Das Hundemädchen Lotte lebt in einem Dorf am Meer, in dem viel passiert. Die meisten Bewohner sind nämlich Erfinder, so auch Lottes Vater. Alljährlich gibt es einen Wettbewerb um die beste Erfindung, meistens eine nützliche Maschine zum Waschen, Bügeln, Gemüseschneiden. Als Lotte mit ihrem besten Freund, dem Kater Bruno, im Meer schwimmt, findet sie ein Buch. Sie hängt es zu Hause zum Trocknen auf, und da fällt die japanische Biene Susumu heraus. Sie bringt den Dorfbewohnern bald eine neue Erfindung bei: Judo.
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| FILMKRITIK
Wer „Petterson und Findus“ mag, wird vermutlich auch an dem quietschbunten „Lotte im Dorf der Erfinder“ Gefallen finden. Die Figuren aus der traditionsreichen Animationsschmiede Estlands sind ähnlich bastelsüchtige, in Haus und Hof wurschtelnde Gestalten, die überall eine interessante Kleinigkeit entdecken. Und zu entdecken gibt es wahrlich viel: Die Szenarien sind voller liebevoller Details, wie in dieser besonderen Sorte von Bilderbüchern, in denen auf einer Doppelseite das ganze Treiben zum Beispiel eines Marktplatzes in einzelnen Mikroszenen festgehalten wird.
Schon die einführende Vogelperspektive auf Lottes Dorf sieht aus wie der Bild gewordene Kindertraum des idealen Wohnens: Holzhäuser mit Details, die den Besitzer als Dauerheimwerker entlarven, inmitten von grünen Wiesen, Bächen, Wiesen, und schließlich das Meer. Die Wiesen sind voller schön gezeichneter Blümchen, die Bäume haben Blätter in allen Varianten von kräftigem Grün, die man sich denken kann. Die Mäuerchen am Wegesrand bestehen aus Natursteinen, die man durchaus näher betrachten würde, würde nicht das Geschehen davon ablenken. Es kommen keine Menschen vor, aber eine Fülle von bekleideten Insekten, Hasen, Hunden, Schweinen.
„Lotte im Dorf der Erfinder“ basiert auf einer TV-Serie namens „Lotte Journey South“. Die Regisseure und Drehbuchautoren Janno Põldma, Heiki Ernits und der Drehbuchautor Andrus Kivirähk haben sich Jahre später das mit Gesang geschmückte Kinoabenteuer ausgedacht, das auf der Berlinale 2007 im Wettbewerb der Kinderfilm-Sektion antritt. Die Handlung an sich ist weder stringent, noch von Bedeutung. Es gibt keinen dramatischen Spannungsbogen rund um nie da gewesene Abenteuer des Titelhelden. Vielmehr geht der Film, wie eine Kinder-TV-Miniserie, der Frage nach: Und was macht Lotte heute so? Nun, sie hilft der Mutter beim Karottenpflanzen mit der Gartenmaschine, die der Vater erfunden hat. Oder sie übt heimlich Judo mit Bruno. Der darf keinen Sport machen: Die Mutter will ihn nicht auch verlieren, wie seinen Vater, der beim Hammerwerfen vom Schwung davongetragen wurde.
Aber dieser Dorfalltag ist in Kleinigkeiten spannend: Die Sau nutzt die neuen Judokenntnisse, um ihre Familie ins Bett zu werfen, wenn die nicht schlafen will. Der Hase Adalbert versteckt seine Frau in der angeblich automatischen Gemüseschneidmaschine, damit sie darin die Arbeit verrichtet. Lottes Vater fängt Elektrizität in Form eines Blitzes ein. Bruno verliert eine Träne ins Meer, die trifft einen Fisch, der sinkt auf den Grund, wo ihn zwei herbeigeeilte Gestalten mit einer Trage auffangen.
Die große weite Welt scheint Estland besonders zu beschäftigen. Britische, im Teetrinken und Geplänkel geübte Maulwürfe kommen vor. Die japanische Biene praktiziert nicht nur Judo, sondern auch Akupunktur. Es gibt eine Ballonfahrt nach Japan. Für ein Land, das über Freiheit und offene Grenzen noch nicht allzu lang verfügt, sind ferne Länder ein großes, neues Thema. Insgesamt ist dieser Zeichentrickfilm ein kindgerechtes, sehr schön bebildertes Kaleidoskop kleiner Abenteuer.
| FAZIT
Farbenfrohes Bilderbuch mit Miniabenteuern des Hundemädchens Lotte, das in einem für Kinder idealen Dorf wohnt.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung