Donnerstag | 31. Mai 2012 | 14:18 Uhr
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  • Sturz ins Leere

    Sport, Dokumentation | Großbritannien 2003
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      • | Interview mit Brendan Mackey

      • Was hat Sie an der Rolle von Joe Simpson gereizt?

        Mir wurde zur gleichen Zeit noch eine andere Rolle angeboten in „I’ll Sleep When I’m Dead“ von Mike Hodges. Der Vertrag war schon unterschrieben, aber Mike Hodges ließ mich netterweise gehen. Er verstand, dass Sturz ins Leere eine einmalige Gelegenheit für mich war. Ich hatte das Buch vor mehreren Jahren gelesen und war von Joes Kampf sehr beeindruckt. Ich konnte einfach nicht glauben, dass er im Grunde ganz alleine durch die Stärke seines Charakters überlebt hat. Man bekommt nur einmal im Leben die Chance, solch eine Erfahrung spielen zu dürfen. Ich war extrem gespannt darauf, herauszuarbeiten, was einen Menschen befähigt, diese Tortur zu überstehen. Ich konnte es kaum abwarten, endlich loslegen zu dürfen.


        Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

        Nick Aaron und ich klettern seit sechs Jahren zusammen, hauptsächlich Indoor. Wir sind vor dem Dreh oft klettern gegangen und hatten schon eine starke Freundschaft, die wir im Film einsetzen konnten. Es ist schwierig, sich auf so eine Rolle vorzubereiten. Ich habe das Buch sehr sorgfältig gelesen und mich ausführlich mit Joe und Kevin unterhalten. Wir machten einen Vorbereitungskurs im Eisklettern mit John Whittle. Es war fantastisch. Zunächst weil wir endlich in die Berge kamen zum Klettern, aber auch weil er uns von seinen Erfahrungen erzählte und half, unser Zielbewusstsein zu stärken. Die größte Herausforderung war für mich immer, Joes Buch treu zu bleiben.


        Was war die größte Herausforderung während des Drehs?

        Es ist in den Alpen um einiges kälter als in London! Wir haben 70 Prozent unserer Zeit in fast kompletter Isolation verbracht. Wenn man so hoch in den Bergen ist, läuft die Zeit langsamer. Es dauerte Stunden, nur an den Drehort zu kommen. Man muss sich selbst zurücknehmen, sonst erlebt man schnell ein Burnout. Man trägt seine Ausrüstung, sein Kostüm, hat ein steifes Bein und volles Make-up... den Luxus an Zeit und Behütetsein wie an einem normalen Set gibt es nicht. Man ist einem extremen Klima ausgesetzt mit Temperaturen weit unter Null, der Wind schneidet durch das Gesicht und die Frostbeulen drohen. Man erlebt Schneestürme, in denen man die Hand nicht vor Augen sieht. Man ist ständig außer Atem und an Seilen fixiert. Es ist hart, einfach nur auf dem Berg zu bleiben. Es war eine unglaubliche Erfahrung und fantastisch.


        Sie hatten spezielles Make-up?

        Ich hatte Prothesen, die die Frostbeulen in meinem Gesicht hervorheben sollten. Das bedeutete, dass ich tagsüber kaum essen konnte, weil sie sich sehr leicht ablösten.


        Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie unter den extremen Umständen gemacht?

        Ich hatte einen Hüttenkoller1. Wir mussten lange Zeit in einer Hütte 1500 Fuß unter der Spitze des Mont Blanc verbringen. Eines nachts bekam ich den Hüttenkoller – ich erinnere mich nicht mehr daran, aber unser Team hat es mir am nächsten Morgen erzählt. Ich musste in der Nacht mal austreten, dachte aber, ich würde immer noch am Berg klettern. Also versuchte ich, aus der Hütte zu kommen und Nick wachte auf. Ich grollte: “GRRGRR, lass mich hier rauss! Lass mich hier rauss! Ich konnte die Tür nicht finden, also wollte ich das Fenster öffnen. Es ging nicht. Es war fest mit Eis verkrustet und zugefroren. Also wollte ich meinen Reißverschluss öffnen und auf den Boden pinkeln, wo Paul lag, der Kopf unseres britischen Kletterteams. Glücklicherweise wachte er auf, sonst hätte er mich wahrscheinlich umgebracht! Ich träumte immer noch, also nahm er mich an der Hand und führte mich auf die Toilette, während ich fluchte. Aber so intensiv war es eben. Es gab nachts keine Elektrizität, weil wir nur einen Generator hatten und Licht sparen mussten. Der Hubschrauber kam einmal die Woche und brachte Essen. Man wusste, dass man wirklich alleine war. Großartig. Aber die Folge davon war eben mein Hüttenkoller.

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