Thriller,
Abenteuer,
Science Fiction,
Drama
| Großbritannien / Japan / USA 2006
| INHALTSANGABE
Wir befinden uns in England im Jahr 2027. Seit 18 Jahren wurde aufgrund einer globalen und unerklärlichen Unfruchtbarkeit kein Kind mehr geboren. Und während die Menschheit langsam aber stetig untergeht, wächst die Verzweiflung. Bald herrschen überall auf der Welt Chaos und Anarchie. Nur die reichsten Nationen, darunter England, sind angesichts des Ausnahmezustands noch in der Lage ein gewisses Maß an Ordnung aufrecht zu erhalten.
Das allerdings auf Kosten der Demokratie. Die wenigen verbliebenen Einwohner des Insellreichs verschanzen sich hinter Betonmauern und vergitterten Fenstern und versuchen der Flüchtlinge Herr zu werden, die von allen Seiten auf das Land einströmen. Und das geschieht mit totalitärer Waffengewalt und sofortiger Deportation. Inmitten der Flüchtlinge hat sich allerdings eine Widerstandsgruppe gebildet, die, angeführt von Julian, eine neue und gerechte Weltordnung anstrebt.
Einer ihrer Schützlinge ist die junge Kee. Um sie außer Landes zu bringen und dem mysteriösen „Human Project“ zu übergeben, soll Julians Exmann Theo, ein ehemaliger Aktivist, die benötigten Transitpapiere besorgen. Theo, der seit dem Tod seines Sohnes den Kampf für eine bessere Welt desillusioniert aufgegeben hat, besorgt zwar die Papiere, will aber von Rebellion nichts mehr wissen.
Kurz vor Kees Überfahrt werden sie dann aber Opfer eines Anschlags. Julian wird getötet und Theo ist plötzlich ein gesuchter Terrorist. Nun bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Widerstandsgruppe in ihr Versteck zu begleiten. Und dort entdeckt er Kees Geheimnis: Die junge Frau ist im achten Monat schwanger. Gleichzeitig findet er heraus, dass das Baby für politische Zwecke missbraucht werden soll. Theo bleibt keine Wahl. Um Mutter und Kind zu retten, begibt er sich mit ihnen auf eine gefährliche Reise, während das Land um sie herum im Chaos versinkt.
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| FILMKRITIK
Eine Welt ohne Kinder, das ist eine geradezu klassische Schreckensvorstellung. Denn kommen den Menschen die Kinder abhanden, kommt ihnen auch das Leben abhanden. Gleichzeitig verlieren sie dadurch – wie der Film suggeriert – jegliches Verantwortungsgefühl gegenüber ihren Mitmenschen. Wer sich nicht um das Leben eigener Kinder sorgen muss, hat anscheinend keinen Grund erwachsen zu werden. Dementsprechend wirken auch die Erwachsenen dieses Films – sofern sie nicht selbst einmal Eltern waren – wie faltige Jugendliche, die Krieg spielen, weil ihnen sonst nichts bleibt.
Dabei läuft etwas gewaltig schief, wenn eine Gesellschaft drauf und dran ist auszusterben und sich dennoch bemüht, Zuwanderer, die den schleichenden Zusammenbruch hinauszögern könnten, mit Waffengewalt zurückzuweisen. Dementsprechend sinnlos ist die Leere, die sich in den vergitterten Bussen und Bahnen ausbreitet, in denen die letzten verbliebenen Engländer durch die Städte fahren, während außerhalb hunderte verwahrloste und verhungernde Menschen inmitten von Schmutz und Zerfall ums Überleben kämpfen.
Die Auffanglager der Flüchtlinge ähneln einer chaotischen und verdreckten Mischung aus „Guantanamo“ und Konzentrationslager. Sie werden in Käfige eingepfercht, niedergeschlagen oder durch den Zwang der Nacktheit ihrer letzten Würde beraubt. Diese Szenarien bilden den Hintergrund einer mythisch angehauchten Geschichte: Kee und das Wunder der Geburt. Sie, eine verwahrloste Madonnengestalt, ihr Kind, Hoffnungsträger der gesamten Menschheit. Religiöse Anspielungen werden im Übrigen betont geleugnet.
Die düstere Endzeitvision lebt von ihren Bildern und von ihren Schauspielern, allen voran Clive Owen und Michael Caine. Sie müssen sich der Frage stellen, wie sie sich in einer Welt einrichten sollen, die nicht mehr sehr lebenswert ist. Und das tun sie zunächst mit Resignation und makaberem Humor, bis ihnen ein Grund geliefert wird, der auch die Aufopferung des eigenen Lebens als mögliche Lösung erscheinen lässt.
Der Wunsch des Regisseurs war es wohl, dem Zuschauer den Film durch möglichst authentische Darstellung besonders nahe zu bringen. Cuarón geht dabei sogar so weit, innerhalb einer wilden Schießerei, Blutspritzer auf dem Kameraobjektiv zu suggerieren. Zwar bekräftigen diese den dokumentarischen Stil der Szene und bewirken, dass sich der Zuschauer sehr stark ins Geschehen eingebunden fühlt, gleichzeitig wird ihm dadurch aber die Anwesenheit der Kamera bewusst gemacht, was den Fluss der fiktiven Handlung deutlich stört.
Erklärt wird die Lage, in der sich die Welt befindet, nicht. Erfreulich ist, dass das auch gar nicht erst versucht wird, denn eine Erklärung wäre angesichts der vorherrschenden Zustände ohnehin nicht sehr glaubwürdig. Und so teilt der Zuschauer seine Ratlosigkeit mit den Protagonisten, unter denen auch die Meinung vertreten wird, die Welt wäre auch ohne die unangenehme Unfruchtbarkeit zum Teufel gegangen.
Der Film möchte keine plakative Gesellschaftskritik sein. Er hält sich alle Möglichkeiten offen. Sowohl was die Gründe für das Scheitern der Menschheit anbelangt, als auch was die Aussicht auf ihre Zukunft betrifft. Dementsprechend lässt sich der Film selbst nicht eindeutig fassen, er zerfasert in seiner Handlung in alle Richtungen. Letzten Endes ist nur eines sicher: „Das Leben geht seinen eigenen Weg.“ Ob mit oder ohne Menschen, das wird sich zeigen.
| FAZIT
„Children of Men“, die Zukunftsvision einer Welt ohne Kinder, lebt von ihren düsteren Bildern und ihren Antihelden.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung