Wann haben Sie das erste Mal von Sturz ins Leere gehört?
Ich habe vor ungefähr fünf Jahren das Buch gelesen. Ich bin selbst kein Bergsteiger, aber die Geschichten vom Bergsteigen haben mich schon immer in ihren Bann gezogen. Sie sind einfach fesselnd! Joes Überlebenskampf besonders. Es wäre so einfach für ihn gewesen aufzugeben, aber er seilt sich noch tiefer in die Gletscherspalte ab, ins absolut Dunkle und Unbekannte. Es ist unglaublich und noch dazu fantastisch erzählt.
Was hat Sie als Produzent an dem Stoff gereizt?
Es ist eine sensationelle Geschichte. Seit das Buch herausgekommen ist, haben sich vielleicht 50 Produzenten um die Rechte bemüht. Sogar Hollywood war interessiert. Sie alle haben mit dem Stoff gekämpft, weil so viel nur in Joe Simpsons Kopf passiert. Wir wollten von vorneherein eine Dokumentation machen und konnten Joe schließlich überzeugen. Es war eine Herausforderung, Joes fantastischer Geschichte auch im Film gerecht zu werden. Die Bergsteiger-Filme, die ich gesehen hatte, haben mich alle nicht überzeugt. Niemand hat im Film das einfangen können, was es wirklich heißt, auf einen Berg zu klettern. Man muss sehr enthusiastisch sein, um das wahrheitsgetreu umsetzen zu wollen. Außerdem geht es letztendlich gar nicht um Bergsteigen, sondern um universelle Themen. Es ist ein intensives persönliches Drama über Freundschaft und das Menschsein an sich.
Sie waren beim Dreh in den Alpen dabei. Wie war das als Nicht-Bergsteiger?
Wunderbar und beängstigend. Gleich am ersten Tag gab es eine Drehortbesichtigung. Ich musste einen Abhang runterklettern und wurde in eine Gletscherspalte abgelassen. Ich habe Höhenangst. Es war furchtbar! Die Gefahr von Schneelawinen und Unterkühlung war ständig präsent. Aber ich wurde fast besessen vom atemberaubenden Anblick der Nordwand des Eiger. Es war wunderbar, diese geschichtsträchtigen Berge wie die Jungfrau, den Mont Blanc und den Eiger zu sehen. So viele Dramen haben sich im letzten Jahrhundert hier abgespielt. Es war eine extreme, aber schöne Erfahrung. Heute habe ich keine Höhenangst mehr und ein Skilift ist für mich neuerdings völlig unproblematisch. Ich hoffe, der Film bewirkt etwas ähnliches wie bei mir die Dreharbeiten und inspiriert dazu, nie aufzugeben. Joe betont ja immer, dass er nicht anders ist als alle anderen auch. Obwohl ich glaube, dass er vielleicht zu bescheiden ist.
Gibt es einen deutschen Film, der Sie inspiriert hat?
Einer meiner Lieblingsfilme ist „Das Boot“. Jürgen Prochnow hat mich als Kapitän sehr beeindruckt. Der Film zeigt genauso Menschen in einer Extremsituation, die enormem Druck standhalten müssen. Er zieht auf brillante Art und Weise in eine fremde Welt hinein. Auch die Bergsteiger stellen für viele eine fremde Welt dar. Sie riskieren ihr Leben für extreme Herausforderungen, wie wir sie im normalen Leben nicht eingehen würden. Vielleicht kann unser Film verdeutlichen, warum sie das tun.