Ali Usta ist Eisverkäufer in der türkischen Provinz. Sein selbstgemachtes Eis besteht aus Sahne, Milch und natürlichen Zutaten, nicht wie das Eis am Stiel der großen Ketten aus Wasser, Zucker und künstlichen Aromen, wie er stolz betont. Doch das Eis am Stiel der industriellen Konkurrenz verkauft sich besser. Also geht Ali mit der Zeit und schaltet einen Werbespot im lokalen Fernsehen.
In seinem Laden lässt Ali einen kleinen Jungen das Eis verkaufen, er selbst fährt mit seinem nagelneuen Motorroller samt Eisanhänger durch die Dörfer. Der Bruder des kleinen Jungen klaut mit seinen Freunden den Roller, um sich den Bauch vollzuschlagen. Ali verdächtigt die Eiskette Manda, seinen Roller gestohlen zu haben, und startet einen verzweifelten Kampf.
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| FILMKRITIK
„Ice Cream, I Scream“ von Regisseur Yüksel Aksu ist der türkische Bewerber für eine Oscar-Nominierung als bester nicht englischsprachiger Film. Yüksel Aksu drehte in seinem Heimatort Mugla mit einheimischen Laiendarstellern, nur Hauptfigur Ali wird von einem Bühnenschauspieler dargestellt. Das Resultat ist eine Art Bauernposse, ein lustiges Dorftheater.
Der Eisverkäufer trifft auf dem Dorfplatz die männlichen Bewohner, es beginnt ein Palaver als Wettstreit der Argumente. Ali hat es nicht leicht, seine Reklame-Offensive wird skeptisch beurteilt, seine Frau beschimpft ihn als Idioten, eine alte Frau verflucht ihn gar wegen des zu teuren Eises als unreinen Teufel. Es geht lautstark, emotional und manchmal überbordend hysterisch zu. Immer wieder brechen der Eisverkäufer und seine Frau halb ohnmächtig zusammen und müssen von den Nachbarn Luft zugefächelt kriegen.
Was beabsichtigt der Regisseur mit dieser ländlichen, an gutmütiges Pantoffelkino erinnernden Komödie? Zum einen stellt er augenzwinkernd die vielen inneren Konflikte der Türkei zwischen Tradition und Moderne dar. Die Kinder in der Koranschule durchschauen frech die sexfeindlichen Behauptungen ihres Lehrers. Die Männer, die am Freitagabend auf dem Dorfplatz trinken und feiern, wollen sich durch den Aufruf der Moschee zum Gebet nicht stören lassen. Und doch spielt der Glaube eine große Rolle, sucht zum Beispiel Ali Trost in einer rituellen Waschung vor seiner angeblichen geistigen Unreinheit.
Es wird heiß gestritten über die kommunistischen Theorien eines örtlichen Globalisierungsgegners. Wie viele der Auseinandersetzungen endet auch diese in einem archaischen Ausbruch von Flüchen und mit dem abrupten Abbruch der Diskussion. Die Attacken, vor allem der Ehefrau, sind zwar herzerfrischend direkt, aber auch etwas anstrengend auf Dauer.
Zum anderen scheint der Regisseur in sympathischer Spiellaune eine kleine Hommage an andere Filme und ihre Macher zu veranstalten. Yilmaz Güney, der verstorbene türkische Regisseur, wird vom Eisverkäufer zitiert. Und dann gibt es eine Szene, die die heilende Kraft des Märchens, des mündlichen Gesprächs heraufbeschwört. Ein alter Mann bringt den plötzlich lebensmüden Eisverkäufer mit einer Erzählung aus seiner Jugend wieder auf den rechten Weg. So ähnlich, wenn auch etwas bewegender, war das auch in Abbas Kiarostamis Cannes-Gewinner von 1997, „Der Geschmack der Kirsche“, zu sehen.
| FAZIT
Possenhafte Landkomödie als Synopsis türkischer Konflikte zwischen Tradition und Moderne.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung