Die neunjährige Mathilde lebt mit ihrer Mutter Hélène in der Nähe von Paris. Die beiden haben ein angespanntes Verhältnis mit wenig Kommunikation. Sie besuchen den Opa im Altenheim. In der Nacht läuft Mathilde weg und will Opa abholen, um die verschollene Großmutter in Biarritz zu finden. Mathilde hat ein Päckchen Briefe von ihr gefunden, während ihr ihre Mutter immer nur sagte, die Oma sei tot. Widerstrebend brennt der Opa mit Mathilde durch. Unterwegs erfährt sie die Geschichte seiner Ehe und dass die Oma Hélène verlassen hat, als diese zehn Jahre alt war.
Die Mutter macht sich auf die Suche nach Mathilde. Als sie zu den beiden hinzustößt, stellt sie ihren Vater zur Rede wegen der vielen an sie adressierten Briefe ihrer Mutter, die er ihr stets vorenthalten hatte. Mathilde und Hélène setzen ihre Suche allein fort, bis in ein Dorf in den Pyrenäen.
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| FILMKRITIK
Der französische Film von Debütregisseur Safy Nebbou, von dem auch die Geschichte stammt, erhielt auf den Französischen Filmtagen in Dresden im vergangenen Jahr den Publikumspreis. Er erzählt einen dieser Stoffe aus der nüchternen, scheinbar unverrückbaren Realität einer alleinerziehenden Mutter und ihres unglücklichen Kindes, die das Kino mittlerweile gerne aufgreift. Um dann das Kind die Dinge auf magische Weise mit den Mitteln der Fiktion richten zu lassen. „Der Hals der Giraffe“ tut das auf so unspektakuläre, gebrochene Weise, dass nicht mehr als ein ernsthaftes kleines Stück herauskommt, das besser im Fernsehen aufgehoben wäre.
Louisa Pili als Mathilde wurde zu Recht viel gelobt für ihr Spiel voller tiefgründiger Blicke und für ihre Wahrheit, die gegen die Sprachlosigkeit bestehen muss. Sandrine Bonnaire als Hélène bringt ihre große darstellerische Erfahrung in ihre Rolle, die zwischen Verhärtung und Sehnsucht nach emotionalem Kontakt schwankt. Die große Rolle, sogar die eigentliche Geschichte, gehört aber gar nicht ihnen, sondern dem Opa Paul, gespielt von Claude Rich.
Die stärksten, wahrhaftigsten Szenen des Films sind am Anfang im Altenheim angesiedelt. Paul wird von seiner Tochter, die aufgesetzte Fröhlichkeit versprüht, mehr oder weniger genötigt, nicht undankbar zu sein und doch endlich zu sagen, wie nett es hier ist. Die uferlose Tristesse dieses Mannes, dem man nicht nur das Geburtstagstörtchen vorsetzt, sondern auch vorsagt, wie er seinen Part spielen soll, ist eine selten so drastisch gesehene Warnung davor, sich im Alter in ein Heim zu verirren.
Auch während das Roadmovie im TGV nach Biarritz fährt und es dort dann zu Begegnungen mit Pauls Vergangenheit kommt, sind die großen Emotionen und Wandlungen ihm vorbehalten. „Der Hals der Giraffe“ ist übrigens der Name von Pauls ehemaliger Buchhandlung. Der alte Loser, der im Laufe des Films auch noch die Buhmann-Rolle gegenüber Frau und Tochter zugewiesen bekommt, entdeckt, dass er noch etwas außerhalb des Heims besitzt. Das sieht man gerne mit an, das verschafft Genugtuung.
Eine heile Welt wartet sonst nirgends, nicht mal in dem Dorf in den Pyrenäen oder am Strand von Biarritz. Auch nicht in der Art und Weise, wie der Film seine Figuren behandelt. Sie müssen doch ziemlich sprunghaft den Spagat überbrücken zwischen dem Handlungswegweiser und einzelnen kurz herangezoomten Szenen, deren Mikrokosmos isoliert bleibt. Von einem Melodram mit sehnsüchtigem Nachhall ist hier wenig zu spüren, allerdings auch nicht von Kitsch.
| FAZIT
Kleines, unprätentiöses Generationendrama mit einem starken Großvater, das aber besser im Fernsehen aufgehoben wäre.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung