Schüler der Abschlussklasse an der Rudolf-Steiner-Schule Wetzikon bei Zürich proben für eine Choraufführung von Mozarts Requiem. Während der sechswöchigen Proben kommen sie zu Wort mit ihrer Weltanschauung und den Gedanken über die Zukunft. Bilder aus ihrer Freizeit wechseln ab mit Szenen aus den Proben, dem Schulalltag und den Kommentaren des Chorleiters über den Sinn seiner Arbeit.
WERBUNG
| FILMKRITIK
„Zum Abschied Mozart“ ist ein dokumentarisches Plädoyer für eine musikalische Bildung Jugendlicher, darüber hinaus aber auch ein Insiderbericht aus einer Waldorfschule. Der Schweizer Filmemacher Christian Labhart unterrichtet selbst an der Steinerschule in Wetzikon und hatte eine Tochter in der Abschlussklasse, aus der er drei Jugendliche porträtiert. Trotz solcher Einschränkungen der Objektivität gibt das insgesamt harmlose Filmchen über die letzten Wochen an einer Schule einige interessante Anstöße zur Bildungsdiskussion.
Dass Singen und Musizieren Jugendlichen eine neue Lebensperspektive und Selbstvertrauen eröffnen kann, weiß man inzwischen durch solch lobenswerte Beiträge wie „Die Kinder des Monsieur Mathieu“. Man muss deshalb auch kein Freund der Mozartschen Musik sein oder der Waldorfpädagogik anhängen, um die Art und Weise, wie der Chorleiter Thomas Gmelin über seine Schüler spricht, zu schätzen. Er lobt immer wieder das Engagement seiner Sänger, ihre Eigeninitiative, ihre Bereitschaft, die eigene Befindlichkeit zugunsten der gemeinsamen Sache in den Hintergrund zu stellen.
Diese respektvolle Haltung hebt sich wohltuend ab von den üblichen Klagen über disziplinlose Schüler, über zu geringe Arbeitsmoral, mit denen staatliche Schulen und ihr Personal die ernüchternden PISA-Studienergebnisse in Deutschland gerne kontern. Dieser Chorleiter nimmt seine Sänger ernst und sieht sich mit seiner jährlichen Probearbeit auch weniger als Pädagoge, sondern als Beteiligter an einem Kunstprojekt. Nicht sture Leistung und Drill bestimmen die Proben, sondern das Erleben der eigenen Motivation, als Teil des Chors sein Bestes beizutragen.
Labhart schneidet solche Szenen gegen die Berichte der Jugendlichen über ihr Leben und ihre Ansichten, mit denen sie sich wohl kaum von anderen ihrer Altersgruppe unterscheiden. Der eine liebt Sport, die andere Musik, manche kiffen und trinken, gehen gerne auf Partys. Sie freuen sich auf die große Freiheit nach den behüteten Schuljahren, haben aber auch ein bisschen Angst davor. Eher ungewöhnlich bleibt hingegen der Wunsch von Wanja, die kurz nach ihrer Geburt aus Sri Lanka in die Schweiz kam, eine Revolution gegen das Wohlstandsgefälle zu machen.
Nicht nur die Proben zu dem für junge Leute so ungewöhnlichen Musikstück, auch die Abschlussarbeiten in der zwölften Klasse machen nachdenklich, ob mehr ganzheitliche Bildung nicht allen Schulen gut täte. Einer stellt seine Kollektion selbst entworfener und genähter Mützen vor, Wanja wiederum berichtet von ihrer Korrespondenz mit einem Gefangenen in der Todeszelle. Wenn ein Mädchen berichtet, dass man beim Singen im Chor nicht cool bleiben kann, sondern sich emotional öffnen muss, oder wenn man sieht, mit welcher Begeisterung ein Schüler im Gespräch mit Behinderten in einer Werkstatt ist, kommt man schon zu der von Labhart nahe gelegten Überzeugung, dass solche Beschäftigungen jenseits von sturem Pauken ein gutes Rüstzeug für das Erwachsenenleben sind.
| FAZIT
Schweizer Waldorfschüler der Abschlussklasse proben als Chor das Requiem von Mozart und erfahren, dass Kunst harte Arbeit ist.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung