Young-goon wächst bei ihrer geliebten Großmutter auf, die seit langer Zeit nichts anderes mehr zu sich nimmt als Rettich und sich darüber hinaus für eine Maus hält. Aus diesem Grund wird sie von ihrer Familie zwangsweise in eine Anstalt verfrachtet. Von Wut, Trauer und Selbstvorwürfen geplagt, beginnt Young-goon sich Gedanken über ihre eigentliche Identität zu machen.
Und so stellt sie eines Tages mit unbedingter Gewissheit fest, dass sie kein Mensch ist, sondern ein Cyborg. Sie selbst sieht darin keinerlei Schwierigkeit, doch weil ihr die höheren Mächte verbieten, die Wahrheit über ihre Existenz preiszugeben, stößt ihr verändertes Verhalten in ihrer Umgebung auf Unverständnis.
Und so wird auch Young-goon in eine Nervenklinik eingewiesen. Von den Psychosen der anderen Patienten befremdet, sucht sie die Freundschaft der Automaten und Neonröhren. Dabei erweckt sie die Aufmerksamkeit von Il-soon, einem gleichermaßen verhaltensauffälligen wie scheuen jungen Mann.
Il-soon bemerkt schnell, dass Young-goon keine Nahrung zu sich nimmt, sondern versucht, ihren Hunger mit Hilfe von Batterien zu stillen, die sie zwischen ihren Fingern hält. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Beziehung, die auf die Probe gestellt wird, als Young-goon zu verhungern droht.
Während die Ärzte mit allen Mitteln versuchen, Young-goon zum Essen zu bewegen, versucht Il-soon hinter das Geheimnis des scheuen Mädchens zu kommen. Denn im Gegensatz zu den Ärzten ist ihm bewusst, dass ein ganz besonderer Blick auf die Welt nötig ist, um Young-goon zu retten.
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| FILMKRITIK
Eines kann man Regisseur Park Chan-Wook sicherlich nicht vorwerfen, und das wäre ein Mangel an Fantasie. Schließlich liefert er den Zuschauern in seinem neuesten Film geradezu ein Feuerwerk kreativer Einfälle. Doch „I’m a Cyborg, but that’s OK“ ist weit mehr als ein farbenprächtiges und ästhetisch durchdesigntes Science-Fiction-Märchen.
Unter die glänzende Oberfläche seines Films, der bereits visuell einen Genuss darstellt, bettet Park Chan-Wook die sensibel erzählte Geschichte eines jungen Mädchens, die sich einen ganz eigenen Weg sucht, um mit ihrem Leben und der sie umgebenden Welt fertig zu werden. Familientragödie, Gesellschaftskritik und Liebesgeschichte treffen hier aufeinander, um in der zerbrechlichen Welt, die sich die Patienten selbst geschaffen haben, die seltsamsten Blüten zu treiben.
Was läge näher, als sich nach der Erfahrung absoluter Ohnmacht nach Sicherheit und Macht zu sehnen? Dementsprechend nachvollziehbar ist Young-goons tiefer Wunsch nach einer Identität, die es ihr zumindest in der Fantasie ermöglicht, alle repressiven Elemente der sie umgebenden Welt mühelos zu beseitigen.
Um ihrer Wut auf die Ärzte und dem Schmerz über den Verlust der Großmutter ein Ventil zu geben, lebt Young-goon ihre Allmachtsfantasien in einer Welt aus, die sie sich selbst kreiert hat. Dabei entsteht aus ihren Handlungen eine geradezu surreale Komik. Unterstützt wird dieses unterhaltsame Ambiente durch eine Kamera, die sich inmitten der Anstalt bisweilen selbst ziemlich verrückt gebärdet.
Gesellschaftskritik klingt vor allem bei der Betrachtung der Patientenleiden an. Sie sind Ausdruck von gesellschaftlichem Druck, Versagensängsten, Überforderung und dem Wunsch nach normgerechter Anpassung. Und so findet sich hier das junge Mädchen, das seit dem Versagen bei einem Vorsingen keinen direkten Augenkontakt mehr erträgt oder der Patient, dessen Leben durch den Drang, ununterbrochen zu salutieren, stark eingeschränkt wird.
Die Angst, in der Anonymität der Masse zu verschwinden spiegelt sich dagegen in der Verhaltensauffälligkeit Il-soons wieder. Seine Angst vor dem Verschwinden versteckt er hinter auffälligen Masken und jede Art, Aufmerksamkeit zu erregen, ist ihm willkommen. Das gleiche ließe sich auch für den Film selbst behaupten. Zumindest kann davon ausgegangen werden, dass er für längere Zeit im Gedächtnis der Zuschauer bleiben wird.
| FAZIT
„I’m a Cyborg, but that’s OK“ ist surreal, tragikomisch und überaus fantasievoll erzählt. Ein Film, bei dem man den Hintergrund niemals aus den Augen verlieren sollte.
| BEWERTUNG
Dieser Film erreichte auf einer Skala von 0 - 5 Punkten (5 = sehr gut) folgende Wertung