Drama,
Liebesfilm
| Deutschland / Frankreich / Schweiz 2005
| INHALTSANGABE
Brindusa und Stephan leben in Bukarest und wollen bald heiraten. Sie kennen sich aus Iorgas Druckerei, in der sie beide arbeiten. Sie – eine Rumänin – ist Iorgas Sekretärin und Dolmetscherin. Er – ein Gast aus Deutschland – ist für die Installierung einer neuen Offset-Druckmaschine zuständig.
Eifersüchtig beobachtet Iorga die neue Beziehung seiner ehemaligen Geliebten Brindusa. Als er durch einen Zufall von der bevorstehenden Hochzeit erfährt, ist er wie vor den Kopf gestoßen. Er beschließt, Brindusa zurück zu gewinnen. Mit aller Macht und wenn nötig, auch mit allen Mitteln.
Doch als wäre dieses drohende Hindernis auf dem Weg zum Eheglück nicht schon groß genug, sorgen Stephans Eltern für zusätzliches Ungemach. Gemeinsam mit seiner Schwester Iris und seinen Zwillings-Nichten reisen sie an, um an der Hochzeit teilzunehmen. Doch voreingenommen und überheblich begegnen sie der fremden Stadt mit hochgezogenen Augenbrauen und schweigsamer Abwehrhaltung.
Das Kennenlernen der beiden Familien verläuft entsprechend eisig und bald wissen weder Stephan noch Brindusa, wie sie die Hochzeit überhaupt noch hinter sich bringen sollen. Sämtlichen Widerständen zum Trotz treten sie schließlich vor den Traualtar. Doch bevor ein Jawort ertönt, kommt es zum Eklat, der eine endgültige Entscheidung von ihnen erzwingt.
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| FILMKRITIK
Mit poetischer Behäbigkeit schlurft ein Patient durch einen heruntergekommenen Krankenhausflur. So beginnt „Offset“, der neue Film von Didi Danquart. Doch mit der Poesie ist es vorbei, sobald die Realität Einzug hält. Thematisiert wird hier eine frische Liebe, die zwischen den Fronten zweier Kulturkreise zu zerbrechen droht. Deutschland trifft auf Rumänien, eine selbstbewusste Demokratie auf ein Land im Aufbau.
Bei einem solchen Aufeinanderprall entladen sich Überheblichkeit, Arroganz und verletzter Stolz. Sprachbarrieren, Missverständnisse und Vorurteile bewirken ein Übriges und sorgen dafür, dass auch alltägliche Probleme unüberwindlich scheinen. Unter diesen Bedingungen wird eine Beziehung besonderen Prüfungen unterworfen, was im Verlauf der Handlung immer wieder für überraschende Wendungen und steigende Spannung sorgt.
Besonders Brindusa hat unter der Macht und der Last des Verstehens zu leiden. In ihrer Umgebung vermischen sich das Rumänische mit dem Deutschen, dem Französischen und Englischen. In diesem Sprachgewirr ist sie die einzige, die in der Lage ist, den Überblick zu behalten. Unter diesem Druck schwankt sie zwischen Verweigerungshaltung und Vermittlungswunsch. Doch auch der Versuch, eine Brücke zwischen den Welten und den Sprachen zu schlagen, misslingt immer wieder.
Denn die Anwesenden reden bisweilen lustvoll und zerstörerisch aneinander vorbei. Manchmal scheinen sie auch einfach nicht zu wissen, was in einer gegebenen Situation zu sagen wäre. Schweigen wird zur unangenehmen Lösung eines Problems, dem sich niemand stellen will. Verharrend in der eigenen Welt, traut sich kaum einer, in die des Gegenübers vorzudringen. Verständnis und Verstehen werden auf diese Weise unmöglich gemacht.
Der Handlungsort – Rumänien – bietet eine durchaus austauschbare Kulisse für die Handlung. Denn im Vordergrund stehen die Figuren. Ihre innere Zerissenheit und ihr Kampf füreinander und gegeneinander. Helden gibt es dabei keine. Alle Figuren sind ausgestattet mit ganz individuellen, menschlichen Makeln. Und so mag man sich mit keinem von ihnen so recht identifizieren.
Vielleicht gelingt es „Offset“ gerade durch diese Uneindeutigkeit, den Zuschauer an sich zu binden. Man kann die Sympathien immer wieder umverteilen und in jedem Teil der Handlung etwas entdecken, dem man besonderes Verständnis entgegenbringen kann – oder eben nicht. Durch die eigenen ständigen Seitenwechsel ist es möglich, tief in die gezeigte Problematik einzudringen.
Diese Problematik, der Kampf um die Aufrechterhaltung einer Liebe inmitten kultureller und sozialer Barrieren, ist gleichermaßen aktuell und spannungsgeladen. Doch nicht nur das macht „Offset“ zu einem lohnenswerten Film. Zusätzlich zu den sorgfältig aufgebauten Figuren weiß er durch seine visuelle Ausgestaltung zu überzeugen. Und Katharina Thalbach in der Rolle der skeptischen Mutter, ist ein Ereignis für das allein sich ein Kinobesuch bereits lohnt.
| FAZIT
Ein lohnenswerter Film über eine Liebe, die zwischen kulturellen und sozialen Barrieren zu zerbrechen droht.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung