Donnerstag | 31. Mai 2012 | 06:17 Uhr
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  • FILM REVIEW | Apocalypto
  • Apocalypto

    Action, Abenteuer, Drama | USA 2006
  • | INHALTSANGABE

  • Apocalypto spielt zu der Zeit, als die faszinierende Kultur der Mayas in Südamerika kurz vor dem Untergang steht.

    Jaguar Paw (Rudy Youngblood) lebt in einem kleinen Dorf inmitten des Dschungels. Wie seine Gefährten ahnt er wenig von dem, was in der Welt um sie herum vorgeht. Als sie dann im Wald auf Flüchtlinge treffen, die ihnen erzählen, dass sie aus ihrem Dorf vertrieben wurden, ist es mit dem Frieden vorbei.

    Jaguar Paws dunkle Vorahnungen werden bestätigt, als sie am nächsten Morgen von den kampferprobten und erbarmungslosen Holcane Kriegern angegriffen werden. Jaguar Paw kann seine schwangere Frau und seinen vierjährigen Sohn in einem Erdloch verstecken, doch dann wird er gefangen genommen und mit vielen seiner Freunde quer durch den Dschungel verschleppt.

    Es ist ein beschwerlicher Weg, der sie über hohe Klippen und reißende Flüsse treibt. Die Dorfbewohner wissen weder wohin sie gebracht werden, noch zu welchem Zweck. Und die Holcane Krieger machen von Anfang an klar, dass mit ihnen nicht zu verhandeln ist.

    So landet Jaguar Paw in einer großen Maya Stadt. Vor den Toren herrscht Dürre, große Flächen des Dschungels sind abgeholzt. Sklaven arbeiten in gigantischen Steinbrüchen und die Seuche geht um. Ein kleines Mädchen spricht vor den Toren der Stadt eine Weissagung aus, die den Untergang der Mayas prophezeit. Doch auch sie ist von der Seuche entstellt und so sorgen die Krieger dafür, dass sie ihnen und ihren Gefangenen nicht zu Nahe kommt.

    In der Stadt werden die Frauen auf den Sklavenmarkt verkauft und die Männer werden zu riesigen Tempeln geführt. Auf dessen hohen Sockeln steht am Rande einer gigantischen Treppe der Hohepriester. Um der Dürre endlich ein Ende zu machen, werden Tausende von Menschen geopfert.

    Dies ist der eigentliche Grund, warum die Krieger ausziehen um Menschen zu fangen. Jaguar Paw und seine Freunde stehen auf dem Denkmal an die Götter und sehen wie den Menschen vor ihnen ihr Herz bei lebendigem Leibe herausgerissen wird, sie enthauptet und dann unter dem Jubel der Zuschauer in die Tiefe gestoßen werden.

    Jaguar Paw gelingt es trotz aller Widrigkeiten zu entkommen und nun entwickelt sich eine rasante Verfolgungsjagd durch den Dschungel, denn die Holcanes verfolgen ihn. Immer das Bild seiner Frau und seines Sohnes in dem Erdloch vor Augen, lernt sich Jaguar Paw zu verteidigen und es scheint, dass sich die Götter auf seine Seite geschlagen haben.
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      • | FILMKRITIK

      • „Eine große Zivilisation lässt sich nur von außen erobern, wenn sie sich von innen schon selbst zerstört hat.“ Mel Gibson stellt nicht ohne Grund Durants Zitat an den Anfang des Filmes. Denn am Ende wird dieses Zitat zum Leitsatz.

        Wir sehen durch die Augen von Jaguar Paw die Überreste einer gewaltigen Kultur, die für ihre Zeit schier unglaubliche Dinge vollbracht hat. Gleichzeitig wird klar, dass sie sich auf dem Weg nach unten befindet und nur noch ein müder Abklatsch dessen sein muss, was sie noch vor einigen hundert Jahren dargestellt hat.

        Die Mayas haben die Landschaften um die Städte herunter gewirtschaftet ohne Vorsorge zu nehmen. Es herrschen Dürreperioden und Hungersnöte. Um dem beizukommen, werden jeden Tag Hunderte von Menschen geopfert. Die Absurdität dieser Szenerie erschließt sich trotz der grausamen Bilder. Durch die Degradierung des menschlichen Wesens zum Opferlamm, verliert nicht nur der einzelne Mensch an Bedeutung, sondern der – wenn auch erschreckend inhumane – Sinn des Ganzen geht, scheinbar ohne die Notiz der Beteiligten zu erlangen, verloren.

        Mel Gibson machte dieses Jahr hauptsächlich negative Schlagzeilen, kaum eine Minderheit, die er nicht auf das Übelste beschimpfte. Hollywood reagierte prompt und verbannte Gibson symbolisch aus ihren Reihen. Kein Wunder, dass sich der Verleih Disney zunächst keine großen Hoffnungen für die nächste Oscar Verleihung machte und die Sichtungskopien für die Academy Mitglieder zunächst zurück hielt.

        Zusätzlich reagierten viele Ureinwohner von Guatemala mehr als verstimmt auf Voraufführungen des Filmes. Es wurde Gibson Rassismus vorgeworfen und einseitige Darstellung. Vorwürfe, die Gibson seit Der Passion Christi keineswegs fremd sind.

        Doch dann kamen die ersten Meldungen aus der Presse. Apocalypto schien mehr als zu überzeugen. Und so schickte Disney die Sichtungskopien los.

        Es gibt keine Entschuldigung für Gibsons Haltung und Äußerungen – auch wenn er kläglich als Gründe für seine Entgleisungen Alkohol und Drogen angab. Aber eines versteht er, und dafür muss man ihn bewundern. Er hat ein Talent zu polarisieren und Themen auszugraben, die den Nerv der Zeit treffen, auch wenn man ihnen das zunächst nicht bescheinigt hätte.

        So auch mit Apocalypto. Der Film versteht es eine überaus spannende Geschichte zu erzählen, obwohl der Protagonist während der längsten Zeit zur Passivität verdammt ist. Erst im letzten Drittel des Filmes gestaltet Jaguar Paw die Geschichte aktiv mit und reißt uns so in ein fulminantes Finale.

        Es ist Gibsons Geschick als Regisseur zu verdanken, dass diese Reise nie langweilig wird. Bildgewaltig und teilweise blutrünstig bringt er uns eine fremde Welt näher, als es viele Filme in der Vergangenheit geschafft haben.

        Sicherlich ist dies Gibsons ungeheurem Authentizitätsanspruch zu verdanken. Er besetzte den kompletten Cast mit Unbekannten und teilweise mit Laienschauspielern. Gleichzeitig ließ er das fertige Drehbuch in Yucatec übersetzen. Wie in Die Passion Christi sind die Dialoge nur untertitelt. Es ist Gibsons erklärtes Ziel eine absolute Illusion zu entwerfen, sein Film ist im Prinzip ein enormer Dokumentarfilm über die Maya Kultur.

        Gleichzeitig kommt der Film so gut wie ohne Dialoge aus, er erzählt seine Geschichte durch Bilder, etwas was viele Regisseure verlernt zu haben scheinen.

        Natürlich kann man es Gibson vorwerfen, dass die Suche nach Bildern in Glorifizierungen endet. Oft treibt er es ein wenig zu weit und die pathetischen Einstellungen grenzen am Kitsch. Und mit seiner enormen Vorliebe für Zeitlupen und Speedrampen ist er letztendlich Hollywood und Jerry Bruckheimer näher, als man es zunächst vermuten dürfte.

        Zu guter Letzt wäre die Sozialkritik zu erwähnen, die dem Film den Subtext verpasst. Es wäre kein Mel Gibson Film, gäbe es nicht immer wieder Seitenhiebe auf die moderne Zivilisation. Sowohl das zu-Grunde-richten der Natur, als auch Amerikas Außenpolitik, viel wird unterschwellig angeschnitten und das macht die letztendlich größte Faszination des Filmes und der Maya Kultur generell aus. Wie konnte eine solch große Kultur einfach untergehen? Und damit sind wir wieder am Anfang des Filmes und bei Durants Zitat. Die Kultur muss sich selbst zu Grunde gerichtet haben, um für Angriffe aus der Außenwelt anfällig zu sein.
      • | FAZIT

      • Ein vielschichtiger bildgewaltiger Film, in dem weder der differenzierte Umgang mit einer fremden Kultur fehlt, noch der Actionaspekt.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Laura Samide

      • | Userwertung

      Wertung: 7.2/10 (11 votes)

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