Nach den Wahlen 1997 bekommt die Queen einen neuen Premierminister: Tony Blair. Scheinbar unbewegt nimmt die Queen ihren neuen Premier in Empfang und führt ihn in sein neues Amt ein. Noch wirkt Tony Blair mit den Gebräuchen des britischen Königshauses unvertraut und etwas unbeholfen. Doch schon bald sind sein Talent im diplomatischen Umgang mit der Queen und dem Königshaus gefordert.
Überschattet wird Blairs Antritt von dem Tod Lady Dianas in Paris. Während die Königsfamilie auf ihrem Landsitz verweilt, beginnen in London Menschen Blumen vor dem Palast nieder zu legen. Als sich die Queen nicht öffentlich äußert, steigert sich der Unmut im britischen Volk. Die Presse tut ein Übriges und klagt in großen Schlagzeilen das Königshaus an. Umfragen und Statistiken stellen die gesamt Monarchie in Frage.
Tony Blair versucht, das Schlimmste abzuwenden, und überzeugt die Queen davon, in London die Flagge auf dem Schloss auf Halbmast zu hissen. Zudem soll die Beerdingung Dianas öffentlich stattfinden. Die Queen zieht eine „stille Trauer“ vor. Sie möchte die jungen Prinzen Harry und William vor der Presse schützen, weshalb die Royals in ihrem Landsitz lieber der Jagd nachgehen, statt sich in die Öffentlichkeit zu begeben. Doch nur, indem sie sich an das Volk wendet, kann die Queen jetzt noch ihr Image glätten.
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| FILMKRITIK
Die Erinnerungen an die Ereignisse um Lady Dianas Tod sind noch frisch als Stephen Frears einen Film über die Zeit ihres Todes macht. Frears spekuliert in „The Queen“ darüber, was hinter Kulissen des Königshauses abgelaufen sein könnte. Durch eine Beimischung dokumentarischen Materials gewinnt der Film einen Hauch von Authentizität. Zudem überzeugen die Hauptdarsteller Helen Mirren als Queen Elizabeth II und Michael Sheen als Tony Blair. Mirren und Sheen verkörpern ihre Figuren wohl noch idealtypischer, als es die Queen und Blair im wahren Leben sind. Jede Bewegung der Queen ist würdevoll und majestätisch. Beim Weinen sehen wir ihre Majestät nur von hinten und selbst als sie nach einem Autounfall flucht, hält sie sich an ein vornehmes „Verflixt. So ein Pech“.
Tony Blair hingegen ist ein nervöser, aber idealistischer Labour-Premierminister mit Bilderbuchcharakter. Mit Bravour schafft er es, auch in angespannten Zeiten Familienangelegenheiten und Politik unter einen Hut zu bekommen. Mit seiner Frau führt er auf dem Sofa politische Diskussionen und weist ihre harsche Ablehnung des Königshauses zurück, mit seinen Kindern isst er Fischstäbchen.
Stephen Frears inszeniert einen der versöhnlichsten politischen Filme dieser Zeit. Sowohl Parlament als auch Monarchie tun hier das, was sie tun müssen. Wir beginnen, das Verhalten der Monarchin zu verstehen. Schließlich wurde sie in ihren Posten hineingeboren ... wer kann es sich schon aussuchen, Königin zu werden? Blair hingegen – im Kontrast – ist der nette, aufstrebende Familienvater von nebenan.
Durch ein hohes Maß an Fiktion gewinnt „The Queen“ zwar eine menschliche Komponente und lässt heute oft angegriffene Persönlichkeiten wie Blair in einem angenehmen Licht scheinen, der Film verliert aber jeglichen Blick auf die Realität. Mit britischem Understatement üben sich sowohl die Queen als auch Blair in großer Bescheidenheit. Jeder Londoner Anwalt wird wahrscheinlich schöner Wohnen, als Tony Blair im Film. Und auch die königlichen Palastanlagen strahlen nur wenig Glanz aus. Die Mächtigen werden hier in ein banalisiertes Umfeld gesetzt, damit wir uns besser mit ihnen identifizieren. Die Vielschichtigkeit politischer Prozesse wird auf wenige Entscheidungen reduziert. Die Macht bedeutender Figuren der Weltgeschichte tritt durch die schauspielerischen Darstellungen in den Hintergrund und „The Queen“ begibt sich auf eine Gratwanderung politischer Naivität.
Frears kann sich nicht entscheiden, ob er einen Polit-Thriller, eine Komödie oder ein biografisches Portrait verfilmen soll und endet in einer unterhaltsamen Soap, die sich meist auf dem Level der eigentlich kritisierten Regenbogenpresse hält. So trüb wie das britische Hochland im Nebel, bleiben dann auch die Bilder des Films. Ohne Glamour oder filmische Besonderheiten scheint sich selbst die Ästhetik an das Alltägliche zu binden. Was bleibt ist solide Unterhaltung, die niemandem weh tut.
| FAZIT
Grandiose Darsteller in einem durchschnittlichen Film. „The Queen“ sucht nach Menschlichem und verliert sich bald in Banalem.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung