Donnerstag | 31. Mai 2012 | 13:48 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Reviewübersicht > Reviewdetails
  • FILM REVIEW | Shaun of the Dead
  • Shaun of the Dead

    Horror, Komödie | Großbritannien 2004
  • | INHALTSANGABE

  • Shaun, ein planloser End-Zwanziger, dessen Leben von Bier, Computerspielen und langweiliger Arbeit geprägt ist hat ein Problem. Seine Freundin Liz hat ihn verlassen. Neben dieser Tragödie verblasst die Umwelt um ihn herum und erst sehr spät werden ihm und seinem Mitbewohner Ed klar, daß dieses Beziehungsproblem nicht die einzige aktuelle Katastrophe ist. Denn ganz nebenbei hat sich die Stadt in der sie leben mit Untoten bevölkert, die ihnen auf den Leib rücken und an ihnen knabbern wollen. Jetzt ist es an Shaun, seine Mutter und seine Ex-Freundin zu retten. Mit im Schlepptau hat er Freund Ed und das nervige Mitbewohnerpärchen von Liz. Gemeinsam verbarrikadieren sie sich im Pub Winchester, wo sie sehr bald von Zombie-Horden belagert werden. Einzige Waffe sind ein paar Queues und eine Winchester. Zwar kann keiner von ihnen richtig schießen und auch sonst fehlen ihnen gute Ideen, doch so richtig problematisch wird es erst, als sich innerhalb der Gruppe auch noch ein Eifersuchtsdrama anbahnt.
    WERBUNG
      • | FILMKRITIK

      • Das Wort „Zombie“ ist im Film streng verboten. Denn das klingt „dämlich“. Im Folgenden werde ich dieses Wörtchen dennoch verwenden, denn schließlich handelt es sich bei den dümmlich dreinblickenden, teilweise eindeutig toten Personen zumindest in einigen Fällen um genau diese: Zombies. Ist der Verwesungszustand noch nicht eingetreten kann es jedoch durchaus sein, daß man Shaun oder seinen Mitbewohner Ed vor sich hat. Die sind noch nicht tot, agieren aber im Rhythmus der Müdigkeit und Langeweile ähnlich lahm und untot wie ihre späteren fleischfressenden Kontrahenten. Besonders zu Beginn kann man im Film Menschen beobachten, die ihren Alltag meistern und – bestückt mit Kaugummi, Walkman und Handy – lebendig, aber lahm wie Zombies durch die Welt wanken. Zugegeben eine besonders gelungen-amüsante Darstellung der heutigen gelangweilten Konsumgesellschaft.

        Auch die Blindheit mit der Shaun zu Beginn des Films durch diese Welt latscht ist beeindruckend. Absurd-komische Ereignisse häufen sich, ohne daß er sich darüber wundern würde. Denn in seiner kleinen Welt, bestehend aus zugemüllter Wohnung, langweiligem Arbeitsplatz, Kiosk und dem Pub Winchester, benehmen sich die Leute auch im Zombie-Zustand nicht viel anders, als sie es vorher schon taten. Da fällt dann eben mal eine Frau an der Bushaltestelle tot um und ein Penner fängt sich eine Taube, um sie genüsslich zu verspeisen. Würde Shaun die Nachrichten im Fernsehen verfolgen oder mal in eine Zeitung schauen, dann wüßte er wohl ebenso wie der Zuschauer, daß eine Supergrippe graviert und Zombies Jagd auf die noch Lebenden machen. Aber Nachrichtensendungen sind langweilig, da schaltet Shaun lieber um, was zur Folge hat, daß dem Zuschauer eine gelungene Zapping-Collage präsentiert wird.

        Daß die Macher dieses Films ihr Handwerk tatsächlich verstehen, sieht man unter anderem an der gelungenen Plansequenz, in der Shaun – mit den eigenen Problemen beschäftigt und blind für die Welt um ihn herum – an Leichen, umgekippten Einkaufswägen und zerstörten Autos vorbeigeht, blutige Handabdrücke übersieht und sich nichts dabei denkt, wenn er in einer Blutlache ausrutscht.

        Irgendwann haben es aber sogar Shaun und Ed kapiert, daß da etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist. „Irgendwas mit Sirene“ soll Abhilfe schaffen, aber Hilfe ist fern. „Kopf entfernen, Gehirn zerstören“ ist die Anweisung, die ihnen zumindest der Nachrichtensprecher liefern kann. Mit Kerzenleuchtern und Plastik-Wäschekörben können sie nicht viel ausrichten und auch die Plattensammlung will gut überlegt nach geeigneten Wurfgeschossen durchforstet werden. Schließlich sind es Sammlerstücke. Die will man nicht alle im Hirn eines Zombies wissen.

        Besonders in diesem ersten Teil des Films finden sich zahlreiche gelungene Gags und parodistische Seitenhiebe auf vergangene Zombiefilme wie etwa „Dawn of the Dead“ oder „Night of the living Dead“. Daneben kann man technische Rafinessen bewundern wie beispielsweise die rasante Schnittsequenz á la „Snatch“, in dem es jedoch um profanere Dinge geht als die schnelle Reise mit dem Jet von Europa in die Staaten zwecks Diamantendeal: Hier wird Shauns Gang zum Klo und das Schmieren eines Toasts beschleunigt.

        War es in „Dawn of the Dead“ die Shopping Mall, verbarrikadiert sich das Grüppchen hier in einem Pub. Dort werden sie, strikt nach den Regeln des Zombie-Genres, sehr bald von Horden blutgieriger Menschenfresser belagert. Die Chance, aus dieser Misere zu entkommen wandert stetig gegen Null, besonders unterstützt durch die Umstände, daß ihnen keine guten Ideen einfallen und sie mit dem vorhandenen Gewehr nicht wirklich umgehen können. Das Vernichten der Zombies gerät dann auch schnell mal zu einer Aerobic-Übung. Queen spielt begleitetend „Can´t stop me now“, was den Zombies genauso zu gefallen scheint wie der Gruppe ihrer Opfer.

        Dieser zweite Teil des Films gerät leider stellenweise zu langatmig. Außerdem, so scheint es, wollte der Regisseur nun doch keine reine Parodie, sondern tatsächlich auch einen ernsten Film drehen. Diese inkonsequente Mischung verdirbt ein wenig den guten Eindruck des durchweg sympathischen ersten Teils des Films.

        „Shaun of the Dead“ ist gleichermaßen Splatterkomödie und Romanze. Es geht um Liebe, Freundschaft, Lebensentwürfe, Gesellschaftskritik und eben Zombies. Dabei kommt auch der mittlerweile legendäre „typisch“ englische Humor nicht zu kurz. Einen ganz besonderen Einfall haben sich die Macher des Films schließlich für den Schluß einfallen lassen. Das sei hier jedoch noch nicht verraten, dafür muß man dann doch ins Kino gehen.
      • | FAZIT

      • Gelungene Zombie-Romanzen-Komödie mit guten Einfällen und Unterhaltungswert
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Anke Hermann

      • | Userwertung

      Wertung: 8.3/10 (3 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN