Rotkäppchen bringt der Großmutter Kuchen... Am Ende der Geschichte springt die Alte aber nicht aus dem Bauch des Wolfs, sondern torkelt gefesselt aus dem Schrank. Die Polizei tappt im Dunkeln, denn keiner will es gewesen sein. Kommissar Nicky Flippers, der Frosch im grauen Anzug, verhört alle vier Verdächtigen: Rotkäppchen, den Wolf, den Mann mit der Axt, der plötzlich im Haus stand, und die Großmutter. Der Kommissar vermutet ein Komplott: Rezepte für Kuchen und Gebäck werden im ganzen Wald geklaut, Händler und Bäcker wandern aus, nur Großmutter und das Rotkäppchen bleiben fidel – wer steckt hinter dem Rezepteklau, und was ist das Ziel dieser Verschwörung?
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| FILMKRITIK
„Die Rotkäppchen-Verschwörung“ ist eine lustige, frische, kreative Mixtur aus Detektivgeschichte, CGI-Animation für die Familie, Persiflage auf Actionfilme, in denen Agenten zu Extremsportlern mutieren. Der Independent-Film von Cory Edwards unter Co-Regie von Todd Edwards und Tony Leech schafft es, originell zu sein, ohne schrill zu werden. Die drei Filmemacher erzählen in nicht-linearem Stil, sie nennen das „3D-Erzählungen“, wie er in Werbespots und Computerspielen vorkommt. Dazu dienen vor allem die vier Verhöre, die jedes Mal die Geschichte aus einem etwas anderen Blickwinkel aufrollen – und dabei kreuzen sich Wege, lösen sich Rätsel. So wird erst spät klar, wer die Lawine auslöste und Sprengstoff in den Achterbahnwaggon legte.
Zunächst sind da die Figuren. Rotkäppchen besteht fast nur aus Augen und Bäckchen – angeblich von japanischen Animes inspiriert, man könnte aber auch eine Ähnlichkeit zur Heidi-Zeichentrickfigur erkennen. Es dauert ein wenig, bis man sich daran gewöhnt, dass Rotkäppchen eine erwachsene Frauenstimme hat, auf Deutsch die von Sarah Kuttner. Aber das Mädchen ist auch schon ein Teenager, der künstlich klein gehalten wurde. Und der im Vergleich zu den anderen Gestalten bald schon wieder am normalsten wirkt.
Der Laubfrosch mit der sanften Stimme und dem coolen Durchblick, Nicky Flippers, sorgt dafür, dass man sich wie in einem Krimi fühlt, der von Agatha Christie stammen und an Inspektor Columbo, Kojak und wie die US-Helden des Genres alle hießen, erinnert. Der Wolf ist ein Journalist, was auch schon eine Idee ist, die zahlreiche witzige Sprüche im Schlepptau führt. Aber erst sein Fotograf und Assistent, das Eichhörnchen Twitchy! Es redet so schnell, dass die Ermittler die Bandgeschwindigkeit drosseln müssen, um die Tonaufnahme zu verstehen. Twitchy parodiert offenbar die vielen animierten Leidensgenossen, die wie Knallkörper über die Leinwand zischen, und einfach keine Zeit haben, deutlich zu sprechen.
Es gibt auch noch einen Banjo spielenden Country-Ziegenbock, und die Großmutter würde James Bond gewaltig ins Schwitzen bringen... Die Animation ist überzeugend, das Gras bewegt sich wunderbar im Wind, und dass Rotkäppchen in einer Szene auf den Waldboden fällt, als wäre sie ins Bild geklebt worden, vergisst man schnell. Denn die volle Action und der pralle Wortwitz lassen die Bilder nicht mehr als Mittel zum Zweck sein.
Das neu gegründete Kanbar Animation Studio gibt als sein Ziel originelle, computeranimierte Filme für ein immer anspruchsvolleres Familienpublikum an. Mit seinem ersten Film, „Die Rotkäppchen-Verschwörung“, ist dieses Kunststück auf Anhieb gelungen. Die Gestalten des Märchens werden nicht demontiert für billigen Trash, nur schräg angereichert und moduliert. So dass sie der Wirklichkeit näher kommen, aus der sich unsere Vorstellungswelt speist: aus TV-Krimis, Kinoaction, Medienevents, Erlebnisschnipseln, die wie im Traum manchmal ein wenig durcheinandergeraten. Das neue Ergebnis kann entlarvend, witzig, kreativ und spaßig sein – wenn es so aussieht, wie hier.
| FAZIT
Rotkäppchen trifft Extremsportler und den coolen Kommissar: Geistreicher Animationsspaß für die ganze Familie.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung