FILM REVIEW | The Chumscrubber - Glück in kleinen Dosen
The Chumscrubber - Glück in kleinen Dosen
Drama
| USA 2005
| INHALTSANGABE
Dean Stiffle und seine Eltern leben in Hillside, dem Paradies auf Erden. Das Gras ist grün, die Zäune der Villen sind so weiß wie ihre Bewohner, die Vögel zwitschern, das Leben ist herrlich. So zumindest scheint der Traum auszusehen, den die mit Pillen jeglicher Art vollgestopften Anwohner mit verzerrtem Lächeln träumen.
Die Massenfantasie eines harmonischen Vorstadtlebens wird jäh zerstört, als Dean eines Abends seinen Freund Troy besuchen will. Denn, Troy ist tot. Troy hat sich aufgehängt. Dieses Ereignis reißt ein Loch in die gutbürgerliche Fassade aus Spießigkeit und Heuchelei. Das System Hillside droht zu implodieren
Und nicht nur das. Troy war zu Lebzeiten meistbeschäftigter Drogendealer seiner Highschool. Und nun fehlen den Jugendlichen Billy, Lee und Crystal die in seinem Zimmer gelagerten Pillen. Dean soll ihnen diese Vorräte besorgen. Da der unbeliebte Einzelgänger Dean dazu aber keinerlei Lust verspürt, wollen die drei seinen kleinen Bruder Charly entführen, um ihn auf diese Weise zu erpressen. Als ihnen dabei ein ziemlich bedeutender Fehler unterläuft, nehmen die Ereignisse eine überraschende Wendung nach der anderen.
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| FILMKRITIK
Mit „Glück in kleinen Dosen“ liefert Regisseur Arie Posin den Kinos ein wirklich bemerkenswertes Spielfilmdebüt. Thematisch erinnert er dabei immer wieder an ähnlich geartete Filme wie „Donnie Darko“ oder „Thumbsucker“, stellt aber dennoch ein eigenständiges Werk mit hohem Unterhaltungswert und – nebenbei bemerkt – erstaunlich hochrangiger Besetzung dar.
Der Handlungsort des Films, der Mikrokosmos weißer US-amerikanischer Vorstädte, ist gleichzeitig auch thematischer Mittelpunkt. Inmitten der aseptischen und grässlich oberflächlichen Welt des konservativen Mittelstands, wie sie uns hier zumindest präsentiert wird, haben sich Erwachsene und ihre Kinder in Parallelwelten eingerichtet und die Brücken zwischen sich abgerissen.
Kommunikation ist nicht mehr möglich und nur selten erwünscht. Die Erwachsenen reden aneinander vorbei und über einander hinweg. Jeder jagt seinem persönlichen Glück hinterher, ohne wahrzunehmen, dass Menschen in unmittelbarer Umgebung drauf und dran sind, in den Abgrund zu stürzen. Keiner interessiert sich für die Gefühle der anderen, denn schließlich hat auch keiner die eigenen Gefühle ernsthaft im Griff. Alles wird umnebelt von einer Wolke chemischer Substanzen, die mal legal, mal illegal immer einen Weg zu den gierigen Konsumenten finden.
Doch die zuckrige Welt der Wohlfühlpillen ist auf wackligen Säulen gebaut. Das strahlende Lächeln bröckelt, die sorgsam errichteten Fassaden bekommen Risse. Mit der Wahrheit allein gelingt es den Jugendlichen allerdings nicht, die Eltern endlich in die Realität zu zerren, denn die Wahrheit will keiner hören. Und so nehmen die Dinge mit immer wieder überraschenden Wendungen ihren Verlauf, bis die Spannungen unterträglich werden und die Implosion des Systems Hillside unvermeidlich ist.
So dramatisch das Ganze allerdings ist, so komisch wird es hier präsentiert. Mit mal absurdem, mal schwarzem Humor gelingt die Gratwanderung zwischen Drama und Komödie. Und auch die Schauspieler-Riege trägt zur Unterhaltsamkeit des Films bei. „Billy Elliot“-Star Jamie Bell als an seinen Eltern verzweifelnder Jugendlicher lässt ebenso wenig Wünsche offen, wie der größte Teil der restlichen Besetzung.
Einige besondere Bonbons werden dem Zuschauer indes mit Ralph Fiennes als selig vor sich hin lächelnden Delphinliebhaber oder einer langsam dem Wahnsinn der Trauer verfallenden Glenn Close geliefert. Eine Besonderheit der Charaktere liegt wohl auch in ihrer Komplexität begründet. So lässt sich keine der Figuren in ein Gut-Böse-Schema einordnen. Der Antagonist findet sich vielmehr in der Gesellschaft selbst.
„Ignorier mich nicht!“ ist ein Schlüsselsatz, der in „Glück in kleinen Dosen“ immer wieder aufgegriffen wird. Er könnte auch auf den Filmplakaten stehen.
| FAZIT
Eine Abrechnung mit der scheinbaren Idylle US-amerikanischer Vorstädte. Definitiv ein Film mit hohem Unterhaltungswert.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung