Das mit dem Nachbarn vom schauerlichen Holzhaus gegenüber nicht gut Kirschen essen ist, hat der 12jährige D.J. gelernt: All die Spielsachen, die auf seinem Rasen landen, beschlagnahmt der alte, dürre wiewohl furchterregende Nebbercracker sofort. Und auch wer es wagt, einen Fuß auf das Grundstück zu setzen, wird unter entsetzlichem Gezeter davongejagt. Bei der Rettungsaktion für den neuen Basketball von D.J.s Kumpel Ketchup wütet der Kinderschreck jedoch wie nie zuvor – und bekommt prompt eine Herzattacke. Doch die Nachbarschaft wird dadurch nicht sicherer. Denn D.J. und sein Freund müssen feststellen, dass das Haus ein unheimliches Eigenleben entwickelt – und sich sogar Menschen holt, die ihm zu nahe kommen. In der Halloween-Nacht machen sich die zwei Jungs, unterstützt von der naseweisen Jenny, auf, um das Geheimnis des Monsterhauses zu lüften. Und geraten dabei in ein irre Geisterbahnfahrt.
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| FILMKRITIK
"Monster House" ist definitiv kein Kinderfilm, auch wenn die Animationstechnik das vielleicht andeutet. Tatsächlich ist die Geschichte um das schreckliche Gebäude in der Nachbarschaft feinster Jugend-Horror – und geht dabei so weit, wie man es ohne Blut, Mord und Totschlag gerade noch kann. Die Produzenten-Namen Steven Spielberg und Robert Zemeckis deuten schon an, wohin die Reise führt: Spielberg lässt den wüsten Flair der "Goonies"-Teenie-Abenteuer der 80er wiederauferstehen, Zemeckis frönt einmal mehr dem garstigen Grusel- und Horror-Spaß wie dem seiner "Geschichten aus der Gruft", die mal mehr, mal weniger für – echte – Kinder geeignet sind.
"Monster House" nimmt dabei in seiner Geschichte die jugendlichen Helden und ihre Welt ernst. Erwachsene sind bestenfalls Witzfiguren, Hilfe jedenfalls keine, und auch der Humor, mit dem der Alltag – und vor allem der Schrecken der Nacht – gemeistert wird, ist so trocken und launig, dass sich viele Kids sich darin wiederfinden und pudelwohl fühlen dürften.
Man mag auch kaum glaube, dass es sich hier um eine Original-Story der Autoren Pamela Pettler, Rob Schrab, Dan Harmon handelt und nicht um eine Adaption von Ray Bradburry (und in besonders psychologisch finsteren Momenten von Stephen King). "Monster House" bietet eine durchdachte, klug kalkulierten Story und verpackt diese in eine intensive, wohlige Atmosphäre. Mit ein Grund ist die Beschränkung in Ort und Zeit: Die Nacht vor bzw. an Halloween, und die kleine Vorortstraße – in diesem engen Rahmen bietet Regisseur Gil Kenan alles an wonnigen Herbstabend- und Jugendstimmungen auf, die auch hier wieder großes Einfühlungsvermögen und geglückte Rückbesinnung auf die Kinderzeit beweist. Wer kennt das nicht, das unheimliche Haus und der böse Mann, die böse Frau, vor denen man auf der Hut sein musste, als man klein war? Die große, nervige Teenage-Babysitterin und ihr fies-debiler Freund?
Was jedoch an "Monster House" irritiert, ist seine Machart. Wäre es ein reiner Animationsfilm mit eigener filmischer Sprache und Welt, wäre das noch in Ordnung gewesen. So aber hat man erneut die Motion-Capture-Technik verwendet, mit denen die Produzenten und ein Großteil des Teams bereits den "Polarexpress" auf den Weg gebracht haben. Echte, lebende Darsteller werden gefilmt und später als Animatiosfiguren im Rechner neu modelliert. Hier boten sich Stars wie Steve Buscemi, Kathleen Turner, Jason Lee und Maggie Gyllenhaal an. Das Ergebnis sind erstaunlich lebensecht animierte Charaktere mit nuanciertem Spiel. Allerdings mit Puppenköpfen.
Und so fragt man sich unweigerlich, auch angesichts der Naturtreue von Licht und Schatten, von all den fotorealistischen Momenten, weshalb man es nicht gleich "in echt" belassen hat. Klar, eine Animation des wütendenden Hauses hat es gebraucht. Auch manche wilden Kamerafahrten und -flüge sind nur so zu realisieren gewesen. Doch darauf kam es wirklich nicht an.
Deshalb bleibt der schale Geschmack, dass hier etwas nur wegen seiner Machbarkeit bestaunt werden soll. Und zugleich das gute Gefühl, eine so wundervoll irrwitzige, gruselige und oft auch makabere Geschichte unter dem Tarnmäntelchen des Animationsfilmes an Kritikern und Eltern vorbei zu jenen geschmuggelt zu sehen, für die sie wahrhaftig gemacht ist.
| FAZIT
Unter der selbstzweckhaften Oberfläche der Motion-Capture-Animationsprotzerei findet sich eine wirklich gruseliges, ehrliches und atmosphärisch dichtes Jugend-Horror-Abenteuer in bester Tradition von Ray Bradburry und den Teenie-Filmen der 1980er.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung