebeskummer aufzuhängen. Der Junge hat einen wirklich rebellischen Gesichtsausdruck, als er abdrückt.

        Aber Rosenmüller träumt von einem deftigen Bauerntheater mit modernen filmischen Mitteln, und dazu gehört nicht wirklich, am Fels die Bergwacht auf sich aufmerksam zu machen. Anders als 2005 in der bayerischen Komödie „Grenzverkehr“ von Stefan Betz, verzettelt sich hier die Geschichte in dem Wunsch, stets lustig zu wirken. Sebastian und seinen Stammtisch-Begleitern werden Worte in den Mund gelegt, die sie prima nachsprechen. Der Witz wirkt, weil er gestellt ist.
      • | FAZIT

      • Quirliger Lausbubenfilm, der sich auf der Suche nach bayerischem Rebellentum vergaloppiert.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Bianka Piringer

      • | Userwertung

      Wertung: 8.0/10 (7 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN