Donnerstag | 31. Mai 2012 | 07:05 Uhr
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  • Superman Returns

    Action, Abenteuer | USA 2006
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      • | Australien und Metropolis: Die Dreharbeiten

      • Die Außenaufnahmen begannen nahe dem australischen Breeza in einer ländlichen Gegend, wo man Farmland in ein Außenstudio umfunktionierte. Das Filmteam legte eine zehn Kilometer lange Straße an, um die Zufahrt zum „Basislager“ zu ermöglichen. Es bestand aus den Wohnwagen der Stars und Filmemacher, dem Küchen- und Kantinenzelt und Wohnwagen für alle Filmabteilungen von der Maske bis zu den Kostümen, Spezialeffekten und visuellen Effekten. Das Basislager verfügte auch über eine IT-Einheit, mit der per Satellit mitten im australischen Busch eine Internetverbindung geschaffen wurde.

        Alle Straßen auf dem Gelände führten zur Kent-Farm, wo Produktionsdesigner Guy Hendrix Dyas das berühmte Haus von Ma, Pa und Clark Kent in Kansas nachbaute. Vom Briefkasten am Ende der Auffahrt bis zur Schaukel auf der Veranda des einfachen Farmhauses bedachten Dyas und seine Designer, Künstler, Handwerker und Bauteams jedes kleine Detail der Umgebung, in der Superman aufwuchs. Die zehn Meter hohe Scheune wurde im klassischen Blutrot gestrichen, und auch die extra mit zwei Meter hohem Mais bepflanzten Felder, die zwei Hektar Fläche einnahmen, gehören zu den Highlights der Farm.

        Drei Wochen lang drehte das „Superman Returns“-Team auf dem atemberaubenden Kent-Farm-Set, das sich in der Nähe der kleinen Stadt Tamworth in New South Wales befand. Es war verblüffend anzusehen, wie Supermans irdische Heimat wieder erstand – neue Straßen wurden angelegt, kilometerlange Telefonleitungen an Masten befestigt, Mais wurde speziell für den Film ausgesät.

        Drei Wochen lang pendelten alle Teammitglieder zwischen dem Drehort und Tamworth hin- und her, wo man fast alle Hotelzimmer, Restaurants und Pubs mit Beschlag belegte. So konnten die Filmemacher zusammen mit ihren Stars Brandon Routh, Eva Marie Saint, James Karen (er spielt jenen Ben Hubbard, der Martha Kent den Hof macht) und Stephan Bender (der den kleinen Clark in mehreren Rückblenden spielt) die an die berühmten Bilder von Norman Rockwell erinnernde, typisch amerikanische Idylle genießen – mit allem was dazugehört: drückender Hitze, aber auch den schönsten Sonnenuntergängen, die sie je erlebt haben.

        „Den Mais in Tamworth auszusäen und wachsen zu lassen war ein riesiges Problem“, sagt Dyas. „Gerade in dieser Gegend Australiens herrschte nämlich seit vielen Jahren Dürre. Wir mussten extra ein Bewässerungssystem installieren, um das Getreide auf der Kent-Farm bis zum Ende der Dreharbeiten grün zu halten. Das war eine unglaubliche Leistung, und mit unserem Mais haben wir vor Ort eine Menge Vieh ernährt, als wir endlich unsere Zelte abbrachen und verschwanden. Es kostete sehr viele Arbeitsstunden, mitten in der Einöde so viel aufzubauen, aber Bryan und mir ist es letztlich doch gelungen, unsere Vorstellung von Martha Kents Farm umzusetzen – so konnten wir sehr schöne Momente für den Film aufnehmen. Vom ersten Tag bis zum Drehschluss haben Bryan und ich uns beim Look des Films immer wieder auf Supermans bereits existierende Welt bezogen: auf die Comics, die TV-Serie oder die früheren Spielfilme. Darauf legt Bryan größten Wert. Entsprechend achtete ich bei all meinen Entwürfen peinlich genau darauf, den früheren Superman-Versionen gerecht zu werden. Wir wollten Supermans Welt der heutigen Zeit anpassen, aber sie nicht neu erschaffen. Als Erstes habe ich die Kent-Farm für den Film entworfen – das erlaubte mir einen wunderbaren Einstieg, denn von Anfang an konnte ich viele klassische und romantische Elemente einbringen.“

        „Genau wie die Story ist auch der Look des Films stark romantisch geprägt“, sagt Singer. „Es gelang uns recht überzeugend, die berühmten Designs von John Barry nachzuempfinden, die er 1978 für den Donner-Film schuf und die für das romantische Feeling der 1940er-Jahre sorgen – von der Farbpalette über die optischen Kompositionen bis zu den Art-Deco-Fassaden und gleißenden Wolkenkratzern in Metropolis. Natürlich handelte es sich auch 1978 nicht um einen historischen Film, sondern um eine Mischung aus Alt und Neu, die letztlich einen zeitlosen Look schafft. Genau diesen Ansatz haben wir bei allen Design-Aspekten jetzt auch wieder verfolgt.“

        Nachdem die Szenen auf der Kent-Farm abgedreht waren, kehrte das Team in die australischen Fox-Studios zurück, die in Sydney das Film-Hauptquartier bildeten. Die Produktion benötigte alle sieben Studiohallen und beschäftigte das Bauteam rund um die Uhr. „Sobald eine Szene abgedreht war, wurde der Set abgerissen, um Platz für die nächste Szene zu schaffen.“ Einmal herrschte derartige Platznot, dass Dyas sich gezwungen sah, einen seiner Bauschuppen in ein Studio umzufunktionieren und dort die Innenräume der 60 Meter langen Film-Yacht Gertrude unterzubringen.

        „Wenn man all die kardanischen Aufhängungen für die Flugzeug- und Yacht-Szenen, die Wasserbecken und die Greenscreen-Bühnen mitrechnet, haben wir etwa 80 Sets gebaut“, sagt Produzent Gilbert Adler. „Das war zwar problematisch, aber da auf dem Studiogelände keine anderen Filme gedreht wurden, haben wir es komplett mit Beschlag belegt und uns häuslich eingerichtet. Dadurch konnten wir den Drehplan und die Baumaßnahmen sehr viel flexibler und kreativer handhaben – anders hätten wir den fantastischen Look und die reibungslose Funktion der Sets auch nicht hinbekommen.“

        Singer wollte aber neben der Kent-Farm auch andere Schauplätze des Superman-Universums in seine Rückkehr-Geschichte mit aufnehmen, vor allem natürlich die Innen- und Außenansichten sowie das Dach des Daily Planet-Redaktionsgebäudes und die bei den Fans so beliebte Festung der Einsamkeit. „An der Festung der Einsamkeit kann man gut demonstrieren, wie wir das Konzept übernahmen, das John Barry für Donners Superman-Film entworfen hat“, sagt Singer. „Wir sind heute durch die weiterentwickelte Technik der visuellen Effekte in der Lage, das Konzept noch auszubauen.“

        Dyas ließ sich von den 1978er-Sets von John Barry inspirieren und konstruierte ein „Kristallschiff“ für Superman, das 45 Meter lang, 41 Meter breit und etwa drei Stockwerke hoch war. „Dieser Set erinnert ganz bewusst an die Kristallkapsel, mit der Superman im ersten Richard-Donner-Film auf die Erde kommt“, sagt Dyas. „Wir haben sie allerdings erheblich modernisiert – sie erinnert heute an die wissenschaftlichen Experimentierkästen für Kinder – wir haben damals Kristalle wachsen lassen. Superman verwendet seine eigene ,Kristall-Technologie‘, um ein Schiff zu schaffen. Das Ergebnis sieht wirklich äußerst ungewöhnlich und elegant aus – es strahlt von innen heraus und wirkt überirdisch schön. Ähnlich sind wir beim Design von Supermans Festung der Einsamkeit vorgegangen, und mithilfe der neuen Techniken können wir die Kristall-Idee erheblich ausbauen. Im Film von 1978 ist der Set nur von einer Seite zu sehen – wir sind jetzt in der Lage, es von allen Seiten zu zeigen. Bryan kann also mit der Kamera ganz um dieses riesige, Kathedralen-ähnliche Gebilde herumfahren. Das wirkt sehr spektakulär.“

        Auch für das Daily Planet-Gebäude dachte Dyas sich etwas Ungewöhnliches aus – er ging davon aus, dass dieses Gebäude in Metropolis genau wie viele Art-Deco-Häuser in New York im Lauf der Jahre in manchen Aspekten renoviert worden ist, um die neuesten Medien- und Drucktechniken zu integrieren. „Guy gelingt es ganz hervorragend, die Deco-Atmosphäre der Hausfassade und der Eingangshalle mit den neuesten Plasma-Bildschirmen und flachen Computer-Monitoren zu kombinieren“, kommentiert Singer. „Wieder wird das Alte mit dem Neuen verbunden und wirkt dadurch zeitlos… genau wie Superman.“

        Sechs Monate waren nötig, um den Daily Planet-Set zu entwerfen, vier Monate dauerte der Bau, einen Monat die entsprechende Ausleuchtung. „Allein in diesem Set wurden an die 3000 Leuchten und 30 Kilometer Kabel verbaut“, erinnert sich Adler.

        „Bryan wünschte sich auf seinen Sets jede Menge Details – beim Daily Planet konnte ich meiner Fantasie also freien Lauf lassen“, sagt Dyas. „In der Vorbereitungsphase recherchierten wir, und wir besuchten das originale Daily News-Gebäude in New York, das Raymond Hood 1929 entworfen hat. Diese wunderbare Epoche der amerikanischen Art-Deco-Architektur hat mich bei meinen Entwürfen stark beeinflusst, vor allem beim Büro des Chefredakteurs in der Redaktion des Daily Planet. Der Stil unseres Films soll zwar modern sein, aber dennoch ließ ich mich von den für die 1930er-Jahre typischen geometrischen Linien, von dem Einsatz von Glas und kräftigen Farben inspirieren.“ Dieser Einfluss lässt sich auch an der klassisch-ornamentalen Fassade des Daily Planet-Gebäudes und der viel frequentierten Plaza nachweisen. Dazu Dyas: „Unbedingt sollte wieder der berühmte rotierende Globus oben auf dem Daily Planet-Gebäude prangen, und auch das Flachdach hoch über Metropolis spielt eine Rolle. Auf diesem traumhaften Set spielt eine der Liebesszenen.“

        Der Plaza-Set war derart umfangreich, dass er in keine der Fox-Studiohallen passte. Die Filmemacher entschieden sich also zu dem ungewöhnlichen Schritt, den Set unter freiem Himmel zu bauen, wobei sie die Straße zwischen zwei vorhandenen Studiohallen mit einbezogen. „Ob Sie es glauben oder nicht: Der Außenset hat bestens funktioniert“, stellt Dyas fest. „Wir hatten fantastisches Wetter, und wir konnten die umliegenden Straßen mit gelben Taxis, Bussen und dem üblichen Straßenverkehr vollstopfen. Außerdem verwandelten wir ein angrenzendes Gelände in einen winzigen Central Park und richteten auch eine U-Bahn-Station ein. Dieses Set machte uns eindeutig die größten Probleme, aber alles hat wunderbar geklappt.“

        Neben der Vanderworth-Yacht schuf Dyas zwei weitere Sets, die ausschließlich in „Superman Returns“ zu sehen sind. Dyas entwarf ein kompliziertes Modelleisenbahnset im Keller der Vanderworth-Villa – zusammen mit einem enormen Insel-Set, der einfach als New Krypton bezeichnet wurde. „New Krypton kann man wohl nicht anders beschreiben als Kreuzung zwischen der Arizona-Wüste und der Arktis“, sagt Dyas. „Wir verwendeten Kristallformen und -formationen, die optisch zur Superman-Mythologie gehören. Das erinnert an Supermans Festung der Einsamkeit, leuchtet aber nicht so stark und wirkt fast farblos.“

        „Dagegen wirkt die Modelleisenbahn wie ein Miniatur-Spielplatz. Mein Team setzte begeistert Hunderte von Modellbausätzen zusammen, um hyper-realistische Städte und Landschaften zu kreieren“, sagt Dyas. „Wir haben uns bei den Details äußerst viel Mühe gegeben, denn wenn Lex die Modelleisenbahn mit seinem Kristall-Experiment vernichtet, ist das eine Metapher für die Zerstörung, die er für die Menschenwelt plant. Unser Eisenbahnset war im Vergleich zu anderen bereits riesig, aber es sollte noch gewaltiger erscheinen – also bauten wir einen Keller-Set drum herum und setzten dabei perspektivische Tricks und Ähnliches ein. Ein Beispiel: Die Betonpfeiler des Kellers stehen vorn auf dem Set weit auseinander, rücken aber nach hinten hin immer näher zusammen. Außerdem verwendeten wir Eisenbahnzüge in unterschiedlichen Maßstäben: Die größten fuhren im Vordergrund vor der Kamera vorbei, die kleineren im Hintergrund“, erklärt Dyas. „Wir haben Aberhunderte von Modellbausätzen verplant, um die Eisenbahnanlage realistisch zu gestalten, und ohne die großzügige Unterstützung der Firma Märklin wäre das unmöglich gewesen. Die Märklin-Züge und Bausätze sind einfach hervorragend, und über mehrere Monate hinweg schickten sie uns zahllose Kisten voller Schätze.“ Zu den vielen Details der Eisenbahnanlage zählen zum Beispiel die mit Kakteen gespickte Arizona-Wüste, das gleißende Stadtpanorama von Metropolis und die schneebedeckten Gipfel der Schweizer Alpen.

        Die gleiche Mischung aus klassischen und allerneuesten Motiven bestimmte auch die Filmkostüme. Zunächst richtete sich die gesamte Energie der Macher natürlich auf das Superman-Kostüm. Singer wollte damit nicht nur den Ikonen-Charakter transportieren, der sich seit Anfang an kulturell etabliert hat, sondern der Figur auch einen modernen Touch verleihen.

        „Ich erinnere mich, wie Brandon erstmals bei mir auftauchte“, sagt Kostümbildnerin Louise Mingenbach, die sich mit Superhelden-Garderobe bestens auskennt, seit sie die Kostüme zu Singers beiden „X-Men“-Filmen lieferte. „Er betonte, dass er sich ein besonders bequemes Kostüm wünschte, das ihn möglichst wenig einschränken sollte. Ich wollte nicht unsensibel reagieren, aber ich lachte nur: ,Baby, du wirst dich in deinem ganzen Leben nie so unwohl fühlen wie in diesem Kostüm. Das Leben eines Superhelden ist nicht leicht – und mit Bequemlichkeit hat es wirklich nichts zu tun.‘“

        „Irgendwie war das richtig süß“, sagt Mingenbach. „Denn zu dem Zeitpunkt hatte Brandon noch keine Ahnung, worauf er sich da einließ.“

        Die nächsten Monate verbrachte er in einem blaufarbigen, enganliegenden Stoff namens Milliskin, unter dem er einen konturierten „Muskelanzug“ trug. „Weil der Stoff so straff ist, drückte er Brandons echte Muskeln flach, die er in hartem Training entwickelt hatte. Deshalb mussten wir einen Muskelanzug entwickeln, um ihm seine eigenen Körperkonturen zurückzugeben“, sagt Mingenbach.

        Das berühmte „S“-Emblem auf dem Kostüm besteht aus einem gegossenen Latex-Relief, in das dann per Laser Tausende kleine S-Insignien geschnitten wurden. Das Futter des Capes wurde aus speziell in Frankreich gefertigter Wolle hergestellt. Durch die Ombre-Behandlung wirkt das Cape vor allem in der Mitte leuchtend rot. Außen verstärkte man das Cape „mit Gummi, um es fester und schwerer zu machen“, sagt Mingenbach. „Man kann jetzt also verstehen, warum von Bequemlichkeit keine Rede sein kann, wenn man zwei hautenge Trikots und darüber ein fünf Kilogramm schweres Cape tragen muss.“

        Um Supermans Anzug wirklich auszufüllen, musste Routh sich einem intensiven Körpertraining unterziehen, das schon begann, als er die Rolle noch gar nicht in der Tasche hatte. In Los Angeles trainierte Routh mit Gudni Gunnarsson. „Die Trainingsmonate in L.A. dienten eigentlich nur dazu, mir die Kondition für das eigentliche Bodybuilding anzutrainieren“, sagt Routh. „Es ging nur darum, meinen Körper vorzubereiten, damit er auf das spätere Gewichtheben in Australien eingestellt war.“

        In Sydney angekommen, begann Routh sein Programm mit dem australischen Trainer Michael Ryan, der dem Schauspieler fast Übermenschliches abverlangte. „Das Pensum ging gleich heftig los und blieb die gesamte Zeit auf diesem intensiven Niveau“, erinnert sich Routh. „Oft kam ich mir eher als Athlet und nicht als Schauspieler vor. In 15 Meter Höhe in der Luft zu baumeln oder fünf Meter tief unter Wasser die Luft anzuhalten, während ich von dem Kostüm behindert wurde, war für alle Körperteile ungeheuer stressig, vor allem, wenn wir solche Szenen den ganzen Tag und viele Tage hintereinander drehten. Es klingt zwar verrückt, aber ich habe mich angepasst, und mein Körper gewöhnte sich daran.“

        An normalen Tagen stemmte Routh mindestens eine Stunde lang Gewichte, absolvierte sein Lauftraining, machte dann Kostümproben, Frisuren- und Makeup-Tests und Testaufnahmen vor der Kamera. „Ich lernte eine Menge, habe eine Menge erreicht. Und das hat mein Selbstbewusstsein ungeheuer gestärkt, denn ich war rundum von Fachleuten umgeben.“

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