Die Erfolgsfrauen Amanda und Iris haben zwei Dinge gemeinsam: Sie haben von Männern die Nase voll und sie brauchen dringend Urlaub. Die eine trauert einer drei Jahre zurückliegenden Beziehung nach, die andere versucht sich verzweifelt ein Tränchen abzuringen, als sie ihren hundertsten Mann vor die Tür befördert.
Als Journalistin Iris anstelle eines Weihnachtsgeschenks von ihrem vergötterten Exfreund seine Verlobung mit einer Anderen serviert bekommt und sie sich einmal mehr in Heulkrämpfen wieder findet, wird ihr klar, dass es eines Neuanfangs bedarf. Kein Wunder also, dass sie sofort die Koffer packt, als die überarbeitete Trailer-Cutterin Amanda aus Hollywood ihr für zwei Wochen einen Wohnungstausch anbietet. Diese lebt so sehr in ihrer Arbeit, dass sie, wenn sie mal nicht vor dem Schnittpult sitzt, von Trailern heimgesucht wird, die ihr Leben mit schmissigen Lines vermarkten wollen. Was sie braucht ist Ruhe – und genau das scheint Iris’ gemütliches Cottage auf dem englischen Lande zu bieten.
Es scheint ein unfairer Tausch: Die Traumvilla im sonnigen LA gegen „Snowy Christmas“ im englischen Hexenhäuschen. Während sich Iris mit Hollywood-Größen vergnügt, muss sich Amanda mit Problemen britischer Art herumschlagen („I can drive on the wrong side of the road!“). Die sonnenverwöhnte Millionärin ist dann auch nach einer Schneedusche und einer Odyssee in Stöckelschuhen nicht wirklich angetan. Aber dieses Problem lässt sich natürlich lösen – es bedarf nur eines betrunkenen Englishman, der ihre Nachtruhe stört und sie auf seine charmant britische Art dazu verführt, all ihre Vorsätze Vorsätze sein zu lassen…
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| FILMKRITIK
Das Internet macht’s möglich: Der unproblematische Spontan-Umzug ans andere Ende der Welt ist nur wenige Mausklicks entfernt. „Liebe braucht keine Ferien“ ist ein Weihnachtsmärchen des digitalen Zeitalters. Nancy Meyers malt einen weihnachtlich überladenen, plätzchensüßen Hoffnungsschimmer an den alltagsgrauen Himmel der Beziehungsunfähigen, Alleingelassenen und Unglücklich-Verliebten: Der Traummann ist kurz davor, an deine Tür zu klopfen – nur auf der anderen Seite des Ozeans.
Dabei enttäuscht sie sowohl als Drehbuchautorin, als auch in der Schauspielführung. Kate Winslets Performance als Iris ist so blass, dass man es kaum wahrnimmt, wenn sie für kleine Ewigkeiten von der Leinwand verschwindet. Und auch Cameron Diaz als die überspannte, abgehärtete Grazie hat außer ihrer hungrigen Schönheit leider wie so oft schauspielerisch nicht viel zu bieten – ihr Spiel beschränkt sich auf große Gesten und übertriebene Mimik, mit der sie nicht einmal in einem zweitklassigen Horrorfilm punkten könnte.
Auch Cutter Joe Hutshing hat wohl nicht die Qualitäten, die der Film der Trailer-Königin Amanda zuschreibt, denn „Liebe braucht keine Ferien“ ist nicht nur viel zu lang (ganze 138 min), sondern auch so uneben geschnitten, dass einige Figuren nach ihrer Einführung erst Stunden später wieder auf der Leinwand erscheinen – wie zum Beispiel Iris’ Seelenverwandter und Retter aus der unglücklichen Abhängigkeit Miles, auf den der Zuschauer aber dankend verzichtet, denn Darsteller Jack Black versprüht anstelle von Charme vor allem peinliche Unsicherheit. Auch lässt er der Geschichte um Amanda so viel mehr Platz, dass man sich fragt, warum Iris und ihr verstoßener, pudeläugiger Pummel nicht komplett unter den Tisch fallen gelassen wurden. Da beide Liebesgeschichten ähnlich farblos sind, hätte man sich wenigstens für eine entscheiden sollen.
Der Film lässt sich stattdessen Zeit für ausufernd banale Konversationen, schmalz- und schmerzvolle Augenblicke der Rührseligkeit, sowie verblüffenderweise im Besonderen für das staksige Rehkitz-Rennen der Cameron Diaz, das weder niedlich, noch attraktiv, noch in irgendeiner Weise spannend ist.
Trotz allem schafft der Film einige gute Lacher – von denen die meisten bereits im Trailer zum Film zu sehen sind. Am Ende sind zwar keine Probleme gelöst, aber dennoch alle zum Schunkeln glücklich, und der Ozean scheint so viel kleiner. – Da klatscht der Hintermann im Kino fröhlich Applaus und knipst die gerührte Freundin auf seinem Fotohandy für die Weihnachtskarte. Ein echtes Weihnachtsmärchen braucht eben weder eine gute Story noch gute Schauspieler, sondern ein Happy End zum Mitfeiern.
Ein nicht ganz subtiler Tipp fürs Geschenke-Shoppen ist auch noch inklusive: Sony hat vermutlich einiges für sein ausgiebiges Product-Placement hingeblättert, denn Laptop„vaio“ erweist sich als ständiger Begleiter der Reichen und Schönen. Und die Moral von der Geschicht’: Auch eine emanzipierte Karrierefrau will eigentlich nur das eine: den richtigen Mann. Und: Man sollte sein Leben einfach wie einen Hollywood-Film leben. Und: Alles wird gut, denn: in jedem Macho steckt ein gütiger Kindsvater, man muss nur tief in seine Augen sehen.
| FAZIT
Überladenes und überlanges Weihnachtsmärchen mit kümmerlichen schauspielerischen Leistungen, aber den Weihnachtsstandards entsprechend viel Gefühl
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung