Drama,
Fantasy,
Mystery
| Mexiko / Spanien / USA 2006
| INHALTSANGABE
Spanien 1944: Ofelia, ein junges Mädchen mit blühender Fantasie, fährt mit ihrer hochschwangeren Mutter Carmen nach Nordspanien zum Stiefvater Vida, einem despotischen Kommandanten der Franco-Armee. Nach dem Ende des Bürgerkriegs kämpft dieser gegen eine republikanische Rebellengruppe, die im nahe gelegenen Wald versteckt noch immer Widerstand leistet. Als Ofelia in der Nähe des Hauses ein Labyrinth entdeckt, träumt sie sich aus der grausamen Welt des Faschismus in ein Märchenreich.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Keinen Film über den spanischen Bürgerkrieg hat der mexikanische Regisseur Guillermo Del Toro gedreht, sondern eine Parabel, in der Faschisten und Republikaner als Verkörperung von Gut und Böse fungieren. Das Böse scheint zunächst die Oberhand zu gewinnen und die junge Heldin Ofelia sucht unbewusst eine Möglichkeit, ihre Umgebung so zu interpretieren, dass sie in dieser Welt voller Schrecken, in der grausamen Welt des Faschismus leben kann.
Ofelias Traumwelt ist ein Labyrinth, in dem sie sich verlieren kann, geheimnisvoll und ebenso düster und grausam wie die Realität: Feen werden von Monstern gefressen, die ihre Augen wie Stigmata in den Innenflächen der Hände tragen, und gierige Riesenkröten gilt es zu besiegen. Ein Faun hat dem jungen Mädchen drei Aufgaben gestellt, die sie bewältigen muss, bis sie wieder als Prinzessin in ihr Königreich zurückkehren könne.
Guillermo Del Toro, Regisseur von „The Devil’s Backbone“, „Blade II“ und „Hellboy“, zeigt in „Pans Labyrinth“ erneut seine Vorliebe für düstere Fantasy-Stoffe im Gothic-Stil. Unübersehbar bedient er sich in seinem Märchen für Erwachsene bei einer von der Malerei Francisco Goyas inspirierten Bilderwelt – einer Welt, die schonungslos den Horror des Krieges darstellt. Wie im Werk des spanischen Malers ist es auch bei Del Toro der Krieg, der jegliche Humanität zerstört, der die Moral auf der Strecke bleiben lässt. In kranken, dreckigen Farben inszeniert der Regisseur die Abgründe der Figuren, mit einer unruhigen Kamera, die die ständige Angespanntheit der Figuren in jeder Sekunde auf den Zuschauer überträgt.
Für das Mädchen erlaubt die Traumwelt, nicht völlig zu Grunde zu gehen. Indem sie ihren Stiefvater Vidal (dessen Abgründe Schauspieler Sergi López perfekt in Szene setzt) in grausame Monster transformiert, kann sie mit der Realität umgehen. Der kindliche Eskapismus erlaubt es dem Regisseur, auf subtile Weise den Horror des Faschismus darzustellen, ohne dabei im strengen Sinne einen historischen oder politischen Film zu drehen. Die Parallelisierung der Handlungsstränge und die ähnliche ästhetische Gestaltung beider Welten stellt dennoch einen Bezug zwischen Realität und Traumwelt dar. Der Kampf zwischen Republikanern und Franquisten dient jedoch nur als Folie, vor der Del Toro seine Parabel inszeniert. Er erzählt weniger vom Faschismus, als von dessen Schrecken, davon, wie er die Menschen entmenschlicht, wie er selbst die Unschuldigkeit eines Kindes zerstört.
| FAZIT
Fantasy-Parabel über die Grausamkeiten des Faschismus und die erlösende Kraft kindlicher Imagination, der durch visuelle Brillanz besticht und durch seine historischen Bezüge nicht nur Liebhaber von Fantasy-Filmen anspricht. Die beiden Ebenen des Films stehen jedoch streckenweise seltsam unverbunden nebeneinander.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung