Zwischen einem Arbeiterviertel von Madrid und einem Dorf in La Mancha sind drei Generationen von Frauen in eine Familientragödie verstrickt: In Madrid schuftet Raimunda, um sich und ihre pubertierende Tochter Paula durchzubringen, ihre geschiedene Schwester Sole betreibt in ihrer Wohnung einen illegalen Friseursalon. In einem kleinen Dorf in der Provinz kümmert sich die krebskranke Augustina um eine betagte Nachbarin, die Tante Paula von Raimunda und Sole. Die alte Dame stirbt bald, dafür erscheint der Geist von Irene, der Mutter der Schwestern, die vor Jahren bei einem Brand ums Leben gekommen ist. Sie möchte Raimunda um Vergebung bitten.
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| FILMKRITIK
Ein Heer spanischer Witwen putzt voller Hingabe auf einem Friedhof die Grabsteine ihrer Verstorbenen. Die wichtigste Botschaft des Films wird gleich zu Beginn etabliert: Die Frauen überleben. Männer spielen in diesem rein weiblichen Universum keine Rolle.
„Volver“, „Zurückkehren“ heißt Pedro Almodóvars neuster Film, rot wie Blut prangt der Titel auf einem der Grabsteine. Der Film ist in vielerlei Hinsicht eine Rückkehr: die Vergangenheit, die die Gegenwart der Heldinnen einholt, die ihrerseits ins Dorf ihrer Kindheit zurückkehren; die totgeglaubte Mutter Irene, die als (vermeintlicher) Geist im Diesseits erscheint und der Vater von Paula, der seine Tochter zu vergewaltigen versucht, das gleiche Schicksal, das schon ihrer Mutter Raimunda widerfahren war. Doch in „Volver“ kommt auch die Schauspielerin Penelope Cruz von Hollywood nach Spanien und zu Almodóvar zurück, ebenso wie die wunderbare Carmen Maura, die Muse, die nach 18 Jahren erstmals wieder mit dem spanischen Kultregisseur zusammenarbeitete. Der wiederum besinnt sich ebenfalls auf seine Wurzeln, auf La Mancha, wo er aufgewachsen ist, und auf die rein weibliche Welt seiner frühen Filme.
Dass Raimundas Ehemann in „Volver“ keine lange Karriere bevorsteht, ist schnell klar. Gerade arbeitslos geworden sitzt er auf dem Sofa, schaut Fußball, trinkt Bier und stiert seiner Tochter Paula zwischen die Beine. Raimunda macht den Abwasch und man könnte meinen, die Kamera interessiere sich vor allem für das Dekollete von Penelope Cruz, als sie ihr von oben beim Spülen zuschaut. Doch die hat gerade ein auffällig großes Messer in der Hand, und die Karriere des Ehemanns endet bald darauf als Leiche in einer Tiefkühltruhe. Die Frauen sind endlich unter sich, die Probleme damit jedoch keineswegs geringer.
La Mancha hätte die meisten Verrückten pro Einwohner, heißt es einmal im Film. Der Wind, der unaufhörlich durch die Dörfer bläst, der auch das Feuer anfachte, in dem Raimundas Eltern verbrannten, der scheint auch die Köpfe etwas zu verwirren. Da wundert sich auch niemand, als die totgeglaubte Irene wieder auftaucht, denn Geister gehören irgendwie zum Leben dazu. „Das ist das Gute an diesen abergläubischen Dörfern.“ Meisterhaft inszeniert Pedro Almodóvar diese beinahe surrealistisch anmutende Grundidee, das Hin und Her zwischen Leben und Tod. Doch er geht dabei äußerst pragmatisch und wenig übersinnlich vor: (Der Geist von) Irene steigt aus Soles Kofferraum, versteckt sich unter dem Bett, lässt einen Furz fahren. Die Heldinnen, ja der ganze Film sind erdig wie La Mancha, immer noch bunt, aber nicht mehr so überdreht und von vorne bis hinten stilisiert wie die vorangegangenen Filme. Auch Raimunda ist praktisch veranlagt, immer in Hektik, um ihr Leben einigermaßen in den Griff zu kriegen. Penelope Cruz hat alles abgelegt, was man als Hollywood-Attitüde verstehen könnte. Sie ist nicht mehr die artifizielle Retortenschönheit, sondern ein warmherziges Wesen. Sexy, aber mit unordentlichen Haaren kämpft sie sich durchs Leben. Und als sie in einer ergreifenden Szene einen Tango singt, den sie als Kind von ihrer Mutter gelernt hat, da nimmt man ihre Filmtränen unweigerlich als echt an.
Pedro Almodóvar meistert die Fallhöhe zwischen grotesker Komik und Melodram auf großartige Weise. Der Tragik der Figuren, immer auf der Suche nach Lösungen um der Tristesse des Lebens zu entfliehen, verleiht er eine Leichtigkeit und Würde, die im zeitgenössischen Film ihresgleichen sucht.
| FAZIT
Ein meisterhafter Film über den Tod, der das Leben feiert.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung