Der massige Grizzly Boog führt ein komfortables Haustierleben in der Garage seiner Ziehmutter, der Rangerin Beth – bis eines Tages der aufgedrehte Hirsch Elliot in sein Leben stolpert. Der verführt ihn mit Schokoladenriegeln zum Einbruch in den örtlichen Supermarkt und verpasst ihm seinen ersten Schokoladenkater. Am Ende nur eines Tages mit dem durchgedrehten Hirsch findet Boog sich ausgesetzt im Wald wieder. Um in sein „gelobtes Garagenland“ zurückzukehren, braucht das verwöhnte Dickerchen ohne jegliche tierische Instinkte einen heimischen Waldführer. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich mit Elliot zusammenzutun, der ihm mit hilfreichen Hinweisen wie „Die Stangendinger mit dem Grünzeug dran nennt man Bäume“ einem Crashkurs Natur unterzieht. Schnell entwickeln sich die beiden zu einer tierischen Version von „Dick und Doof“ und werden zum Gespött der Waldtiere. Als dann aber die Jagdsaison eröffnet wird und alle Tiere gleichermaßen zur Zielscheibe werden, machen sie dennoch gemeinsame Sache, um den Jägern zu trotzen…
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| FILMKRITIK
Der gewaltige Grizzlybär Boog ist trotz seiner Größe wenig angsteinflößend. Er benimmt sich wie ein kleines Kind und macht ohne Teddybär, Betthupferl und Gute-Nacht-Lied kein Auge zu. Ein verweichlichtes Wildtier in der orientierungslosen Auseinandersetzung mit der wilden Natur klingt grundsätzlich nach einer ertragreichen Idee für einen Animationsfilm und hat sich in leicht abweichender Umsetzung in der gelungenen Animationskomödie„Madagascar“ bereits bewährt.
Leider schafft es „Jagdfieber“ nicht, das Potential umzusetzen. Billige Lacher und lahme Dialoge prägen den Film. Ständig neue Wortfindungen wie „kracksiwupps“ sind weniger amüsant denn eine Beleidigung fürs Ohr. Der Bär grölt sooft höchstamüsiert über die albernsten Dinge, dass auch dies der Grund sein könnte, warum es das Publikum nicht tut. Als hätten die Drehbuchschreiber das bereits vorausgeahnt, wird jede zweite Pointe wie bei einer Faschingsprunksitzung mit einem „groovigen“ Soundeffekt unterstrichen, so dass man auch weiß, wann man zu lachen hat.
Akustisch hat der Film allgemein Kärgliches zu bieten: einen Kaugummisoundtrack, bei dem sich jedes Lied gleich anhört und Computerspiel-Soundeffekte, sowie ein Titellied, dass an Kitsch und Plattheit kaum zu übertreffen ist.
Auch die Figuren sind generell recht öde. Zwar ist es den Zeichnern positiv anzurechnen, dass sie uns nicht wie so oft großäugige, vollwimprige Menschen mit rundem Gesicht und schmaler Taille als Pendant zu den Tierprotagonisten präsentieren. Denn die Menschen in „Jagdfieber“ sind ob gut oder böse zu unförmigen, künstlichen Puppen verzerrt. Aber leider bieten sie nicht viel mehr als ihre extremen physischen Eigenschaften, denn Persönlichkeit lässt sich nicht erkennen. So passt auf Boogs Ersatzmutter Beth, die vom zahnlückigen, brutal-muskulösen Überfeind Shaw „kleine, trotzige Pfadfinderin“ geschimpft wird, diese Bezeichnung leider nur allzu gut. Mit Serien-Star Alexandra Neidels Stimmchen besetzt, wird die toughe Rangerin Beth zum hässlichen Büroentlein aus „Verliebt in Berlin“ – unauffällig, leise und recht farblos.
Wie so oft im Animationsfilm wird uns vorgeführt, dass Tiere auch nur Menschen sind, um dem Zuschauer die Identifikation mit den putzigen Fellbündeln zu erleichtern. So haben auch die echten Waldtiere, die nicht wie Boog domestiziert wurden, recht wenig tierische Eigenschaften – der wilde Hirsch Elliot zum Beispiel dürstet nach Kaffee und Schokoladenriegeln und trägt Huflack.
Die vermenschlichten Waldtiere mit ihren blassen Charakterzügen, die meist nur auf einer einzigen Eigenschaft beruhen und so zu ermüdendenden Runnig-Gags hinhalten müssen, unterscheiden sich eigentlich nur durch ihre wahllosen Akzente. Der Wald in „Jagdfieber“ erscheint als Einwanderungsgebiet. So spricht das Eichhörnchen mit englischem, die Enten mit französischem, der streunende Schoßhund mit österreichischem Akzent und die Stinktiere berlinern.
Der Mangel an interessanten Charakteren und Witz soll durch Actionszenen und Megaexplosionen in James-Bond-Manier wieder wettgemacht werden, die aber wenig spannend und deplaziert wirken. Lediglich der hyperaktive Hirsch hat ab und zu einen verdienten Lacher und der Bär sieht immerhin schön „knuddelig“ aus. Ästhetisch sind die Figuren tadellos animiert – jedes einzelne Haar im Bärenfell sitzt perfekt. Das führt aber trotz aller Verzerrungen und Übertriebenheiten der Tierkörper zu einem oberflächlichen, langweiligen Look. Der sich angeblich an klassischer 2-D-Animation orientierende Film hätte sich vom Bruder Zeichentrick lieber die ruppigere Umsetzung abschauen sollen. Immerhin ist die Waldkulisse abwechslungsreich und ästhetisch ansprechend.
Der Film arbeitet dramaturgisch mit altbewährten Mustern. So kennen wir das typische Komikerduo – den Grummel und die Quasselstrippe, die zu ungleichen Partnern werden – bereits aus unzähligen Animationsfilmen. Er schafft es aber nicht, diese auf eine interessante oder neue Weise umsetzen. Selbst die große Entscheidung zwischen der komfortablen Garage und den wilden Waldfreunden, die sich im Laufe des Films immer mehr aufdrängt, fällt zwar dem Wuschelbären schwer, ist aber vom Zuschauer schon lange vorausgesehen und daher auch keine große Überraschung mehr.
| FAZIT
Eintönige Animationskomödie mit wenig ausgefallenem Humor
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung