Im Süden Bostons hat der Kriminelle Costello (Jack Nicholson) das Sagen, weshalb der Ex-Knacki und Undercover-Cop Billy (Leonardo DeCaprio) auf ihn angesetzt wird. Doch während Billy dessen Vertrauen gewinnen kann, hat der Gangsterboss umgekehrt einen Maulwurf bei der Polizei: der smarte Colin (Matt Damon), seit seiner Jugend von Castello aufgebaut, warnt den Boss vor den Aktionen der Ermittler. Es kommt es wie es kommen muss – Colin erfährt von einem Spitzel in Costellos Kreisen, Billy von einem Verräter in den Reihen der Gesetzeshüter. Und zu alledem verliebt sich Billy in Colins Freundin, die Psychiaterin Madolyn (Vera Farmiga). Ein mörderisches Katz- und Mausspiel um echte Verräter und falsche Freunde beginnt.
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| FILMKRITIK
Der neue Film von Martin Scorsese! Der Legende, die uns „Mean Streets“, „Taxi Driver“, „Kap der Angst“ und „Good Fellas“ bescherte, die aber zuletzt auch mit Hochglanz-Epen wie „Gangs of New York“ und „Aviator“ wenig Gnade vor der Kritik fand. Nun ist er zurück, in den Straßen, im Dreck, bei den bösen Buben. Da wo er – thematisch - hingehört, wie viele finden. Doch die Lorbeeren für „Departed“ kommen zu früh.
Diesmal dient nicht New York mit seiner mythischen Gosse sondern das kleinere Boston als Kulisse für die Gangsterwelt der irischen Mafiosi und der Polizei mit ihren konkurrierenden Einzelabteilungen. Eigentlich keine schlechte Idee, mag man meinen, doch Scorsese gelingt es nicht, ein authentisches oder sonst wie fruchtbares Feld für seine durchaus spannende Grundidee zu gewinnen. Denn zwischen allem Lokalkolorit und der fein ausgedachten gleichwohl kopfgeborenen Story geht der Film verloren. (Man muss sich nur im Kontrast dazu Clint Eastwoods Seelen- und Krimidrama „Mystic River“ vor Augen führen um zu erkennen, wie viel hier unnötig schief gelaufen ist.)
„Departed“ ist das Remake des Hongkong-Erfolgs „Internal Affairs“. Nein, nicht Remake – wie Scorsese versichert. Drehbuchautor William Monahan („Königreich der Himmel“) hat nämlich etwas Neues geschaffen. Vor allem neue Figuren. Leider. Denn bei allem Personal widmet sich der Film keinem Charakter so richtig. In der Folge darf Jack Nicholson als Bösewicht mal wieder wild grimassieren. Doch ein wirkliches Gespür für seine Figur kann Mangels dramaturgischer Ausgestaltung nicht entstehen. Auch Matt Damon als Aufsteiger und Verräter kommt schlicht zu kurz, seine Beziehung mit der hübschen Psychiaterin bleibt bloße Behauptung. So gerät leider auch das Verhältnis zwischen Colin und seinem Widerpart Billy aus dem Gleichgewicht und der Film ins Rutschen.
Mag Leonardo DiCaprio in der Rolle des verlorenen Untercover-Ermittlers ganz beeindruckend leiden und am meisten Präsenz zeigen, sein emotionales Kapital trägt allein nicht. Da ist das große (namenhafte, leider allzu männliche) Personal, das verhandelt werden will, das aufgesetzt wirkenden Rohe und Schmutzige. Dazu die forciert vulgären Sprüche mit ihrer Macho-„Coolness“ und die Explosionen der Gewalt, die oft fadenscheiniges Mittel zum Zweck bleiben – all diese eilig hingeworfenen Versatzstücke und Fragmente schnüren den Charakteren und ihrer Dramatik die Luft ab.
Einmal geht es um gestohlene Mikrochips, dann wieder um Drogen. Keines davon wird richtig eingeführt oder aufgelöst. Aber auf den kaputten Arm Billys muss Costello noch einmal extra draufhauen. Damit ja keinem entgeht, was für eine brutale Gegend das ist. Und zuletzt, am Ende des langen Film, der für das, was er anrührt nicht lang genug ist, hat jeder jeden erschossen. Ob das nun Sinn macht oder nicht.
Bei dem ganzen Wust ging schein’s auch Star-Kameramann Michael Ballhaus bald die Lust und/oder Puste aus. Ein paar nette Kranfahrten, hier und da eine ungewöhnliche Einstellung, meist aber belässt es Ballhaus beim üblichen Schuss-Gegenschuss.
Andererseits ist es natürlich ein Kunststück für sich, eine solche Spannung mit Figuren zu schinden, deren bedeutendste Tätigkeit es allenthalben ist, per Handy zu telefonieren, sich gegenseitig in den Kopf zu schießen und ansonsten möglichst inflationär das Wort „Fuck“ im Dialog unterzubringen.
Vielleicht hätte man dem Film Michael Mann mit seinem Gespür der Marke „Heat“, „Collateral“ und „Miami Vice“ geben oder die knifflige Story gleich jenseits des Pazifiks lassen sollen. Vielleicht hätte es nur einen Drehbuchautoren wie Paul Haggis zur Überarbeitung gebraucht, der mit der Kettensäge den gröbsten Wildwuchs beseitigt um mehr Feinheiten im Kleinen Raum zu geben. Scorsese jedenfalls versteht es nicht, vor lauter Authentizitäts-Huberei und Räuber-und-Gendarm-Ethos zum existentiellen Kern dieser Parabel über Verrat, Gegenverrat und den Verlust der eigenen Identität vorzudringen.
| FAZIT
Mit dem Remake des Hongkong-Erfolgs „Internal Affairs“ versucht sich Großmeister Scorsese wieder im Gangsterfilm, verzettelt sich aber trotz – oder wegen – einer allzu großen Star-Riege im überambitionierten Geflecht aus Milieubetrachtung, Epos und ausgefuchstem Thriller.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung