Es ist der 11. September 2001. Der Tag beginnt. Sergeant John McLoughlin und Officer Will Jimeno des Port Authority Police Department (PAPD) begeben sich auf den Weg zur Arbeit. Es ist ungewöhnlich warm, die Arbeit alltäglich. Dann fliegt ein Flugzeug in das World Trade Center.
Das PAPD Team um Sergeant McLoughlin wird zusammengerufen und begibt sich zum Ort des Geschehens. Gerüchte werden laut, ein weiteres Flugzeug sei in den zweiten Turm geflogen. Sicher ist sich niemand. Vor Ort treffen sie auf Feuerwehrleute, weitere Polizisten, Notärzte, Fliehende und Verletzte. Das Gebiet um die Türme wird bereits evakuiert. Sergeant McLoughlin begibt sich mit Freiwilligen in die Türme, um bei der Evakuierung zu helfen.
Während sie sich im Erdgeschoss-Bereich zwischen den Türmen aufhalten, stürzt eines der Hochhäuser in sich zusammen. McLoughlin, Jimeno und Dominick Pezzulo überleben durch den Sprung in einen Fahrstuhlschacht, welcher der Erschütterung standhalten kann. Während McLoughlin und Jimeno eingeklemmt sind, kann sich Pezzulo befreien. Nach dem missglückten Versuch, seinem Freund zu helfen, stirbt er beim Einsturz des zweiten Turms. Die anderen beiden überleben.
Tief in der Nacht geben die erschöpften Helfer die Suche nach Überlebenden in den instabilen Trümmern der eingestürzten Hochhäuser auf. Gleichzeitig beschließen die Marines Staff Sergeant Dave Karnes und „Thomas“ auf eigene Faust in den Trümmern weiterzusuchen. Tatsächlich können sie McLoughlin und Jimeno lokalisieren. Dank zahlreicher Helfer gelingt es, die beiden Männer zu bergen.
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| FILMKRITIK
Die Emotionen, welche angesichts eines Katastrophenfilms entstehen, der wahre Begebenheiten wiedergibt, greifen tiefer, je näher das Ereignis zeitlich zurückliegt und je mehr Absicht im Verschulden der Katastrophe steckt. Denn ein Naturereignis kann nicht angeklagt und menschliches Versagen kann verziehen werden. Beides gilt für das absichtsvolle Herbeiführen einer Katastrophe nicht. Aus diesem Grund sind die Emotionen, welche durch den Film „World Trade Center“ geweckt werden, von besonderer Art, auch wenn es sich, was den Aufbau des Films betrifft, um einen nahezu klassischen Katastrophenfilm handelt.
Vermutlich dürften sich dem Großteil der Weltbevölkerung die Bilder der Ereignisse des 11. September eingeprägt haben. Und auch das macht „9/11“ zu etwas Herausstechenden. Es fand seinen visuellen Wiederhall in hunderttausenden von Bildern, sprich Fotos und Filmen von Amateuren, Journalisten und Filmemachern. Die Katastrophe wurde für immer festgehalten. Auf diese Weise wiederholt sich der Schrecken immer und immer wieder – bis in die Gegenwart und ganz sicher auch bis in die nahe Zukunft. Dem Vergessen wird auf diese Weise entgegen gearbeitet, die Opfer bleiben gegenwärtig.
Und auch „World Trade Center“ liefert seinen Beitrag dazu. Doch im Falle des Films von Oliver Stone verschiebt sich das Zentrum der Betrachtung. Den Opfern des Terroranschlags wird in eindringlichen Bildern der Leere ein Mahnmal gesetzt. Ihre Abwesenheit wird zur Aussage. Doch nicht die Toten rücken in den Mittelpunkt der Handlung, sondern die Lebenden. Thematisiert wird in erster Linie das Gute, zu dem Menschen fähig sind, als Reaktion auf das Böse, zu dem Menschen fähig sind. Sie werden in einer Extremsituation beobachtet, die scheinbar dazu in der Lage ist, ihren wahren Kern zum Vorschein zu bringen.
Das „Heldenhafte“ wird immer wieder relativiert. Ob einer nun unter Lebensgefahr in die Trümmer hinabsteigt, um einen Verletzten zu bergen, oder ob er bis in den Morgengrauen für die Erschöpften Würstchen brät, die Leistungen erscheinen gleichgesetzt. Auch die Grenzen der Heldenhaftigkeit werden deutlich gemacht. Zusammenbruch, Verzweiflung, Angst und Resignation sind auch hier nur allzu menschliche Reaktionen angesichts der Situation.
Eine Verzerrung dieses Heldenbildes gibt es dennoch in der Person des Ex-Marines, der sich von Gott berufen fühlt, die Mission der Rettung zu erfüllen. Wenn er heroisch in die Ferne blickt und sich angstfrei der Hölle nähert, aus der sich erschöpfte Feuerwehrmänner und Polizisten zurückziehen, blitzt ein Gesellschaftsbild hervor, wie man es hierzulande nicht gerne sieht. (Kommentarlos wird im Nachspann erwähnt, dass die nächste Mission diesen Marine in den Irak führte.)
Der Film geht wesentlich weiter, als es die bereits bekannten Bilder des „9/11“ könnten. Die Katastrophe ereignet sich nicht irgendwo in der Ferne, sondern wird unmittelbar erlebbar gemacht. Und so stürzen die Türme des World Trade Center über dem Zuschauer selbst zusammen, wird er unter den Trümmern begraben, während im Hintergrund das Feuer lodert und ist er Teil der ohnmächtig wartenden Familien auf ein Lebenszeichen der Vermissten.
Immer wieder wechseln dabei die Schauplätze des Geschehens einander ab. Zwischen den eingeklemmten Verletzten, den Helfern vor Ort und den wartenden Angehörigen. Die ganz private Katastrophe von John McLoughlin und Will Jimeno baut sich langsam auf. Von der ersten Erleichterung in Anbetracht des Überlebens, über die Erkenntnis des immer möglicher werdenden Todes, bis hin zur Resignation und des sich Ergebens in die Lage und schließlich dem Schöpfen neuer Hoffnung ist es ein weiter Weg.
Sensationslust am Unglück anderer findet man hier aber nicht. Zwar erspart Oliver Stone dem Zuschauer selbst den realen Anblick eines in den Tod springenden Menschen nicht, doch auch dieses erschütternd einprägsame Bild gehört in seiner ganzen Deutlichkeit unvermeidlich in die Handlung. Denn nur indem auch diese Bilder Eingang in den Film finden, kann er seine Glaubwürdigkeit sichern. Und das ist wichtig, denn der Film ist ganz offensichtlich um das Gefühl größtmöglicher Authentizität bemüht.
Und dieses Gefühl erreicht der Film in einigen Szenen auf besonders beeindruckende Weise. So birgt der geisterhaft flüchtige Flugzeugschatten, der stumm über das Gesicht einer Touristin huscht, den wahren Schrecken der unerwarteten Katastrophe in sich. Das plötzliche Zerbrechen des Alltags durch diesen Schatten prägt sich unerbittlicher ein, als das Bild der Zerstörung selbst und wird so zum eigentlichen Sinnbild des „9/11“.
| FAZIT
Eine sensible Herangehensweise an die Terroranschläge des 11. September mit der Konzentration auf zwei Überlebende und ihre Retter.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung