FILM REVIEW | Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter
Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter
Action,
Abenteuer,
Fantasy
| Großbritannien / USA / Ungarn 2006
| INHALTSANGABE
Es gab eine Zeit in Alagaesia, als die Menschen von den Drachenreitern gegen das Böse geschützt wurden. Über Jahrhunderte regierten die weisen Ritter, ihr Kampfesmut war unübertroffen und ihr Heldentum viele Lieder wert. Verbunden mit ihrem Drachen, waren sie fast unsterblich, sie konnten nur im Kampfe fallen.
Doch dann wurden sie betrogen von einem der ihren. Galbatorix war sein Name, er verlor seinen Drachen bei einer Schlacht und forderte einen Neuen. Doch als er nicht das bekam, was er verlangte, stahl er sich ein Drachenei und versammelte aufrührerische Drachenreiter um sich, die den anderen den Krieg erklärten.
So wurden die Drachenreiter ausgerottet und der Einzige, der überlebte, war Galbatorix und er herrschte fortan grausam und hartherzig über die Menschen von Alagaesia und mit dem Frieden war es vorbei.
Dies hört der junge Eragon (Ed Speleers) vom alten Geschichtenerzähler Brom (Jeremy Irons) und kann nur erahnen wie sehr sein eigenes Schicksal mit dem von Alagaesia verbunden ist.
Denn eines Tages findet der junge Farmersohn einen blauen Stein im Wald. Als kurze Zeit später ein Drache daraus schlüpft, scheint Eragons Schicksal besiegelt. Denn Galbatorix wird keinen anderen Drachenreiter neben sich dulden. So schickt er den Hexer Durza (Robert Carlyle) um Eragon zu zerstören.
Der junge Drachenreiter muss fliehen und erhält unerwarteten Beistand von Brom, der zu seinem Mentor wird. Der Alte rät ihm zu den Rebellen, den Varden, angeführt von Ajihad (Djimon Hounsou), überzulaufen, denn nur in ihrem Dienst kann er gegen Galbatorix bestehen.
Auf ihrem Weg zu dem geheimen Versteck der Rebellen, träumt Eragon immer wieder von einer Frau. Es ist Arya (Sienna Guillory), eine Elfe, die in Durzas Fängen ist, seit sie, bedrängt vom Hexer, das Drachenei mittels Magie in die Wälder bei Eragons Heimat transferierte. Obwohl Brom ihm davon abrät, ist Eragons nächster Schritt besiegelt, er will Arya retten und setzt dabei sein eigenes Überleben aufs Spiel.
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| FILMKRITIK
Um das Buch Eragon spinnen sich verschiedene Kontoversen, die Autor und Werk fast schon zu modernen Legenden generierten. Sicherlich trägt das Alter des Autors dazu bei. Christopher Paolini war fünfzehn als er den ersten Teil seiner Inheritance Trilogie schrieb, er ist nunmehr 22 und schreibt an dem letzten Teil, dessen Titel noch nicht feststeht.
Es dauerte eine Weile bis Eragon, zuvor von den Paolinis selbst heraus gegeben, in einem großen Verlag erschien. Dann stürmte das Werk jedoch die internationalen Bestsellerlisten.
Obwohl das Buch ganz und gar nicht unumstritten ist. Paolini wird vorgeworfen, er „orientiere“ sich zu sehr an Altmeistern wie J.R.R. Tolkien und Ursula Le Guin. Und sicherlich lassen sich Parallelen zwischen Eragon und Fantasy Standardwerken wie Herr der Ringe und Erdsee feststellen, man sollte aber eben auch das junge Alter des Autors nicht außer Acht lassen.
Nun gibt es ein weiteres Kapitel der Erfolgsgeschichte – der Film zum ersten Band der Trilogie, Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter, kommt diesen Dezember, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft ins Kino.
Und genau wie sich schon das Buch an seinen Vorgänger orientierte, macht es auch der Film. Zumal er mit den Herr der Ringe Filmen natürlich einen äußerst starken Vorläufer hat, die das neuere Fantasy Kino geprägt haben. Und so verwundert es nicht, wenn viele Einstellungen aus Eragon denen von Peter Jacksons Epos ähneln, gar identisch sind.
Scheinbar kann man keine Fantasy Filme mehr machen, ohne zum Beispiel den obligatorischen Helikopter Schuss einer Ansammlung von Reitern in der wilden Natur zu zeigen. Oder einen epischen Prolog, bei dem die Erzählerstimme die Geschichte der fremden Welt erläutert.
Aber Eragon bietet glücklicherweise mehr als das. Und so könnte die Hoffnung von Twentieth Century Fox doch noch aufgehen und ein passabler Kassenhit entstehen. Etwas was man nach dem eher lauen Trailer nicht unbedingt erwartet hätte. Gerade die Visual Effects wirken in der Vorschau ungenügend und hölzern.
Dass die Effekte letztendlich im Film dennoch mehr als passabel, teilweise sogar großartig sind, hätte man auch nicht anders vermuten dürfen, nimmt man den Lebenslauf des Regisseurs Stefen Fangmeier genauer unter die Lupe. Dieser arbeitete nämlich zuletzt als Visual Effects supervisor für Industrial Light and Magic (kurz: ILM) und hat schon einige erfolgreiche Hollywoodfilme in dieser Funktion betreut (Master and Commander, Dreamcatcher, Signs, Die Bourne Identität und Der Sturm um einige zu nennen). Er war insgesamt dreimal für den Oscar nominiert und hat dreimal den BAFTA (British Academy Film Award) gewonnen. Bei Galaxy Quest und Dreamcatcher fungierte er als Second Unit Regisseur und führte bei Eragon das erste Mal selbst Regie.
Die Visual Effects für Eragon wurden denn auch zum großen Teil von ILM produziert, bei einigen Sequenzen, wie zum Beispiel der finalen Schlacht bei Farthen Dûr griff aber auch WETA Digital helfend ein. WETA zeichnete sich verantwortlich für die Herr der Ringe Filme, und somit schließt sich hier der Kreis. Die Szenen von der Schlacht, bei der Eragon auf Saphira gegen Durza auf einem mysteriösen Schattentier kämpft, sind denn auch die herausragend animierten Teile, die sich deutlich vom Rest des Filmes abheben.
Weiß man nun, dass die zwei zuletzt erfolgreichsten Visual Effects Firmen zusammen an dem Film arbeiten, verwundert es nicht, dass auch der Rest der Crew sich aus einer beeindruckenden Anzahl von renommierten Menschen zusammensetzt.
Drehbuchautor Peter Buchman schrieb bisher das Buch zu Jurassic Park III und zuletzt an zwei Werken über Che Guevara. Und auch das Produzententeam um John Davis und Wyck Godfrey kann auf einige erfolgreiche Filme zurückschauen.
Zu kritisieren wäre jedoch der Score von Komponist Patrick Doyle (Harry Potter und der Feuerkelch). Zwar trifft er oft den richtigen Ton und schafft es die Bilder von Kameramann Hugh Johnson gelungen zu untermalen. Doch genauso oft stört seine bisweilen kitschige und übertriebene Musik und reißt den Zuschauer aus dem Geschehen heraus. Mehr noch, er nötigt ihm eine ironisch-distanzierte Haltung auf, die dem Filmvergnügen selbstverständlich abträglich ist.
Herausragend hingegen sind die Schauspieler. John Malkovich hat in dem Film nicht wirklich viel Dialog, aber den, den er hat, spielt er mit einer solchen Würde und Kaltschnäuzigkeit, dass man sich den König Galbatorix kaum anders hätte vorstellen können.
Jeremy Irons spielt als Altmeister Brom seine Kollegen weitgehend an die Wand, Sienna Guillory überzeugt als grazile Elfe Arya und Robert Carlyle scheint die Rolle des Durza förmlich auf den Leib geschrieben.
Oscar Preisträger Djimon Hounsou kommt hingegen als Ajhad viel zu kurz, man versteht vermutlich noch nicht einmal, dass er der Anführer der Rebellen ist.
Und dann wäre da noch das junge Schauspieltalent Ed Speleers. Leider überzeugt er als Protagonist nicht auf ganzer Linie. Gerade am Anfang des Filmes, als er oft alleine in Szenen zu sehen ist oder beim Agieren mit der digitalen Kreatur Saphira, übertreibt er es häufig ein wenig. Wo ein einfacher Blick genügt hätte, wird noch einmal die Augenbraue gehoben oder die Stirn gerunzelt. Das lässt ihn hölzerner wirken als er ist, aber vermutlich kann man dies getrost als Anfängerfehler verbuchen. Immerhin hat er vor Eragon nur Schultheater gespielt.
Interessanterweise wirkt der Film oft an vielen Stellen kompakter und spannender als das Buch. Wo sich Paolini in Einzelheiten verliert, bringt der Film die Handlung auf den Punkt. Das mag für viele Fans des Buches einen negativen Beigeschmack haben, gehen doch einige wichtige Stationen auf Eragons Weg verloren. Es ist jedoch für den Film gesund und trägt elementar dazu bei, dass die knapp zwei Stunden nie langweilig werden. Und das macht den Film tatsächlich zu einem unterhaltsamen und packenden Weihnachtsfilm für die ganze Familie, der die Schmach von Narnia aus dem letzten Jahr vergessen machen dürfte.
| FAZIT
Sehr viel besser als erwartet. Spannender und unterhaltsamer Fantasy Film, dem vermutlich bald der zweite Teil folgen wird.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung