Der kleine Hannibal Lecter wächst zusammen mit seiner kleinen Schwester Mischa auf einem Schloss mitten im tiefen Wald von Litauen auf. Es ist eine Kindheit irgendwann in den Vierziger Jahren, denn ein Teil der Ostfront befindet sich gerade hier. Deutsche und Russen kämpfen in den Wäldern.
Hannibals Familie flieht tiefer in den Wald, zu ihrer Jagdhütte. Dort werden sie aber von deutschen Flugzeugen ausgemacht, ein russischer Panzer verrät ihre Anwesenheit. Die Eltern der Kinder und die Soldaten kommen um und bleiben als zugeschneite Menschenberge vor der Tür liegen. Die russischen Soldaten waren aber nicht die letzen Besucher die sich zu der Hütte verirren - und diese haben Hunger. Was in der Hütte passiert ist für Hannibals weiteres Leben bezeichnend.
Nach einigen schrecklichen Jahren in einem Kinderheim flieht er nach Paris wo die Witwe seines Onkels – eine schöne Japanerin - lebt. Dort beginnt die Erinnerung an jene eiskalte Nacht zu erwachen und an die Besucher von damals.
WERBUNG
| FILMKRITIK
Ein Mann wie Hannibal Lecter war auch einmal ein Kind. Und dieses Kind muss irgendetwas erlebt haben, was ihn zu dem machte, was er später ist – ein Kannibale.
Der Film geht der alten Frage nach, wie ein Mensch zu einem Mörder, oder hier zu noch schlimmerem, werden kann. Ganz psychoanalytisch wird die Ursache in der Kindheit gefunden und als Lecters Backstorywound eingeführt.
„Hannibal Rising“ ist ein eigenständiger Film, der zwar Referenzen zu den nachfolgenden Teilen hat, aber nicht platt irgendwelche Verbindungen zitiert um sich an die Vorgänger anzubiedern. Er ist wesentlich physischer angelegt, weniger psychologisch, was ihn so stark von „Das Schweigen der Lämmer“ unterscheidet. Und das ist vielleicht das einzige, was man ihm ankreiden könnte, dass er zu sehr auf das Zeigen von Grausamkeiten setzt.
Was bei gerade erwähntem Film gemacht wurde, nämlich Lecter nie „bei der Arbeit“ zu zeigen, stets nur die Ergebnisse seiner Grausamkeit, das wird hier sozusagen nachgeholt.
Die Männer, die Hannibal das Letzte nahmen, was er hatte, sucht er auf, wenn er erwachsen ist. Nach dem Dezimierungsprinzip eines bekannten Kinderliedes verfolgt Hannibal sein nun einziges Ansinnen. Sogar seine Tante, die anfangs noch auf seiner Seite steht, auch ihr passierte während des Krieges Schreckliches, wendet sich von ihm ab.
Regisseur Peter Webber ordnet die verschiedensten Genres nebeneinander. Kriegsfilm-, Horrorfilm-, Thriller- und sogar Samuraifilmelemente lassen sich finden. Es ist, als ob all jene angeführt werden, um die unglaubliche Abgründigkeit Lecters plausibel machen zu können. Als ob ein Genre nicht reiche um dieser komplexen Figur gerecht zu werden.
Der Film ist unglaublich atmosphärisch. Er changiert irgendwo zwischen der Stimmung in einigen Dracula-Verfilmungen und etwas vollkommen eigenständigem.
Fiebrig und düster sind die dunklen Wälder Litauens und das Schloss zu Beginn, das zivilisierte Paris scheint nur von verzweifelten Menschen, die den Krieg (verständlicherweise) noch nicht verwunden haben oder von ihm gebrandmarkt sind, angefüllt zu sein. In diesem Paris wird der Hannibal geboren, wie wir ihn kennen: kultiviert, gebildet und unglaublich grausam.
| FAZIT
Bombastisches Prequel zu den Hannibal-Filmen, das der Frage nachgeht, wie dieser Mensch zu dem wurde was er ist. Mit genügend Ekeleffekten, die das plausibel machen.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung