FILM REVIEW | Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht
Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht
Thriller,
Drama
| USA 2006
| INHALTSANGABE
Der junge schottische Arzt Nicholas Garrigan kommt nach Uganda, um medizinische Entwicklungshilfe auf dem Land zu leisten. Bei einem Verkehrsunfall begegnet er dem neuen Staatspräsidenten Idi Amin, den er verarztet. Amin und Garrigan finden Interesse aneinander. Garrigan wird nach Kampala gerufen und steigt zu Amins Leibarzt und persönlichem Berater auf. Zu spät erkennt er, dass Amin sich zum mörderischen Diktator entwickelt hat und ihn als seinen Gefangenen betrachtet.
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| FILMKRITIK
„The Last King of Scotland“ ist der erste Spielfilm von Regisseur Kevin Macdonald, dessen Dokumentarfilm über das Olympia-Attentat von München, „Ein Tag im September“, den Oscar 1999 bekam. Das psychologische Porträt einer verhängnisvollen Freundschaft zwischen zwei ungleichen Männern mündet im Verlauf der zwei Stunden Film in einen Thriller mit drastischen Folterszenen. Macdonalds Vorlage ist der gleichnamige Roman von Giles Foden, der seine Uganda-Kenntnisse und das unschlüssige Verhalten seiner Landsleute dem Regime Amins gegenüber in die Gestalt des fiktiven schottischen Arztes kleidet.
James Mc Avoy spielt einen jugendlich-unbeschwerten, liberalen Garrigan, der an das freie Uganda Anfang der siebziger Jahre glaubt und in Amin dessen obersten Revolutionär sieht. Er empfindet Sympathie und Faszination für den fülligen, gutmütig wirkenden Amin. Forest Whitaker spielt den Diktator in einer glänzenden, ambivalenten Darbietung als charismatischen großen Jungen, der seinen Größenwahn und seine Paranoia erst nach und nach offenbart. Amin betrachtete die früheren britischen Kolonialherren als Feinde und nannte sich unter anderem König von Schottland, weil er Ähnlichkeiten zu dem Land mit dem historischen Gegner England fantasierte.
Erst ein britischer Diplomat klärt den Arzt über die Massenmorde im Land auf, die auf Amins Konto gehen. Garrigan will nach Schottland zurück, doch sein britischer Pass ist weg und er gilt seinen Landsleuten in Uganda als suspekt. Und auch die schwarzen Gefolgsleute Amins lassen ihn zunehmend spüren, dass er als Weißer ein Verdächtiger ist. Da beginnt Garrigan auch noch eine Affäre mit einer von Amins Frauen, die beiden zum Verhängnis wird.
Kamerafahrten entlang unscharfer Landschaften und Hintergründe symbolisieren das unklare, subjektive Bild, das der naive Garrigan von Uganda hat. Wie sich sein anfänglicher Enthusiasmus in ein Gefühl diffuser Bedrohung am Hofe Amins verwandelt, zeigt eine eindrucksvoll komponierte Aufnahme von Garrigan in einem Pool mit grünem Wasser, während Regen auf ihn niederprasselt.
Die Stärke dieses Spielfilms ist das psychologisch sehr dichte Porträt der beiden Männer. Macdonalds Faible für das Dokumentarische trifft auf die Landeskenntnisse von Schriftsteller Foden und verleiht der Geschichte eine Spannung, die scheinbar auf Authentizität beruht. So legt Macdonald das Finale auf den Schauplatz der Flugzeugentführung von Entebbe im Jahr 1976.
Dennoch bleiben Einblicke in die kulturellen, sozialen Hintergründe jener Epoche, in das Leben und Denken der Menschen seltsam ausgespart. Macdonald widmet sich allein der Romanverfilmung. Glänzende schauspielerische Leistungen und eine überzeugende Dramaturgie stützen seinen Tunnelblick auf die fiktive Zweierbeziehung. Erst nachher fragt man sich, wie man das Gesehene einordnen kann, wie aussagekräftig es ist. Solche Zweifel haben den Filmemacher offenbar nicht besonders beschäftigt.
| FAZIT
Spannendes, aber spekulatives Porträt des ugandischen Gewaltherrschers Idi Amin aus der Sicht seines fiktiven schottischen Leibarztes.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung