Mitten in einem Undercover-Einsatz, bei dem ein Zuhälter einkassiert werden soll, wird Detective Ricardo „Rico“ Tubbs von einem befreundeten Informanten angerufen. Ein Deal mit dem FBI ist durch einen internen Verräter gründlich schiefgelaufen, die „Arische Bruderschaft“ hat die Ehefrau des Informanten entführt und ihn selbst unter massiven Druck gesetzt.
Rico und sein Kollege James „Sonny“ Crockett machen sich auf den Weg, das Schlimmste zu verhindern. Doch es ist bereits zu spät. Ihr Freund und dessen Ehefrau sind tot. Um die „Arische Brüderschaft“ doch noch ins Netz zu bekommen, wendet sich FBI Special Agent Fujima an Sonny und Ricardo. Die beiden sollen sich undercover in das Netzwerk des kolumbianischen Drogenhändlers José Yero einschleusen. Als Transporteure für die heiße Ware sollen sie bei einen Deal die „Arische Brüderschaft“ in eine Falle locken.
Nach einigen Prüfungen als vertrauenswürdig akzeptiert, erkennen Sonny und Rico bald, dass es sich auch bei Yero nicht um den eigentlichen Kopf der Organisation handelt. Vielmehr hat Jesús Montoya – auch der „Erzengel“ genannt – die Fäden in der Hand. Die „Arische Bruderschaft“ wird angesichts dieses großen Fisches zu einer Nebensache.
Rico und Sonny geraten immer tiefer in die Machenschaften des Netzwerkes. Ein Pokerspiel, bei dem nur eine Seite gewinnen kann. Sie merken bald, dass die Höhle des Löwen kein sehr gemütlicher Ort ist. Erst recht nicht, wenn man sich auf eine Affäre mit der „Löwin“ Isabella einlässt... .
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| FILMKRITIK
Der Film beginnt unmittelbar. Kein Titel, kein Vorspann, der den Zuschauer gemächlich auf das Kommende einstimmen würde. Die Aufmerksamkeit wird von der ersten Sekunde an gefordert und auch wenn man einige Augenblicke benötigt, sich in der gezeigten Situation zu orientieren, fällt der Einstieg in den Film nicht schwer. Man wird gewissermaßen in die Handlung hineingesogen und erst im Nachspann wieder ausgespuckt. Dazwischen erlebt man etwas, dass es recht selten im Kino gibt: gleichbleibende Spannung und Unterhaltung auf hohem Niveau.
Wer bereits einen oder – was sehr zu empfehlen wäre – mehrere Filme von Michael Mann gesehen hat, der muss sich, was die individuelle Handschrift dieses Regisseurs angeht, nicht umstellen. Eine rätselhafte und unheilvolle mysthische Stimmung durchzieht immer wieder die Bilder. Beeindruckende städtische Lichtkulissen, wie sie auch in „Heat“ oder „Collateral“ zu finden sind, werden hier zusätzlich ergänzt durch übernatürlich schön gefilmte Blicke auf eine scheinbar unberrührte Natur.
Die Kamera wird in „Miami Vice“ zum eigenständigen Akteur. Mal rückt sie den Figuren so nahe, dass jede Pore, jedes noch so geringe Zucken um die Augen sichtbar wird. Mal präsentiert sie verschwimmende, schweifende oder beiläufige Blicke. Immer wieder rücken kleine, nebensächliche Details ins Zentrum der Wahrnehmung, die, summiert, ein sehr komplexes Gesamtbild erschaffen. Manche der Aufnahmen wirken geradezu dokumentarisch, andere wiederum sind hochgradig fiktiv. Stark bewegte Bildfolgen wechseln sich – oft sehr plötzlich – mit ruhigen oder auch statischen Aufnahmen ab.
Die unterschiedlichen Handlungsorte – das nächtliche Miami, Kuba oder die Karibik – bekommen eine jeweils eigene Stimmung und Atmosphäre zugewiesen, was insbesondere durch den Einsatz von Musik und unterschiedlicher Farbigkeit erreicht wird. Zum Beispiel dumpf hämmernde Bässe und grelles Neonlicht für die Großstadt Miami, warme Gelbtöne und Salsa-Musik für das heiße und entspannte Kuba.
Jamie Foxx, Colin Farell, Gong Li. Eine Idealbesetzung. Die Schauspieler verschmelzen mit ihren Rollen und gehen ganz in ihnen auf. Foxx und Farell alias Rico und Sonny agieren als freundschaftlich verbundenes Dreamteam. Auf der einen Seite stehen dabei die leicht bitteren, lakonischen Kommentare und die zurückhaltene, rationale Vorsicht Ricos, auf der anderen die verletzliche Coolness und die teilweise unüberlegten und emotionsgelenkten Handlungen Sonnys. Gong Li alias Isabella zeigt dagegen besonders deutlich, wie sehr die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmen kann.
Immer wieder wird diese Grenze sichtbar gemacht. Die Versuchung, dem Bösen zu erliegen ist, so scheint es, stets vorhanden. Auch die Grenze zur Illegalität ist bei den Aktionen der Undercover-Agenten nicht immer deutlich zu erkennen. Wie weit darf sich ein Mensch, der von sich behauptet, für das Gute zu kämpfen, dem Bösen nähern, ohne ihm unmerklich zu verfallen? Auf diese Frage gibt der Film zwar keine Antwort, aber immerhin eine Ahnung.
Insgesamt betrachtet ist „Miami Vice“ von Michael Mann ein durch und durch gelungener Film. Zur sehr gut ausgearbeiteten Geschichte gesellen sich interessante und vielschichtige Charaktere, die von sehr guten Schauspielern verkörpert werden. Begleitet von passender Musik, wurde das Ganze mit einer immer wieder überraschenden und überragenden Kamera gefilmt und mit visuellen Besonderheiten ausgestattet. Neben Action und Spannung kommen auch dramatische und tragische Elemente nicht zu kurz und auch der Komik gelingt es, hin und wieder hervorzublitzen. Summa sumarum: empfehlenswert.
| FAZIT
Eine gute Geschichte und Idealbesetzung gepaart mit Spannung und Unterhaltung auf hohem Niveau.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung