Max Skinner ist ein zynischer und gieriger Finanzmakler in London, der es liebt, gehasst zu werden. Seine Kindheit aber beim Onkel auf einem Weingut in der Provence, die war sooo schön… Jetzt ist der Onkel gestorben, und als nächster Verwandter erbt Max das französische Weingut. Er fährt hin, um es zu verkaufen, während ihm in London die Kündigung droht. In Frankreich verliebt er sich in eine Frau aus dem Dorf, und eine bisher unbekannte Kusine taucht auf, die ebenfalls das Erbe beanspruchen könnte...
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| FILMKRITIK
Der durchschnittliche Plot eines deutschen Heimatfilmes der 40er oder 50er Jahre geht so: Ein Mann hat seine glückliche Kindheit in einem Dorf auf dem Land, sagen wir Lüneburger Heide oder Allgäu, verbracht. Dann aber ist er in der Stadt zum erfolgreichen Geschäftsmann geworden, doch plötzlich erbt er sagen wir einen Gutshof in der Heimat. Eigentlich will er verkaufen, doch der Gutsverwalter wächst ihm ans Herz und er verliebt sich in eine Dorfschönheit. Dann aber taucht eine bisher unbekannte Verwandte auf, die das Erbe ebenfalls beanspruchen könnte; gleichzeitig macht ihm jemand in der Stadt seinen Job streitig, er droht entlassen zu werden. Soll er also um materielle Werte kämpfen oder seinem Herzen folgen? Am Ende findet dann jedes Töpfchen sein Deckelchen.
Ridley Scotts neuer Film ist eine Übersetzung des deutschen Heimatfilms in die heutige Zeit. Die Parallele geht über die Storyline hinaus: Immer wieder gibt es Lustigkeit mit billigen Gags, ein Hund pinkelt Max Skinner ans Bein, Max ist in einem leeren Swimming Pool gefangen und muss Slapstickeinlagen hinlegen. Im Heimatschinken wie in „Ein gutes Jahr“ gibt es eine Menge dramaturgischer Hohlräume, blinde Motive, die nicht weiter ausgeführt werden wie der Zeitdruck, unter dem Max sein Weingut renovieren muss, der dann aber in der nächsten Szene keine Rolle mehr spielt. Oder die Motive gehen ohne befriedigenden Abschluss unter wie die Nebengeschichte vom ganz geheimen Superwein, von dem niemand weiß, wer ihn herstellt, der aber flaschenweise im Keller des Weinguts gestapelt ist… Und auch der biedere Chauvinismus aus längst vergangener Filmgeschichte hat bei Scott überlebt: nonchalant blickt die Kamera einer Radfahrerin unter den Rock, immer wieder geraten Titten und Ärsche ins Bild. Hier folgt der Film nicht einfach nur dem männlich-aggressiven Blick der Hauptfigur, er übernimmt ihn, macht ihn sich eigen. Und natürlich die Klischees von Briten, Amerikanern und Franzosen, die unkritisch ausgewalzt werden…
Freilich verwendet Scott eine moderne Bildsprache. Kamera und Ausstattung, die gute Leistung der Schauspieler, die ausgesuchten Farben – das kalte Blau in der Londoner Finanzwelt, das warme Herbstlicht der Provence: Die Stilmittel tun alles, um den wahren Charakter des Filmes zu verbergen, ein Charakter, der alt und kleinbürgerlich, verklemmt und moralistisch ist.
London und die Provence, das französische Landleben und die hektische Gier der Börsenmakler: Das sind die Eckpunkte des Films, eine wohlfeile Feier der kleinen Dinge des Lebens. Schon am Ende der ursprünglichen Fassung von „Blade Runner“ findet man dieses Motiv der Sehnsucht nach ländlicher Idylle, das Scott hier auf zwei Stunden gestreckt ausbreitet. Den chauvinistischen Charakter dieses Weingut- und Bodenfilms verbirgt er freilich geschickter als in „Black Hawk Down“, in dem das Fremde, also die Neger, mit dem Tod guter Amerikaner gleichgesetzt werden.
Man könnte zu Scotts Gunsten, der selbst als Brite ein Weingut in der Provence sein eigen nennt, unterstellen, dass dies ein sehr persönlicher Film ist. Doch eigentlich gießt er nur alten Wein in neue Schläuche; und dieser alte Wein ist auch nicht sonderlich gut. Sein Film wirkt künstlich aufgeputzt wie moderne, technisch generierte Weine. Ein guter, echter Wein lebt aus der Harmonie von Boden, Sonne und Arbeit – Alexander Paynes „Sideways“ wäre hierzu die filmische Analogie. Aber natürlich kann man einen an der Oberfläche ähnlich schmeckenden Wein als Massenprodukt herstellen mit der Zugabe von Tanninen oder Eichenchips ins Fass, und die Spinnig Cone Column trennt die Bestandteile auf, damit sie neu und ganz nach dem modischen Publikumsgeschmack wieder zusammengesetzt werden können. Das ist natürlich nicht das Gute und Wahre – so wie Scotts Film.
| FAZIT
Unausgegorenes und klischeehaftes Filmchen über die kleinen Dinge des Lebens, die man im schönen Frankreich bei einem guten Glas Wein findet und die ja allemal wichtiger sind als wie das schnöde Geld im großen London.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung