Der Londoner Investmentbanker Max Skinner muss mal kurz in die Provence fahren, weil sein Onkel gestorben ist und er dessen Weingut geerbt hat. In dem großen Haus erinnert er sich an die Gespräche mit seinem Onkel, trifft den französischen Weinbauer und Gutsverwalter, will aber schnell verkaufen, um wieder an seinen hektischen Arbeitsplatz zurückzukehren. Doch dann steht plötzlich eine amerikanische Tochter seines Onkels vor der Tür, von der Max nichts wusste. Der Aufenthalt verzögert sich, der arrogante Engländer lernt, in den Tag hinein zu leben und sich den Sinnenfreuden zu öffnen, die der Sommer, die Küche der Provence und die junge Französin Fanny zu bieten haben.
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| FILMKRITIK
Die Geschichte von „Ein gutes Jahr“ ist relativ einfach und schon oft erzählt worden: Ein egoistischer, mit Absicht gefühlsarmer Karrieremensch kommt aufs Land, wo er ein Leben schätzen lernt, das aus Mitmenschlichkeit und einfachen sinnlichen Freuden besteht. Man könnte das dramatisch machen, indem die Hauptfigur ihren Charakter bitter prüft, oder eine Liebesgeschichte mit schmerzvollen Wendungen durchläuft. Ridley Scott aber entscheidet sich für eine leichtfüßige Komödie mit flottem Tempo, von der letztlich nur eines länger im Gedächtnis bleibt: die Garten- und Landschaftsaufnahmen im traumhaften Sommerdunst der Provence.
Mit der Bildarbeit, die die wunderbare Fülle und Trägheit einer ländlichen Sommeridylle einfängt, hat sich der Regisseur sichtlich Mühe gegeben. Gerne folgt man Max Skinner in das riesige alte Haus und den verwunschenen Garten mit dem Tischchen, auf dem noch die Zigarre des Onkels liegt. Diesiges Gegenlicht umspielt Weinberge und Lavendel, im entleerten Pool liegt Morast, die Wände im Haus könnten einen neuen Anstrich vertragen, doch der Verwalter ist unbeschwert und seine fröhliche Frau drückt Skinner gleich einen Kuss auf die Backe. So einladend ist die zeitlose Nostalgie hier immer, signalisieren die Lichtschleier im Grünen.
Nur: Kann man sich eigentlich Russell Crowe auf dem französischen Land vorstellen? Nicht nur spricht er wie ein Wasserfall mit seiner Sekretärin in London, um seine Position in der Bank zu sichern, er gibt auch in allen Begegnungen mit den Einheimischen den redegewandten Engländer. Und die antworten dann auch oft ziemlich mühelos in seiner Sprache – wobei man nicht so recht weiß, ist das Schlamperei der Regie, oder soll das zeigen, dass auch in der Provence die Leute nicht mehr hinter dem Mond leben.
„Ein gutes Jahr“ irritiert aber auch durch das Eroberer-Auftreten von Max Skinner, der seine Londoner Macher-Mentalität, sein Tempo – Tempo!, seinen zynischen Witz nicht wirklich konterkariert bekommt. Auch die französischen Charaktere geben sich mit diesen Vorgaben seltsam vertraut und antworten auf einer ähnlichen Ebene. Damit ist das Fahrwasser der Komödie klar: kommerzielle, ansprechende Unterhaltung für Städter, die sich auf dem Land nicht die Knie aufschürfen sollen. Fast schon ärgerlich wird die seichte Wandlung von Max Skinner in seinen Slapstick-Einlagen während eines Tennisspiels mit dem Verwalter.
Die Kindheitsszenen mit dem Onkel, an die sich Max erinnert und die bukolischen Tischsitten wollen eine andere Ebene nur streifen, weil sie der Film für sein Ambiente braucht. Wenn schon Komödie, dann muss sich Ridley Scott an seinem Kollegen Robert Altman messen lassen, der es in „Aufruhr in Holly Springs“ unvergleichlich besser verstanden hat, abgebrühte Städter mit der provozierenden Langsamkeit, der störrischen Andersartigkeit des Landlebens zu konfrontieren. Leider wird den Zuspielern von Max Skinner, bis hin zu der amerikanischen Kusine, eine nennenswerte Individualität, ob witzig oder dramatisch, verwehrt. Schade, wenn Regisseure mit einer solchen Erfahrung wie Ridley Scott sich mit ihrem Potenzial und dem eines solchen Settings unter Wert beim Zeitgeist anbiedern.
| FAZIT
Flache Komödie von Ridley Scott über einen Londoner Banker, der sich in der Provence in das einfache Leben, eine Frau und das dunstige Licht des Sommers verliebt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung