Dass der Dorfler die Viererbob-WM gewonnen hat, das fuchst den Gamser. Also steigt er nach 16 Jahren wieder in den Bob und gewinnt die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 1952 in Oslo. Dort will er den Dorfler, seinen Erzfeind, endgültig schlagen – aber der ist halt auch ein guter Bobfahrer, und die Schweizer und die US-Boys sind auch nicht von Pappe. Nebenbei müssen zur Reisefinanzierung auch noch norwegische Pornos geschmuggelt werden, und die eifersüchtige Ehefrau von einem der Bobfahrer kommt auch noch in Oslo an. Und vor allem müssen für den Sieg die beiden verfeindeten deutschen Teams miteinander versöhnt werden.
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| FILMKRITIK
„Es gibt Leut, die können sich leiden. Die sind mitnand im Trachtenverein und machen Geschäfte miteinander. Dann gibt’s die, die sich net leiden können, die sind im Schützenverein und machen auch Gschäfte mitnand, wenn’s sein muss. Und dann gibt’s den Gamser und mi.“ Das erklärt der Dorfler seiner Frau, denn seit ihrer Kindheit verbindet ihn, den reichen Brauereibesitzer, und den armen Schreiner eine herzliche Feindschaft.
Als der Dorfler Weltmeister im Viererbob wird und damit seine Fahrkarte zu Olympia 1952 in Oslo gezogen hat, ist das Anlass genug für den Gamser, seine alten Kumpels zusammenzutrommeln und kurzerhand die deutsche Olympiaqualifikation zu gewinnen, um auch in Oslo dabeizusein – er will halt mit dem Dorfler schlittenfahren und ihn bei Olympia schlagen.
Was Marcus H. Rosenmüller nach „Wer früher stirbt, ist länger tot“ präsentiert, ist einer dieser Sportfilme vom Außenseiter, der sich anstrengt und dann Erfolg hat – und einer dieser deutschen Auferstanden-aus-Ruinen-Filme, die davon erzählen, wie nach der Stunde Null 1945 sich die Bundesrepublik wieder aufgerichtet hat – und bayrisches Volkstheater von Lokalrivalität und Freundschaft. Mit verschiedenen Ebenen jonglieren, das kann Rosenmüller an sich, sein Erfolgsfilm vom letzten Jahr hat das bewiesen. Waren in „Wer früher stirbt…“ die Angst eines Kindes vor dem Tod, eine Liebesgeschichte, Laientheater und absurd sprühender Witz aufs glücklichste miteinander verbunden, will die Mischung in „Schwere Jungs“ nicht gelingen.
Das liegt daran, dass der Film allzu sehr der Oberfläche verhaftet bleibt und dem Klischee und den Topoi seiner Vorbilder – und dass das Drehbuch alles andere als inspiriert wirkt. Da wird für jede Figur eine Nebenhandlung angedichtet, die sich bei den Komödien der 50er ebenso bedienen wie beim Bauerntheaterschwank – da ist die grantige Ehefrau, die Feindschaft zwischen dem Armen und dem Reichen, ein Bruderzwist, der in einem Wettessen mit anschließenden Problemen beim Scheißen gipfelt, eine Verwechslungsposse zwischen einem wohlsituierten norwegischen Ehepaar und Rotlichmilieu-Gangstern, und der Sportfunktionär, gewohnt grimassierend von Bastian Pastewka dargestellt, hält die deutschen Viererbobmannschaften für schwul, hihi. Das ist punktuell komisch – im Ganzen aber doch vor allem eine Anbiederung ans Bully- und Sieben Zwerge-Publikum, die gleichzeitig stets den Anspruch aufrechterhält, eine „wahre Geschichte“ zu erzählen.
Tatsächlich waren bei Olympia 1952 die deutschen Viererbobs die überraschenden Goldmedaillengewinner. Rosenmüller verwurzelt dieses deutsche identitätsstiftende Ereignis, wie das Wunder von Bern Teil des bundesrepublikanischen Gründungsmythos, in einer privaten Geschichte von Feindschaft und Rivalität. So wie der Kleinkrieg zwischen dem Gamser und dem Dorfler sich im olympischen Erfolg auflöst, so lösten sich die Verspannungen der Deutschen nach dem Dritten Reich in Oslo 52 und Bern 54 – sportliche Erfolge als Kompensation tief empfundener Schuld und Scham. Doch diese volkspsychologische Geschichtsklitterung ist dem Film nicht bewusst, er blendet die „dunklen Jahre“ vor 1945 schlichtweg aus und schwelgt ganz unbedarft im Erfolg. Und er schwärmt naiv von den guten alten Zeiten in den 50ern, als der Sport – so wird suggeriert – noch sauber war, sauberer als das Gewissen der meisten Deutschen, als jeder mitmachen und gewinnen konnte, als sportliche Großereignisse noch gänzlich unschuldig, uneingeschränkt gemeinschaftsstiftend, noch nicht von Bestechungs- und Dopingskandalen oder von Sponsorenoverkill überschattet waren.
| FAZIT
„Cool Runnings“ trifft „Das Wunder von Bern“, dazu ein bisschen Volksschwank.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung