Es ist der 4. Juni 1968. In Los Angeles im Ambassador Hotel bereitet man sich auf den Besuch von Senator Robert F. Kennedy vor. Sollte er an diesem Abend die kalifornischen Vorwahlen für sich entscheiden, wird er im Ballsaal seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl erklären. 22 Menschen, Hotelpersonal, Gäste, sowie die jungen Wahlkampfhelfer Kennedys, werden an diesem Tag in ihren privaten Erlebnissen begleitet. Die Personen dienen als Archetypen des Jahres 1968, das von kollektiver Aufbruchstimmung im Widerstand gegen Vietnamkrieg und Rassendiskriminierung geprägt war.
Der liberale, junge Senator Robert F. Kennedy symbolisierte nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 für viele die letzte Hoffnung auf friedlichen Wandel. Von den Schüssen, die Kennedy kurz nach Mitternacht am 5. Juni im Hotel trafen und denen er wenig später erlag, hat sich Amerika, so der Tenor des Films, bis heute nicht erholt.
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| FILMKRITIK
Zuerst eine Warnung: „Bobby – Sie alle hatten einen Traum“ von Regisseur und Drehbuchautor Emilio Estevez ist ein durch und durch patriotisches Rührstück, eine posthume Hommage an Robert F. Kennedy sozusagen aus dem Freundeskreis von Hinterbliebenen. Estevez ist der Sohn von Schauspieler Martin Sheen, der auch eine Rolle übernommen hat und der bis heute ein aktiver Unterstützer der Kennedy-Familie ist. Harry Belafonte spielt mit, ein naher Freund Martin Luther Kings, der die Kennedys persönlich kannte. Anthony Hopkins kann sich ebenfalls mühelos an den Juni 1968 erinnern und an seine Gedanken, als er von dem Attentat hörte.
Nostalgisch gefärbte Zeitaufnahmen der Auftritte Kennedys und seiner Reden werden eingestreut, ebenso Bilder von toten Vietnamsoldaten. Estevez setzt eine eigenwillige Regieentscheidung erfolgreich um: Er verzichtet auf die Darstellung von Robert F. Kennedy durch einen Schauspieler, sondern lässt den Senator als er selbst im gesamten Film zur wiederkehrenden Hauptperson werden. Man meint bei diesen Doku-Aufnahmen den lauen Wind jener Aufbruchstimmung förmlich zu spüren.
Das fragile Umwälzungsjahr 1968 mit seinen großen Hoffnungen, seinen ermordeten Symbolfiguren und den vielen toten Vietnamsoldaten, daran erinnert dieser Film sehr genau, war identitätsbildend für die amerikanische Gesellschaft. Aus seiner jugendlichen Energie, appelliert Estevez mit seiner prominenten Gesinnungsbesetzung, könnte Amerika heute gewinnbringend schöpfen.
Lindsay Lohan überzeugt als junge Braut, die ihren Schulfreund, gespielt von Elijah Wood, mit einer Heirat vor dem Vietnamkrieg retten will. Sharon Stone brilliert in ihrer Rolle der Stylistin und intimen Gesprächspartnerin im hoteleigenen Beautysalon. Demi Moore zelebriert die alkoholbedingte Enthemmung einer alternden Sängerin, Helen Hunt gibt die glamoursüchtige Ehegattin des Börsenmaklers, gespielt von Martin Sheen. Die beiden rastlosen Rentner, die Hopkins und Belafonte darstellen, spielen Schach bei weisen Gesprächen.
Ein rassistischer Manager wird gefeuert, weil er das mexikanische Küchenpersonal schikaniert, man hört Simon & Garfunkel. Zwei blutjunge Wahlkampfhelfer lassen sich von einem Dealerhippie LSD aufschwatzen. Herrlich, wie sie fortan in kurzen Einschnipseln durch die Handlung delirieren. Eine Unschuld wird in all diesen Figuren sichtbar, die im Rückblick gleichermaßen auf Neugier und Naivität zu gründen scheint. Wenn ein Film diese Atmosphäre von 1968 so schön wieder aufleben lässt wie hier, vermisst man die tiefere Stringenz nicht wirklich. Die fiktiven 22 Figuren sind ja letztlich beliebig zusammengewürfelt und mit dem politischen Ereignis des Tages nur lose verknüpft.
| FAZIT
Der Tag, bevor Robert F. Kennedy erschossen wurde: Hemmungslos verklärende, aber gelungene Hommage an die Aufbruchstimmung im Amerika des Jahres 1968.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung