Madrid, Ende des 18.Jahrhunderts: Ines, Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns und Muse des spanischen Hofmalers Francisco Goyas, kommt vor das berüchtigte Tribunal der spanischen Inquisition. Durch die Initiative ihres Vaters und des Malers Goya sowie die nicht ganz freiwillige Unterstützung des eigenwilligen Mönches Lorenzo wird die Todesstrafe noch einmal abgewendet, doch die junge Frau bleibt in Haft. Sechzehn Jahre später: Napoleon marschiert in Spanien ein, Lorenzo hat die Seiten gewechselt und Ines kommt frei. Zeit für ein verhängnisvolles Wiedersehen.
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| FILMKRITIK
Wer etwas über den spanischen Maler Francisco Goya erfahren möchte, muss nicht in „Goyas Geister“ gehen. Denn der Künstler, verkörpert von Stellan Skarsgard, dient nur als Anhaltspunkt, um die Geschichte seiner berühmt gewordenen Muse Ines und der spanischen Inquisition zu erzählen. Seine Gravuren, die Vor- und Abspann schmücken und als Auslöser der Wiedereinführung der Folter durch die Inquisition dargestellt werden, wirken genauso wenig wie seine Gemälde in den Film hinein. Im Gegensatz zu anderen „Künstlerfilmen“ bleibt die - an sich durchaus gelungene - Bildgestaltung von „Goya’s Geister“ fern vom künstlerischen Werk des spanischen Meisters.
Aber es geht ja auch nicht primär um Goya, dessen Figur flach und oberflächlich bleibt, es geht um Ines, seine Muse, die für ihn bei unzähligen Gemälden Modell stand und den Künstler inspirierte. Natalie Portman verleiht der jungen Frau zunächst eine zarte Anmut, changierend zwischen Unschuld und Lebenslust, ohne das der Film jedoch einen tieferen Blick auf diese Figur zulassen würde. Doch mit der Lebenslust ist es vorbei, als Ines aus dem Gefängnis freikommt. Ihre Leidensgeschichte von 16 Jahren Haft darzustellen, besteht im Wesentlichen darin, Natalie Portman mit wirren Haaren und bleich geschminkt durch den Film irren zu lassen. Von der ehemaligen Würde ist wenig übrig, genauso wenig wie von Portmans schauspielerischen Fähigkeiten, die sie nicht entfalten kann, oder von einem Einblick in die seelischen Verletzungen, die sie im Gefängnis erlitten hat.
Einzig Javier Bardem als opportunistischer Mönch Lorenzo überzeugt auf der ganzen Linie. Was zunächst nach unklarer Figurenzeichnung aussah, entpuppt sich als Vorverweis auf Lorenzos wankelmütiges Wesen, dessen Überzeugungen sich zunächst je nach politischer Lage schnell zu ändern scheinen. Immer bemüht, die Fassade zu wahren und die Gesichtszüge unter Kontrolle zu halten versteckt sich in dem Geistlichen ein Mensch aus Fleisch und Blut und durchaus fleischlichen Gelüsten.
Nachdem er im Zusammenhang mit dem „Fall Ines“ selbst vor der Inquisition geflohen ist, schlägt er sich auf die Seite Napoleons, dessen Truppen den spanischen Klerikern schnell den Garaus machen. Fragte man sich schon den ganzen Verlauf des Films über, wieso Regisseur Milos Forman diesen eigentlich gemacht hat, findet man auch in der historischen Komponente keine Antwort. Fern von einer Neuinterpretation der Geschehnisse oder eines außergewöhnlichen Blickwinkels degradiert er die Geschichte vor allem im zweiten Teil des Films zum Dekor für ein allzu banales Historienmelodram über eine ungeklärte Vaterschaft. Zu viele Erzählstränge – Ines und ihre Familie, Lorenzo, Goya, der Königshof – werden miteinander verwoben, so dass keiner tiefer entwickelt wurde. Doch auch als Sittenbild seiner Zeit funktioniert er nicht, konzentriert er sich doch zu sehr auf die Berühmtheiten der Epoche und den Fortgang der Geschichte, um alle zu Beginn ausgelegten Handlungsfäden am Ende auch wieder notdürftig zusammenknoten zu können.
| FAZIT
Oberflächlicher Historienfilm, dessen Interesse jedoch im Unklaren bleibt, und der allenfalls wegen der schauspielerischen Leistung Javier Bardems sowie einigen humorvollen Dialogen der Nebenfiguren von Interesse sein mag.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung