Komödie,
Fantasy,
Mystery
| Großbritannien / USA 2006
| INHALTSANGABE
Joe Strombel ist tot: ein großer Reporter, der hinter jeder Story her war, von der er überzeugt war, dass sie zu einem Scoop taugte. Im Jenseits erfährt er von einem solchen Knüller: Es gibt Indizien, dass der britische Adelsspross Peter Lyman der berüchtigte Tarotkartenmörder ist. Strombel erscheint während einer Show des Varietézauberers Sid Waterman der angehenden Journalistin Sondra Pransky, die einen Karriereschritt wittert. Zusammen mit Sid macht sie sich an Peter heran, unter dem Namen Jade Spence – Sid gibt sie als ihren Vater aus. Doch auch wenn Peter ein Serienmörder ist: er ist auch charmant, und Sondra/Jade verliebt sich in ihn.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Aus dem Jenseits will ein Journalist seinen letzten Scoop landen, er erscheint ausgerechnet in der Dematerialisierungsbox eines billigen Vaudeville-Zauberers, um ausgerechnet einer unerfahrenen Journalistikstudentin Tipps aus dem Reich der Toten zu geben. Hinweise, die darauf deuten, dass Peter Lyman, Sohn eines Lords und hoffnungsvoller Jungpolitiker, der berüchtigte Tarotkartenmörder ist, das wäre der größte Coup seit Jack the Ripper – „schreibt man das groß?“, fragt Sondra Pransky, die junge Reporterin.
Wenn Woody Allen nicht Meisterwerke wie zuletzt „Mathc Point“ dreht, wenn er sich der leichten Muse hingibt, dann verwendet er oft Zauberei, um eine absurde Situation herbeizuführen, über der er dann frei fantasiert. „Im Bann des Jade-Skorpions“ war so ein Fall, Hypnose und geheimnisvolle Verbrechen als Screwball-Comedy aufgezogen, und es ist wohl kein Zufall ,dass sich Sondra Pransky vor Peter Lyman als Jade Spence ausgibt. Das Magische bei Woody Allen: Das steckt schon in seinen Kurzgeschichten aus den 60ern, 70ern, die Geschichte von Kugelmass etwa, der sich in die großen Romane der Weltliteratur versetzen lässt, damit sein Leben etwas aufregender wird.
Das ist der tiefere Ursprung des magischen Motivs bei Woody Allen: Zauber kann das langweilige Leben erhöhen, interessant machen, dahin erheben, wo es all die Mühen wert ist, wo die Gefahr des Todes nicht als Bedrohung, sondern als Würze erscheint. Der Einbruch des Phantastischen setzt Menschen in Bewegung, die es sich in ihrem Leben (zu) behaglich gemacht haben. Der Eifer des Journalisten im Totenreich überträgt sich auf die Lebenden: Woody Allens Charakter, der Zauberer Sid „Splendini“ Waterman, der so zögerlich ist, so unsicher und verzagt vor Publikum, das ihm jederzeit die Gunst des Applauses versagen könnte, er wird immer mehr zum Ermittler, auch als sich Sondra/Jade längst in das Objekt der Untersuchung verliebt hat. Durch Täuschung durchbrechen die beiden die rigiden britischen Standesgrenzen, geben sich als Mitglieder einer reichen Öldynastie aus, und bleiben doch die gleichen: Deshalb verliebt sich Peter in seine Jade, weil sie so authentisch wirkt; und Sid unterhält auf steifen Abendgesellschaften sein neues Publikum mit Kartentricks und dem unehrlichen Charme des Vaudevilles mitten in der Upper Class.
In ganz unbekannte Gewässer sind Sondra und Sid getrieben, gefährliche Gewässer eines Kriminalfalles, wie er bei Allen immer wieder Verwendung findet: Zwei Ermittler, gänzlich ungeeignet, die mehr und mehr obsessiv sich auf die Spur eines (vermeintlichen) Mörders begeben, weniger aus kriminalistischem oder moralischem Interesse als um etwas Aufregendes zu erleben. Diese Untersuchung führt zu absurden Situationen, dynamische Figurenkonstellationen und der Plot der Mördersuche interagieren und erzeugen eine leichte, amüsante Atmosphäre, die sich speziell in Verbindung mit dem Motiv des Magischen ganz in der irrealen Welt des Woody Allen-Universums einfindet. Peter Lyman zum Beispiel ist viel zu charmant, nicht für einen Serienkiller, sondern für einen angehenden Politiker, deren Moral nach einem Diktum aus „Der Stadtneurotiker“ ja noch unter der von Kinderschändern steht.
Doch Allen mach alles schön und ideal, Städte wie Menschen, und lässt ihre Abgründe dann umso wirkungsvoller aufscheinen; bei Allen herrscht gar auf der Totenfähre in die Unterwelt heitere Gelassenheit.
| FAZIT
Woody Allen verbindet Zauber und Krimi zu einer leichten, sehr lustigen Komödie.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung