Harold Crick ist ein zwanghafter Zahlen- und Ordnungsliebhaber, der bei der Steuerfahndung arbeitet. Sein Leben wird von seiner Armbanduhr bestimmt. Eines Tages beginnt Harold eine weibliche Erzählstimme in seinem Kopf zu hören, die sein Leben beschreibt und ihm den baldigen Tod voraussagt. Harold muss die unbekannte Schriftstellerin finden, in deren Werk er offenbar die Hauptfigur ist, und sie dazu bringen, ihn am Leben zu lassen.
Die Schriftstellerin weiß nicht, dass Harold in Wirklichkeit existiert, und sie hat eine Schreibblockade. Es will ihr kein angemessener Tod für Harold einfallen. Dieser sucht in der Zwischenzeit einen Literaturprofessor auf, der ihm bei der Suche nach dem Roman, in dessen Zentrum er steht, helfen soll. Harold lernt auch die Steuerschuldnerin Ana Pascal kennen, eine lebensfrohe, unangepasste Bäckerin.
WERBUNG
| FILMKRITIK
„Schräger als Fiktion“ hat eine Geschichte voller schräger Einfälle und eine Besetzung, die in die skurrilen Rollen hineingeboren zu sein scheint. „Finding Neverland“-Regisseur Marc Forster und Drehbuch-Newcomer Zach Helm kreieren hier einen Komödienstoff für Will Ferrell, in dem das Anderssein oberste Priorität hat: Ferrell ist kein extravertierter Hampelmann, sondern ein blasser, gedrückter Perfektionist im grauen Anzug. Mehr noch, Ferrell ist gar kein richtiger Mensch, er ist eine Romanfigur. Oder genauer, er ist beides, und bei solchen aberwitzigen logischen Bögen hält sich die Geschichte nicht mit kleinkarierten Zwischenfragen auf.
Diese geistige und komödiantische Freiheit schafft eine spielerische Atmosphäre, in der die realistisch genauen Anteile der Handlung besonders verblüffen. Ferrell verkörpert als Harold Crick den perfekten Zwangsneurotiker, einen Menschen, der ohne seine Armbanduhr und seine Zählrituale keinen Sinn in seinem Leben fände. Es gibt allerdings auch keinen Sinn darin – denn Harold kann nicht mehr unterscheiden zwischen wichtig und belanglos. Bis er die lustige Ana kennenlernt, die der Steuerbehörde aus Protest gegen manche Staatsausgaben Geld schuldig bleibt. Maggie Gyllenhaal ist das ideale Pendant zu dem hier grauen Ferrell: Auch sie ist keine schrille, überdrehte Figur, und die Reize ihrer Persönlichkeit werden erst auf den zweiten Blick sichtbar.
Emma Thompson spielt die Schriftstellerin Karen Eiffel, die Harold Crick erfunden hat, wunderbar als gestresste, ja gefährdete Neurotikerin. An ihre Seite stellt der Verlag, der um die Ablieferung des versprochenen Romans bangt, eine resolute Helferin. Queen Latifah spielt diese Rolle als Respekt einflößendes Gegengewicht zur fahrigen Schriftstellerin. Dustin Hoffman ist die Idealbesetzung für den eigenwilligen Literaturprofessor Jules Hilbert – der Harold entscheidende Tipps liefert, wie er erkennen kann, ob er in einer Komödie oder in einer Tragödie spielt.
Manchmal sind Emma Thompson und Dustin Hoffman barfuß, manchmal erscheinen auf der Leinwand weiße Grafiken und Zahlen, so genannte graphic user interfaces. Sie zeigen, was in Harolds Kopf gerade vorgeht. Solche Details sind wie bunte, hübsche Bonbons, die die skurrile Geschichte kleidsam schmücken. Das schaffen auch die vielen Dialogwitze, in denen die Figuren ihre zwar schräge, aber doch auch gültige Wahrheit entlarven: „Ich brauche kein Nikotinpflaster, ich rauche Zigaretten“, entgegnet Karen Eiffel ihrer besorgten Assistentin.
Diese liebevoll versponnene Komödie hat gegenüber anderen Filmen des Genres den entscheidenden Vorteil, durch Originalität zu fesseln. Wie das geht, ohne ins Blödeln zu verfallen, kann man hier ebenso genießen wie die ansteckende Spiellaune der Darsteller. Will Ferrell macht sich neben Emma Thompson und Dustin Hoffman überraschend gut und lädt zu philosophischen Gedanken darüber ein, wie viel Fiktion das Leben verträgt und ob wir uns die Rollen aussuchen, die wir spielen.
| FAZIT
Originelle Komödie, die sich auf logische Abwege wagt, und in der Will Ferrell als Zwangsneurotiker glänzt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung