Nach „Flags of our fathers“ präsentierte Clint Eastwood auf der gerade zu Ende gegangenen Berlinale den zweiten Teil seiner Filme über die Schlacht um den Mount Suribachi auf der strategisch wichtigen japanischen Insel Iwo Jima im Zweiten Weltkrieg. Konzentrierte sich der Regisseur in „Flags of our fathers“ auf die amerikanischen Soldaten, so schildert er in „Letters from Iwo Jima“ die Ereignisse aus japanischer Sicht. Auch auf dieser Seite finden sich junge, unbedarfte Soldaten, oft zwangsrekrutiert, die gar nicht in diesen Krieg ziehen wollten. Unter dem Kommando von General Kuribayashi leisten sie erbitterten Widerstand gegen die zahlenmäßig überlegenen Amerikaner. In Briefen an Verwandte und Freunde offenbaren sie ihre Gefühle, die zwischen heroischem Patriotismus, Verzweiflung und Überdruss schwanken.
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| FILMKRITIK
Unternahm Clint Eastwood in „Flags of our fathers“ zumindest noch den Versuch, sich mit dem Krieg und der damit zusammenhängenden PR-Maschinerie kritisch auseinanderzusetzen und die Entstehungsgeschichte des berühmten Fotos flagenhissender Soldaten auf Mount Suribachi zu entmythologisieren, so ist in „Letters from Iwo Jima“ von diesem kritischen Ansatz nicht mehr viel übrig geblieben. Waren im ersten Teil die Japaner eine gesichtslose Masse, sind es jetzt die amerikanischen Soldaten, die als anonyme Übermacht einer kleinen Gruppe japanischer Individuen gegenüberstehen. Die wiederum bieten jede Menge Identifikationspotential. Da gibt es den General Kuribayashi, der sich als einziger um das Wohl der ihm unterstellten Soldaten zu sorgen scheint. Selbst lange in den USA gewesen ist er eigentlich gegen den Krieg, unterstützt dann aber doch sein Vaterland in einer weder politisch noch militärisch sinnvollen Schlacht – das versteht Eastwood wohl unter wahrem Patriotismus. Oder Saigo, eigentlich Bäcker, der zwangsrekrutiert wurde und jetzt ums Überleben kämpft, damit er seine neugeborene Tochter sehen kann, und Baron Nishi, ehemaliger Gewinner der Olympischen Spiele im Springreiten, der nicht nur ein herausragender Sportler, sondern vor allem ein aufrichtiger Ehrenmann ist. Und schließlich der einzige „Böse“, Leutnant Ito, der die Soldaten zum Selbstmord zwingen will. Wenn die militärische Niederlage nicht mehr abzuwenden ist, dann will er wenigstens die Ehre retten.
Während der Regisseur den historischen Hintergrund weitgehend ausblendet und eine klare politische Aussage verweigert, indem er sich hauptsächlich auf Einzelschicksale konzentriert, so inszeniert er doch immer wieder monumentale, spektakuläre Schlachtszenen: Die japanische Armee überraschte die Angreifer bei der Schlacht um Iwo Jima mit ihrer ungewöhnlichen Kriegsführung und zögerte so die unvermeidliche Niederlage hinaus: In einem Wabensystem von knapp 5000 Höhlen, die durch rund 30 km Tunnel verbunden waren, konnten sich die Japaner relativ gefahrlos von einem Ort zum anderen bewegen und die amerikanische Armee aus dem Hinterhalt angreifen. Dunkel ist es in diesen Höhlen, nur flackernde Lampen werfen hin und wieder einen Lichtschein auf die Gesichter der Soldaten. Wie schon in „Flags from our fathers“ nutzt Eastwood entsättigte Farben und klare hell-dunkel-Kontraste, die den Filmbildern eine fast irreale, dem Thema aber gänzlich unangemessene Schönheit verleihen. Im Gegensatz zu Joseph Cedars Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „Beaufort“ über den Abzug der israelischen Armee aus dem Libanon, gelingt es Eastwood dabei nur selten, die Klaustrophobie, die Enge spürbar zu machen, die in dem unterirdischen Labyrinth herrscht. Zurück bleibt ein unentschiedener Film, der mehr sein will als nur ein großes Kriegspanorama, sich gleichzeitig aber scheut, das ganze Leiden der Soldaten zu zeigen, geschweige denn, politisch Stellung zu beziehen: Der Krieg wird aufgelöst in Einzelbilder und Einzelschicksale, die bei aller Grausamkeit aus dem Kontext gelöst ihre Relevanz verloren haben.
| FAZIT
Zweiter Teil von Clint Eastwoods Filmen über die Schlacht um die japanische Insel Iwo Jima, der nach „Flags of our fathers“ die japanische Perspektive schildert. In spektakulären Bildern, aber ohne den Mut, Stellung zu beziehen, inszeniert Eastwood einen monumentalen Kriegsfilm fragwürdigen Inhalts.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung