FILM REVIEW | Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders
Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders
Drama,
Krimi
| Deutschland / Frankreich / Spanien / USA 2006
| INHALTSANGABE
Paris, 1738: auf dem Fischmarkt wird ein ungewöhnliches Kind geboren: Jean-Baptiste Grenouille. Aufgewachsen im Waisenhaus arbeitet er zunächst bei einem Gerber, bis er den alternden Parfumeur Baldini von seinem außergewöhnlichen Talent überzeugen kann: er hat einen besonders ausgeprägten Geruchssinn. Grenouille lernt von Baldini, Parfums herzustellen und Düfte zu konservieren. Doch bald kann ihm sein Meister nichts mehr beibringen, und so macht sich Grenouille auf ins südfranzösische Grasse, das Mekka der Düfte, um die Kunst der Enfleurage zu erlernen, mit der man den Geruch jeglichen Materials festhalten kann. Unterwegs macht der Außenseiter eine schreckliche Entdeckung: alles um ihn herum riecht, nur er selbst ist völlig geruchlos. Und so entwickelt er die Obsession, die Gerüche von Menschen, vorwiegend hübschen Mädchen, festzuhalten, um daraus einen Duft zu kreieren, der dazu führen soll, dass die Menschen auch Grenouille gut riechen mögen. Dabei schreckt er vor keinem Mittel zurück.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Tom Tykwer und Bernd Eichinger haben sich daran gewagt, Patrick Süskinds Erfolgsroman „Das Parfum“ zu verfilmen. Daraus ist, wie könnte es bei Eichinger anders sein, ein Mammutprojekt geworden und Tom Tykwer verfügte auf einmal über das größte Budget seiner Karriere. „Das Parfum“ ist ein üppiger Ausstattungsfilm. Ein ganzes Stadtviertel von Barcelona hat der Regisseur mit Schlamm überziehen lassen, um daraus den Pariser Fischmarkt des 18. Jahrhunderts wieder auferstehen zu lassen, den „schmutzigsten Ort der dreckigsten Metropole der Welt“.
Wie vermittelt man einem Kinopublikum diesen unbarmherzigen Gestank, diese Duftschwaden, die Süskind in seinem Roman so eindrücklich und lebhaft schildert? Tykwer will die Gerüche visuell erfahrbar machen und vertraut dabei ganz den Bildern und seinem Kameramann Frank Griebe, mit dem er schon alle seine früheren Werke drehte. Hektisch gleitet die Kamera zwischen den Duftquellen hin und her, folgt den unsichtbaren Gerüchen in Grenouilles Nase hinein oder fixiert die Duftquellen, Rosenblüten ebenso wie von Maden überzogenes Fleisch. Manchmal ist es wohl ganz gut, dass im Kinosaal noch keine zum Film passenden Düfte versprüht werden. Die Kameraarbeit Griebes mag die bestmöglichste Annäherung an Süskinds sinnliche Beschreibungen sein, auf Dauer jedoch verkommen die detailversessenen und stilisierten Bilder von Blüten, Fischköpfen, Lavendelfeldern und Grenouilles schnuppernder Nase zur manieristischen Floskeln.
Dieser Grenouille (frz.: Frosch) ist im Film ein zwar etwas seltsames, auf den ersten Blick aber eher friedfertig wirkendes Duft-Genie. Die Abgründe seiner Seele erschließen sich nur langsam. Der Parfumeurs-Geselle hält sich für einen Niemand. Selbst das Elementarste, ein eigener Körpergeruch, fehlt ihm. Ausgerechnet ihm, der er im größten Gestank der Welt geboren wurde. Die Anerkennung, die er im Alltag nie erfahren hat, will er sich nun über einen ganz besonderen Duft erkaufen, um seiner Vereinsamung entgegenzuwirken.
Der englische Schauspieler Ben Wishaw ist zwar, wie der Rest des Ensembles (allen voran der perfekt besetzte Dustin Hoffmann als Baldini), bemüht, den Figuren eine Persönlichkeit einzuhauchen. Dabei aber bleibt er einfach zu nett in der Rolle des unsagbar hässlichen, besessenen Mörders. Von der zugleich abstoßenden wie faszinierenden Romanfigur ist er allemal weit entfernt.
Man sollte zwar Literaturverfilmungen nicht primär an der literarischen Vorlage messen, doch im Fall von „Das Parfum“ liegt es nahe, denn Tykwer hält sich über weite Strecken genau an Süskinds Roman. Dies scheint sein eigentliches Problem zu sein, denn der Film ist durchaus solide, aber ihm fehlt das Besondere, der gewagte, mutige Einfall. Er setzt auf Schauwerte und dramatische Musik und inszeniert einen opulenten Bilderreigen mit minutiös komponierten Bildern (etwa wenn eines seiner Opfer in einem gelb strahlenden Kessel voller Fett treibt) und großen Landschaftstotalen. Doch dies alleine trägt den Film nicht, sondern hinterlässt Leerstellen. Selbst die berühmte Massenorgie während Grenouilles geplanter Hinrichtung ist zwar mit Hilfe der berühmten spanischen Tanztheater-Gruppe „La Fura dels Baus“ perfekt choreographiert, aber äußerst brav geraten – als hätte Tom Tykwer Angst gehabt, mit radikalen Ideen das Massenpublikum zu verschrecken. Man hätte ihm mehr Mut und ein geringeres Budget gewünscht...
| FAZIT
Opulente, aber etwas brav geratene Verfilmung von Patrick Süskinds Welterfolg „Das Parfum“, die vor allem auf Schauwerte und weniger auf Figurenpsychologie setzt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung