Donnerstag | 31. Mai 2012 | 07:05 Uhr
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    Action, Abenteuer | USA 2006
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      • | Die Physik des Fliegens und die Genesis-Kamera

      • Seit den 1970er-Jahren, als Richard Donner „Superman – Der Film“ drehte, hat sich die Technik in einer Weise entwickelt, von der die Filmemacher damals nur träumen konnten. Dank des Riesenfortschritts in den Bereichen Kameratechnik und visuelle Effekte weiß Bryan Singer, dass „wir uns heute wirklich überzeugen lassen, dass ein Mensch fliegen kann.“

        Singer und sein Team bemühten sich vor allem, den körperlichen Fähigkeiten der Superman-Figur in seiner Welt gerecht zu werden. „Brandon und ich entwickelten unsere eigenen physikalischen Gesetze, die dann unsere Richtschnur für die Flugsequenzen darstellten“, sagt Singer. „Zum Beispiel: Wie viel Aufwand kostet es, ein fliegendes Flugzeug einzuholen? Wann springt er vor, wann lässt er sich treiben? Welche Handbewegungen führt Superman aus, um während des Flugs seine Richtung zu ändern? Diese Fragen haben Brandon, ich und die Stunt-Koordinatoren und Flugteams immer wieder diskutiert. Und dank der heutigen Technik fliegt Brandon, wie es noch keinem Superman möglich war.“

        „Eine Technik mit den heutigen Möglichkeiten gab es auch vor zwei Jahren noch nicht“, sagt Singer. „Was sich auf dem Gebiet der visuellen Effekte tut, ist einfach verblüffend. Im Gegensatz zu einem Superheld wie Spider-Man ist Supermans Haar und Gesicht den Elementen ausgesetzt – deshalb muss er auch im Flug als Darsteller auftreten und seine gesamte Persönlichkeit einsetzen.“

        Bei den realen Filmaufnahmen mit Routh gingen die Filmemacher genauso sorgfältig vor wie bei der Berechnung der Computerbilder, beim Scannen und Animieren der Figur – und all das, um einen Mann darzustellen, der fliegen kann, wie und wohin er will.

        Die aktuellste technische Entwicklung, die bei den Dreharbeiten zum Einsatz kam, ist die digitale Genesis-Kamera, die von Sony und Panavision gemeinsam entwickelt wurde. Das Genesis-Kamerasystem wird bei „Superman Returns“ erstmals für einen ganzen Spielfilm verwendet.

        „Dass der Einsatz der Genesis-Kamera vielleicht möglich sein würde, erfuhr ich, als ich Brandon bereits besetzt hatte“, erinnert sich Singer. „Wir machten Probeaufnahmen in dem vorgesehenen Filmformat Super 35mm, und aus Spaß drehten wir auch einen Test in 70mm. Nachdem beide Aufnahmen entwickelt waren, schauten wir uns zunächst den 35mm-Film an und schalteten dann um auf den 70mm-Projektor. Die Brillanz, Tiefe und die völlig unsichtbare Körnung machten das Bild derart klar, dass der 35mm-Film daneben aussah, als ob wir schlechtes Filmmaterial benutzt hätten… So unterschiedlich wirken die beiden Formate. Ich forschte also nach, welche Möglichkeiten es gibt, auf 70mm zu drehen“, erklärt Singer. „Sehr schnell fand ich heraus, dass es eine Million Gründe gibt, die 70mm als unpraktisch verbieten – man ist in Bezug auf Kamerabeweglichkeit und Filmmaterial zu sehr eingeschränkt.“

        Etwa zur selben Zeit erfuhr Singer von seinem langjährigen Kameramann Newton Thomas Sigel, dass Sony und Panavision die neue Genesis-Kamera entwickelt hatten. „Damals befand sich wohl nur eine dieser Kameras in L.A. – mit der haben wir einen von Brandons Kostümtests aufgenommen“, erinnert sich Singer. „Dann begannen wir einen der umfassendsten Material-Vergleichstests aller Zeiten: Mit der Genesis drehten wir Probeaufnahmen draußen in weichem Licht, warmem Licht, nachts, mittags, abends, morgens, Innenaufnahmen, Kostüme, Frisuren und Makeup, alles, was man sich nur vorstellen kann. Tom und ich sahen uns die Tests in einem Vorführraum an, und aufgrund dieser Vergleiche entschieden wir gemeinsam, den Versuch zu wagen und den gesamten Film mit dem Genesis-System zu drehen.“

        Innerhalb kurzer Zeit waren weitere Kameras für „Superman Returns“ einsatzbereit. „Als wir die Kameras in Australien benötigten, hatten wir wohl nur eine oder zwei“, sagt Singer. „Doch nach ein paar Monaten Drehzeit standen uns acht oder zehn zur Verfügung.“

        Singer und auch Sigel geben zwar zu, dass es mit der Genesis viele technische Probleme zu bewältigen galt, aber dennoch waren sie mit dem Endergebnis mehr als zufrieden.

        „Sony und Panavision haben sich sehr viel Mühe mit der Kameraentwicklung gegeben, um das ganze Filmspektrum abzudecken“, sagt Sigel. „Das Beleuchtungskonzept unterscheidet sich also nicht wesentlich von anderen Systemen. Unbearbeitet sieht das mit der Genesis-Kamera aufgenommene Material etwas blass aus. Aber wir entschieden uns gegen eine Korrektur des gesamten Materials, vielmehr ließen wir die täglichen Musteraufnahmen überarbeiten, wobei wir dem Farbexperten Standbilder als Referenz vorgaben. Auf diese Weise lernten wir die Grenzen des Systems kennen, und wir legten fest, was in der Endfertigung noch nachbearbeitet werden musste, um dem Film sein endgültiges Aussehen zu geben. Der Bonus dabei war, dass alle Effekte-Firmen von uns Testmaterial bekamen, das den von uns angestrebten endgültigen Look repräsentiert – das ist ihnen beim Erstellen der Effekte eine unschätzbare Hilfe. Bei einem Film wie unserem ist es ganz entscheidend, sich mit den Experten für visuelle Effekte genauestens abzusprechen, um nicht nur ,den Look‘ zu schaffen, sondern ihn auch durchgehend beizubehalten.“

        Wie in vielen anderen Bereichen beim Dreh dieses Films stellt auch der Einsatz der Genesis-Kamera wieder das Zusammenwachsen von Alt und Neu dar. „Ich bin noch mit der ganz traditionellen Filmtechnik aufgewachsen“, sagt Singer. „Ich drehe am liebsten auf Filmmaterial. Tom ist Kameramann und Kameraassistent gewesen – der digitale Dreh war also für uns beide völlig neu. Wir setzten häufiger Weitwinkel und Totalen als bei meinen früheren Filmen ein, weil das ,Superman Returns‘-Panorama derart gewaltig ist. Als wir uns dann die Aufnahmen der ersten Drehtage auf der Kent-Farm anschauten, merkten wir beide, dass wir hier die Chance hatten, einen hervorragenden, wunderschönen Film-Look zu schaffen.“

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