Thriller,
Abenteuer,
Drama
| Deutschland / USA 2006
| INHALTSANGABE
Sierra Leone, 1999: Es herrscht Bürgerkrieg. Die Rebellen überfallen massakrierend Dörfer und rekrutieren zwangsweise Arbeiter für den Diamantenabbau – mit diesen „blutigen Diamanten“ finanzieren sie ihren Krieg gegen die Regierung und gegen die Bevölkerung.
Einer der Zwangsarbeiter im Diamantenfeld ist Solomon Vandi, und er findet einen großen, kostbaren Diamanten, den er heimlich versteckt.
Dieser Fund kommt dem Abenteurer, Diamantenschmuggler und Waffenhändler Danny Archer zu Ohren, und er geht mit Solomon einen Deal ein: Der führt ihn zum Diamanten, und er hilft ihm dabei, seine Familie zu finden, die irgendwo im Millionenheer der Flüchtlinge untergegangen ist. Danny und Solomon brauchen dabei die Unterstützung der Journalistin Maddy Bowen, die Verbindungen hat in die Flüchtlingslager. Danny soll ihr dafür Informationen über das Netzwerk geben, das die Blutdiamanten den Juweliergeschäften und damit den westlichen Konsumenten zuführt.
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| FILMKRITIK
Regierungstruppen und Rebellen im Bürgerkrieg, Diamantenschmuggler und Waffenhändler, internationale Konzerne und Flüchtlingslager: In diesem Feld entwickelt sich die Geschichte von Solomon Vandi, der seine Familie sucht, von Danny Archer, der das Versteck eines außergewöhnlichen Diamanten sucht, von Maddy Bowen, die die Hintergründe des Diamanten-Bürgerkrieges in Sierra Leone sucht. Engagiert und kritisch ist dieser Film, der mitten hineingeht in einen blutigen Konflikt, innerhalb dessen er seine Abenteuergeschichte erzählt.
Es geht um Geld, natürlich, es geht um Waffen, um Macht, um Geschäftsinteressen. Und es geht auch darum, dass diese explosive Mischung kaum je entschärft werden kann. Leonardo DiCaprio als Danny Archer, ein Soldier of Fortune, ein Hansdampf in allen afrikanischen Gassen, verkörpert diesen unlösbaren Konflikt in der Undurchschaubarkeit seines Charakters, in der Unberechenbarkeit seines Handelns. Djimon Hounsou als Solomon Vandi, der um das Geheimnsi eines äußerst kostbaren Diamanten weiß, ist ganz afrikanische Unschuld, ein verlorener Vater, der in einer Wunschwelt lebt und nun Hinterhältigkeit und Brutalität kennenlernt. Und Jennifer Connelly als Maddy Bowen ist eine hilflose Journalistin, die weiß, dass ihre Geschichten aus dem Krieg nichts ändern werden. Eine Position, in der sich auch „Blood Diamond“ befindet, der stets das westliche Konsumverhalten anprangert mit seiner Nachfrage nach billigen Diamanten, der zugleich zeigt, in welchem Grade die Konflikte in Sierra Leone hausgemacht sind.
Das ist eine Ambivalenz, der der Film nicht entkommen kann, ja, auf die er zusteuert: Denn eine einfache Lösung für die widerstrebenden Machtinteressen der Stammeskämpfe, der industriellen Ausbeutung, der hilflosen UNO, der aufgepeitschten blutdurstigen Milizen und der profitgierigen Geschäftemacher kann es nicht geben. Edward Zwick erzählt seinen „Blood Diamond“ in der Maske eines Hollywood-Abenteuerthrillers, mit Stars in den Hauptrollen, mit Vater-Sohn-Konflikt und angedeuteter Liebesgeschichte, mit Personalisierung des Konflikts, wenn Solomons Widersacher, eine einäugiger Rebellenführer, dessen Sohn zum Kindersoldaten ausbildet, mit der Jagd nach einem rosaroten Diamanten, auch mit der Ikonographie klassischer Kriegsfilme.
Diese Mittel geben dem Film den Gestus leichter Konsumierbarkeit, wo sich die Beschreibung unsagbarer Verhältnisse gegen jeglichen Kinopopcornkonsum sperrt. Die Mittel filmischer Fiktion treffen auf den Anspruch auf Authentizität, auf den Hintergrund realer Ereignisse: Der vordergründige Plot und der Realismus des Hintergrunds stehen im Widerstreit, gegensätzliche Pole, die Zwicks Film miteinander verbindet, kurzschließt.
Denn die Ambivalenz des Films ist letztendlich die Ambivalenz des afrikanischen Problems, der auf dem Überstülpen westlicher, langsam gewachsener Normen und Werte über eine andersartige, durch Kolonialismus zerbrochene Traditionskultur beruht. Darüber journalistisch zu berichten, wie es Maddy Bowen tut, darüber einen Film wie „Blood Diamond“ zu machen, dabei vielleicht auch einmal einen naiven Blick zu riskieren, ohne allzu vereinfachen zu werden: Das kann nichts ändern, aber es kann das Bewusstsein schärfen, vielleicht über die 2 ½ Stunden des Films hinaus.
| FAZIT
Eward Zwick verbindet das Aufklären über den Diamantenkrieg an der Westküste Afrikas in den späten 90ern mit einem Genreplot, ohne in die üblichen Klischees zu fallen, und beschreibt die Komplexität eines Bürgerkrieges, der stellvertretend steht für viele blutige Kriege in Afrika.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung