FILM REVIEW | Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee
Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee
Thriller,
Abenteuer,
Horror
| USA 2004
| INHALTSANGABE
Auf der Suche nach der Blutorchidee, aus der sich ein lebensverlängernder Wirkstoff gewinnen ließe, reist eine Gruppe – bestehend aus Vertretern eines Pharmakonzerns mitsamt ihren potentiellen Geldgebern – in die Wälder von Borneo. Sie haben nur eine Woche Zeit, die Pflanze zu finden, da sie danach erst nach sieben Jahren wieder blühen wird. Sie haben ihre Rechnung aber ohne die Gefahren des Dschungels gemacht. Dort müssen sie sich plötzlich gegen riesenhafte Anakondas zur Wehr setzen, die ihnen zu Wasser und zu Land zu Leibe rücken. Doch bald sind nicht die Riesenschlangen das größte Problem, sondern die Profitgier eines der Gruppenmitglieder. Schließlich brächte der Fund der Blutorchidee Gewinne in Milliardenhöhe mit sich und so wird eine erfolgreiche Rettung durch Korruption, Skrupellosigkeit und Lügen zusätzlich erschwert.
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| FILMKRITIK
„Anacondas“ ist nicht wirklich ein Sequel zu dem 1997 erschienenen „Anaconda“. So bleiben nur die Schlange(n) und der Dschungel gleich, eine Fortsetzung der Geschichte wird nicht geschrieben. War sein Vorgänger zumindest ein Kassenerfolg und Trashfilmgeschichtlich insofern von Bedeutung, als nur hier erstmals ein Wasserfall rückwärts den Berg hinauf floss, bietet „Anancondas“ rein gar nichts außergewöhnliches.
Klischeedialoge und Standardsituationen werden phantasielos aneinandergereiht. Die Geschichte zeugt weder von Originalität noch wurden in ihr eigene Ideen verarbeitet. (Eigene Ideen scheinen dem Regisseur Dwight Little ohnehin nicht ganz geheuer zu sein. So war er bisher unter anderem für die Filme „Free Willy 2“ oder „Halloween 4“ verantwortlich.)
Die Truppe, die in den Dschungel geschickt wird, besteht durchweg aus Stereotypen; die Schauspieler werden somit durchweg austauschbar. Da hätten wir das naive Blondchen, das auf die eigene Intelligenz pocht, den Muskelberg mit tragischer Vergangenheit, den verführerischen Macho-Arzt, den Quatschkopf, der ständig dumme Sprüche reißt, den skrupellosen Wissenschaftler, der für Erfolg über Leichen geht. Und selbstverständlich haben wir da Männer und Frauen, Schwarze, Weiße, einen Lateinamerikaner und einen Asiaten. (Wobei Schwarz und Weiß stets hübsch getrennt und die Hierarchie strikt erhalten bleibt. – Nur zur Information: oben steht der amerikanische Soldat) Sie alle sind versammelt in der Klischeebrühe, die sich unbarmherzig über die Zuschauer ergießt.
Aus der abgedroschenen Filmidee hätte man durchaus ein spannendes und unterhaltsames B-Movie kreieren können. Mit Klischees kann man schließlich auch spielen. Man kann sie variieren und interessant machen.
Und die Schlangen stellen doch auch die perfekten Gegner dar. Es gibt fast kein Hindernis, das sie nicht überwinden oder durchschwimmen könnten. Selbst dass man sie aufgrund teurer Technik nur selten sieht müsste der Spannung keinen Abbruch tun. Ganz im Gegenteil, denn was man nicht sieht, wirkt erst recht unheimlich und gefährlich. Dass trotzdem zu keiner Zeit Spannung aufkommt liegt zum einen daran, dass die Handlung durchweg vorhersehbar ist. Außerdem scheinen selbst die Protagonisten hin und wieder zu vergessen, dass die Schlangen überhaupt vorhanden sind.
Die Verbindung aus all diesen Punkten ergibt den Effekt, dass man bereits nach zwanzig Filmminuten hofft, die Schlangen mögen die gesamte Gruppe schnell verspeisen, damit man das Kino wieder verlassen kann.
Dafür entwickelt der Film zumindest stellenweise eine unfreiwillige Komik ob der Absurdität von Handlung und Geschichte. Da schippert eine vollkommen unvorbereitete Gruppe auf Borneo herum (Leben Anacondas nicht ausschließlich in Südamerika?) auf einem maroden Schiff namens „Bloody Mary“, dessen Kapitän natürlich auch mal mit einem Küchenmesser ein Krokodil erlegen kann, wenn es heißt, einer hübschen Frau den Arsch zu retten. Da fallen Sätze wie: „Ich bin Wissenschaftlerin. Wissenschaft ist toll.“, gesprochen von fünfundzwanzigjährigen Fitnessstudio-Besuchern, die planen, aus einer Handvoll Blumen einen Jungbrunnen für die gesamte Menschheit zu gewinnen und damit Milliardäre zu werden. Angegriffen werden sie von Riesenschlangen mit T-Rex-Gebiss (gut gut, Anacondas haben ein beachtliches Gebiss, aber doch bitte mit nach innen gebogenen Zähnen...), die laufend in ihrer Größe variieren.
Für Fans von blutigen Horror-Trash wird der Film auch nicht viel zu bieten haben. Sehr unblutig und unspektakulär nehmen die Schlangen ihre menschliche Mahlzeit ein. Allein zwei Einstellungen sollen einen gewissen Ekelfaktor erreichen: Ein halbverdauter in den Bäumen hängender Leichnam und ein aus einem Schlangenbauch ragendes Eingeborenenbein. Aber alles ist so hübsch arrangiert, dass auch jüngere Kinder nicht alptraumbeladen den Kinosaal verlassen.
Bleibt dem Film zugute zu halten, dass auch in ihm viel Arbeit (und Geld) steckt. In diesem Fall aber Geld und Arbeit, die man sich hätte sparen können.
| FAZIT
Phantasie- und spannungsloser Film für die größten Trashfans.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung