Donnerstag | 31. Mai 2012 | 14:19 Uhr
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    Sport, Dokumentation | Großbritannien 2003
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      • | Interview mit Mike Eley (Kamera)

      • Was hat Sie als Kameramann besonders an dem Film gereizt?

        Erstens ist es eine unglaublich tolle Geschichte und mir war klar, dass Kevin Macdonald der beste Regisseur ist, um sie zu erzählen. Ich war sehr von seinem Film „Ein Tag im September“ beeindruckt. Zweitens habe ich noch nie zuvor etwas Vergleichbares gemacht. Ich genieße die Herausforderung – sowohl technisch als auch physisch. Die Möglichkeit, einen außergewöhnlichen Film zu drehen, der Dokumentation und Spielfilm miteinander verbindet, war für mich besonders reizvoll. Mein persönlicher Background ist hauptsächlich dokumentarisch. Erst in den letzten Jahren habe ich mich mit Drama und Spielfilm beschäftigt. Daher gefiel mir das Konzept von Sturz ins Leere als Mischform aus beidem besonders.


        Wie haben Sie sich auf den Dreh vorbereitet? Gab es ein visuelles Konzept?

        Kevin Macdonald und ich haben uns zahllose Filme angeschaut und darüber diskutiert, was in den Filmen funktioniert hatte und was nicht. Uns war klar, dass Echtheit und Authentizität die überzeugendsten Ergebnisse erzielen. Zumal wir für „realistische“ Ersatzkonstruktionen nicht das Budget hatten. Wir waren sehr von „Walkabout“ von Nicolas Roeg angetan und verehrten seine Darstellung der Natur und der Menschen, die in ihr gefangen sind. Wir haben die Szenen größtenteils mit Hilfe von Storyboards rekonstruiert. Aber wir wollten offen für das Unerwartete bleiben, wie man es bei einer Dokumentation immer sein muss.


        Sie haben in Peru und in den Alpen gedreht. Was war die größte Herausforderung?

        In Peru waren die Distanzen und die Höhe am schwierigsten zu meistern. Wir drehten vier Wochen. Zwei Wochen davon haben wir allein damit verbracht, an den Drehort und wieder zurück zu kommen. Es hat drei Tage gedauert, vom nächstgelegenen Ort an das Bergmassiv des Siula Grande zu gelangen. Unser Equipment haben ein paar Esel und wir getragen. Alles musste auf das absolut Notwendige reduziert werden. Wie die meisten anderen der Crew war auch ich noch nie in so hochgelegenen Gebieten gewesen. Es hat eine Weile gedauert, bis wir uns daran gewöhnt hatten. Alles braucht doppelt so lange wie unter normalen Umständen auf Höhe des Meeresspiegels. Wir mussten sehr auf unsere Gesundheit achten. Jeder wurde irgendwann krank, aber glücklicherweise nicht „höhenkrank“. Das hätte sehr gefährlich werden können. In den Alpen war die Höhe nicht das Problem, dafür hatten wir viel härteres Wetter. Wir mussten die Ausrüstung genauso minimal halten, aber wir hatten mehr technische Helfer. Trotzdem machten uns die Schneestürme zu schaffen. Aber sie waren notwendig, um die Geschichte wahrheitsgetreu erzählen zu können. Den Preis muss man zahlen, wenn man authentisch sein möchte.


        Wie haben Sie den Sturz gedreht?

        Wir mussten zuerst einmal Cubby, unser Stunt-Double für Joe Simpson, überzeugen, dass er den Sturz überhaupt macht, um ihn dann nochmal und vielleicht nochmal zu machen. Er ist ein sehr erfahrener, talentierter Kletterer und war brillant, aber er war am Berg sicherlich noch nie so nervös gewesen. Das Hauptproblem bestand in den Alpen darin, den passenden Abhang und die richtige Gletscherspalte zu finden. Sie sollten eine überzeugende Ähnlichkeit mit den peruanischen Anden haben und Platz für zwei bis drei Kameras bieten. Letztendlich haben wir in drei Gletscherspalten und an zahllosen Abhängen mit den unterschiedlichsten Neigungen gedreht.


        Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie während des Drehs gemacht?

        Es war bei weitem das Härteste, was ich je physisch gemacht habe. Ich bin kein Bergsteiger, aber ich liebe die Natur. Für mich war der Ausblick in Peru und den Alpen berauschend. Es war schön, mit einem großartigen Team zu drehen. Vielleicht lag es gerade an den Strapazen, dass sich alle umeinander gekümmert haben. Besonders unsere Bergführer, Brian Hall und Cubby, und ihr Sicherheitsteam haben uns nie im Stich gelassen.


        Was hat sie am meisten an der tatsächlichen Geschichte von Joe Simpson beeindruckt?

        Joe selbst. Die mentale Kraft, mit der er sich selbst gerettet hat, ist wirklich sagenhaft. Es ist schon beeindruckend, wenn man das Buch zu Hause auf dem gemütlichen Sofa liest. Ist man aber tatsächlich dort draußen und erfährt am eigenen Leib nur 0,1 Prozent der Umstände, durch die Joe gegangen ist, dann wird es erst so richtig beeindruckend. Simons Versuch, Joe abzuseilen, ist für mich genauso heroisch.


        Was meinen Sie nehmen die Menschen mit nach Hause, wenn sie aus dem Kinosaal kommen?

        Es mag ein Klischee sein, aber die Kraft des menschlichen Geistes. Ich denke der Film kann überzeugen, dass wir stärker sind, als wir annehmen. Er zeigt auch, dass wir verwundbarer sind, als wir es vielleicht zu schätzen wissen. Die Einsamkeit, die Joe erfahren hat, war so groß, dass sie alle anderen Probleme in den Schatten gestellt hat. Er wollte nicht alleine sterben. Wir brauchen andere Menschen.

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