Mittwoch | 30. Mai 2012 | 02:49 Uhr
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  • FILM REVIEW | Home of the Brave
  • Home of the Brave

    Drama, Kriegsfilm | USA 2006
  • | INHALTSANGABE

  • Kurz vor Bagdad: Bei einem Hilfsgütertransport gerät eine Fahrzeugkolonne der US-Army in einen Hinterhalt. In den labyrinthartigen Straßen gibt es kaum ein Entkommen. Es kommt zum offenen Kampf in den Straßen und Häusern. Jamal erschießt dabei in Panik eine verschleierte Frau, Tommy sieht seinen besten Freund sterben und Vanessas Fahrzeug wird von einer Bombe in die Luft gejagt. Will, der begleitende Arzt versucht der unter Schock stehenden Frau zu helfen. Sie hat einen Teil ihrer Hand verloren, ihr Nebensitzer wurde zerfetzt. Viele andere kommen um.

    Gerade die Einheit, der diese Menschen angehörten, sollte wenige Tage später nach Hause geschickt werden. Das werden sie dann auch, aber alle haben sie mit Verlusten und Traumata zu kämpfen. Die einen haben Gliedmaßen verloren, Verletzungen oder sind einfach von den psychischen Belastungen, die der Krieg mit sich brachte, stark beschädigt.
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      • | FILMKRITIK

      • Der Irakkrieg tobt seit nunmehr fast vier Jahren und die Kritik an ihm hat sich mittlerweile sogar bis in Teile der US-Regierung ausgebreitet. Vergleiche, zum für die USA so traumatisch verlorenen Vietnamkrieg, kommen schon seit längerem auf. Während diesem wurden praktisch keine Filme über den Krieg und nur kaum bekannte Independentproduktionen hergestellt, die das Schicksal der Heimkehrer beleuchteten, was die Verdrängung in der US-Gesellschaft widerspiegelte. Die Filmemacher von „Home of the Brave“ haben daraus gelernt und stellen ihren Film noch während des andauernden Kriegs vor.

        In diesem Film werden die Soldaten als verletzlich gezeigt, als sterblich. Sie werden aber auch als Helden gezeigt. In Slowmotion stirbt Jordan den bekannten Heldentod, auch wenn diese Haltung immer wieder in Frage gestellt wird. Den Zuschauern wird nicht platt ein Held serviert. In einem Gespräch Tommys mit der Ehefrau des Toten fragt sie, ob ihr Gatte ein Held war, der kann das so einfach nicht beantworten. Er beschreibt, was dieser getan hat, dass er Orden bekam, die viele gewollt hätten, aber er sagt nicht einfach „Ja“.

        Die Rückkehr scheint den vier ehemaligen Kämpfern öde, oberflächlich und lächerlich. Die normalen Gespräche beim Barbecue sind sinnentleert für jemanden, der Menschen beim Sterben zusehen musste. Will sagt, er erinnere sich an nichts, es sei alles wie ein Traum. Um diesem Traum, diesem Alptraum zu entfliehen nehmen Tommy und Vanessa jede Menge Tabletten. Alle vier leiden sie unter verschiedenen Folgen des Krieges: Jamal wird unglaublich aggressiv, Will dreht eines Tages durch und Tommy und Vanessa sind depressiv.

        Laut einer Studie leidet offenbar jeder vierte Veteran des Irakkriegs unter physischen oder psychischen Störungen. Das will Regisseur Irwin Winkler zeigen. Diese Schicksale beschreibt er.

        In klaren Bildern werden die physischen Beschädigungen der Soldaten zu Beginn gezeigt, zurück in Amerika sind diese verdeckt und die mentalen Probleme kommen an die Oberfläche. Dieser Kontrast ist gut inszeniert.

        Jessica Biel, die die Vanessa spielt, wird physisch entstellt und dieses Zerstören von Schönheit wirkt besonders drastisch. Eine Frau, die verstümmelt wird, auch wenn ihr Gesicht unberührt bleibt, ist ein ungewohnter Anblick im Kino, besonders im Kriegskino. Im realen Krieg ist jeder siebte Soldat eine Frau, ihr Schicksal also keine Fiction.

        Der Film ist komplett aus amerikanischer Perspektive erzählt und beleuchtet die Folgen des Krieges für deren Soldaten. Am Rand wird etwas über die irakische Zivilbevölkerung erzählt, die bei einem solchen Hinterhalt, in den die Einheit gerät, dazwischen geraten kann. Plakativ aber wirkungsvoll wird ein kleiner Junge gezeigt, der kaum weiß, wie ihm geschieht, als die Kugeln fliegen.

        Aber der Film erzählt sein Anliegen nicht mit einer feindlichen Gesinnung den Irakis gegenüber, es geht einfach darum, den Veteranen eine Identifikationsfläche zu bieten. Die Soldaten glauben an den Sinn ihrer Mission, den Irakis zu helfen. Dennoch propagiert der Film diese Haltung glücklicherweise nicht.

        Der Film lässt sich politisch und damit in seiner Aussage nicht festlegen. Die Soldaten von denen er erzählt, zeigt er ungeschönt ohne sie zu Bestien zu machen glorifiziert sie aber auch nicht pathetisch. Sie sind alle nicht gegen den Krieg, sie bleiben das was sie sind, Patrioten ihres Landes auch wenn sie mit ihrem Schicksal kämpfen.

        Dennoch installiert der Regisseur eine Figur, die als ein Sprachrohr gegen den Krieg funktioniert. Der Sohn von Will rebelliert, mitten in der Pubertät, im Grunde mehr gegen seinen Vater, als gegen den Krieg an sich. Dennoch ist dieser Figur Platz gelassen um immerhin in Diskussionen diese Meinung zu Gehör zu bringen.

        Der Film nimmt den Krieg als Faktum an, er bewertet ihn nicht. Er ist für die Perspektive der Soldaten gemacht. Er will ihnen zeigen, dass sie nicht alleine sind.
        Dennoch endet der Film mit einer Betonung auf der Figur, die in den Krieg zurückgeht. Tommy nämlich entschließt sich wieder zu kämpfen.

        Trotz einiger Versuche, eine emotionale Geschichte zu erzählen, hält sich der Regisseur mit solche Effekte erzeugenden Mitteln zurück. So entsteht ein Film, der sich erstaunlich viel Zeit lässt, die Figuren zu Wort kommen zu lassen und so authentische Schicksale auf die Leinwand zu bringen.
      • | FAZIT

      • Ein Film über die Folgen des Irakkriegs für die amerikanischen Soldaten, der in authentischen Bildern wirklich etwas über diese Schicksale zu erzählen hat.
        Ob er nötig ist oder nicht, der Krieg ist schrecklich, will er sagen.
      • | BEWERTUNG

      • Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung
      • Gesamtwertung:
      • Autor: Simone Polier

      • | Userwertung

      Wertung: 9.0/10 (3 votes)

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