Als sich Drehbuchautor Niall Johnson zum ersten Mal mit der Geschichte be-fasste, aus der später „White Noise – Schreie aus dem Jenseits“ wurde, war sein Ausgangspunkt: Wenn es eine Mög-lichkeit gäbe, eine verstorbene und ge-liebte Person zu kontaktieren, würde ein Durchschnittsbürger dies nutzen, selbst wenn es mit großen persönlichen Risiken verbunden wäre? Bei seinen Nachfor-schungen stellt er fest, dass seit längerer Zeit eine ziemlich große Gemeinde von EVP-Enthusiasten existiert, die im Be-zug auf ihre Entdeckungen hervorragend organisiert ist und wissenschaftlich vor-geht. Schon Albert Einstein bekannte sich zu einer offenen Einstellung gegen-über der Möglichkeit, dass das Leben sich über Raum und Zeit hinweg Gehör verschafft, und Thomas Alva Edison glaubte, dass Impulse von Generation zu Generation weitergegeben werden könn-ten.
Diese Ausgangsidee nahm immer mehr Gestalt an, je weiter der Drehbuchautor sich damit befasste, durch das Internet surfte und sich mit EVP-Anhängern wie den Butlers und Sarah Estep traf, deren Forschungen und Erkenntnisse ihm da-bei halfen, dass das Drehbuch Gestalt annahm.
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Produzent Paul Brooks hat ein Gespür für außergewöhnliche Drehbücher, zeichnet er als ausführender Produzent doch mitverantwortlich für den Mega-Hit „My Big Fat Greek Wedding – Hochzeit auf griechisch”, der (bis vor kurzem) die erfolgreichste Independent-Produktion aller Zeiten war. Brooks er-innert sich: „Vor zwei Jahren, so um die Weihnachtszeit, brachte mir mein Bruder das Skript zu „White Noise – Schreie aus dem Jenseits“, und ich wollte nach dem Essen ein paar Seiten ansehen und es dann am nächsten Tag weiterlesen. Aber das änderte sich, als ich es erst einmal geöffnet und angefangen hatte zu lesen – ich konnte mich nicht erinnern, wann mich etwas zuletzt so beschäftigt hatte. Es war faszinierend. Und ich sah es so-fort so, wie es auch für das Publikum sein würde – es war absolut fesselnd und hatte das Zeug für einen verblüffenden Film. Die besondere Atmosphäre machte die Story so außergewöhnlich. Ich muss zugeben, dass ich ganz besessen davon wurde, was mir bei wirklich interessan-ten Drehbüchern gern passiert.“
Obwohl es schon hervorragend „in Form“ war, verwendeten Brooks und Johnson mehrere Monate darauf, dem Skript über die paranormale Geschichte von Jonathan und Anna Rivers den Fein-schliff zu geben – und in dieser Zeit sah der Produzent im Fernsehen eine zeitge-nössische Verfilmung eines großen Shakespeare-Klassikers. Brooks sagt: „Ich sah die ersten sieben Minuten von Geoffrey Sax’ BBC-Produktion ‚Othel-lo‘. Ich weiß das so genau, weil mich diese ersten Minuten so begeisterten, dass ich ihn daraufhin gleich engagierte. Wir scherzen immer noch darüber, dass ich mir diese Produktion nie zu Ende angesehen habe!“
Als er Johnsons Skript zum ersten Mal las, war sich Sax der vorangegangenen Nachforschungen keineswegs bewusst – er dachte, es handele sich einfach nur um eine gute Drehbuchidee. „Jonathan Ri-vers Besessenheit hat einen ganz einfa-chen Ausgangspunkt“, sagt er. „Was würde man tun, wenn man die Chance bekäme, einen Menschen, den man liebt und verloren hat, zu kontaktieren? Das war der Ansatz, der mich zu dem Stoff hinzog, denn wozu wäre der Einzelne wirklich bereit? Und ich denke, dass 99 von 100 Leuten sagen würde, ja, ich möchte mehr darüber erfahren.“
„Selbst wenn einem klar wäre, koste es, was es wolle, sagen wir 30 Sekunden mit jemandem zu verbringen, den wir verlo-ren haben, würde man dafür ein Jahr hergeben, oder das Leben? Ich meine, ich weiß nicht, wie weit andere dafür gehen würden, aber ich wäre ganz sicher bereit, dies zu riskieren, für jemanden, den ich verloren habe. Wenn ich die Chance hätte, einen solchen Menschen wiederzusehen, würde ich sie ergreifen.“
Sax sah sich einer Überraschung gegen-über, als er Niall Johnson zu soviel Er-findungsgeist für sein Drehbuch gratu-lierte. „Ich hatte keine Ahnung, dass das Phänomen EVP tatsächlich existiert. Irgendwann lobte ich Niall dafür, dass er auf diese Idee gekommen war. Ich sagte, ‚EVP ist eine wirklich tolle Idee und ein großartiges Konzept. Wie bist du darauf gekommen?’ Und er sagte: ‚Naja, ich bin bei Recherchen darauf gestoßen. Da gibt es diese Webseiten. Schau einfach mal selbst nach.’ Und ich war erstaunt, wie viele Seiten man dazu findet, wie viele Bilder es gibt. Einiges davon ist frag-würdig, aber einiges ist sehr, sehr furcht-einflößend. Und das ist es, was es wirk-lich interessant macht.“
Eine von Johnsons Schlüsselszenen – in denen Jonathan ein Medium besucht, um die Informationen abzugleichen, die er von seiner verstorbenen Frau über EVP bekommen hat – stammt direkt aus den Erfahrungen des Drehbuchautors. In dieser Szene sucht Jonathan den Rat einer blinden parapsychologischen Bera-terin, aber das Medium reagiert abwei-send auf seine Ideen und drückt eine Warnung aus, die er nicht ernst nimmt. „EVP ist nicht gut“, sagt sie, und springt auf. „Wir verbringen Jahre mit unseren spirituellen Führern, damit wir Euch beschützen können. Es ist eine Sache, die Toten zu kontaktieren. Es ist etwas anderes, sich ungefragt einzumischen, und genau das machst du!“
„Und das geschah Niall Johnson genau so“, sagt Sax. „Er besuchte während seiner Nachforschungen tatsächlich ein Medium, und bekam diese Worte zu hören... ‚Befasse dich nicht mit diesen Dingen. Du verstehst sie nicht.’ Und das gab ihm in gewisser Weise eine weitere Grundlage für die Story. Wenn man sich in etwas einmischt, von dem man keine Ahnung hat, kann einem das eine Menge Ärger einbringen. Und genau das pas-sierte Jonathan Rivers.“
Auch Deborah Kara Unger, die eine Frau spielt, die mittels EVP Kontakt mit ih-rem Verlobten aufnimmt, ist der Ansicht, dass das Phänomen eine dunkle Seite hat, und es nicht nur Zuversicht und Hoffnung bringt. „Für diese Geschichte ist jene Wahrheit wesentlich, dass die Menschen in eine andere Ebene überge-hen, so ‚wie sie sind’. Und, wie wir alle wissen, laufen ja nicht gerade viele Leu-te mit einem Heiligenschein auf unseren Straßen herum – und auf der anderen Seite gibt es eben auch genug ange-schlagene Wesen. Daher treffen wir bei den Versuchen, von uns geliebte Wesen zu erreichen, zwar diejenigen auf der anderen Seite, um die wir uns sorgen, aber unglücklicherweise auch einige Menschen, die uns in Angst und Schre-cken versetzen.“
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Für die Hauptrolle des gerade verwitwe-ten Architekten, der eine überraschende Reise ins Unerklärliche unternimmt, hatte Brooks schon beim Lesen von „White Noise – Schreie aus dem Jen-seits“ einen bestimmten Schauspieler vor Augen: „Ich war schon immer ein riesi-ger Fan von Michael Keaton. Besonders erinnere ich mich an seine darstellerische Leistung in „Fremde Schatten“, die ein hervorragendes Beispiel für Maß und Balance ist. Wir haben gemeinsame Kol-legen und Freunde im Filmgeschäft, und so schickte ich ihm das Drehbuch. Und glücklicherweise meldete er sich sofort und sagte, ‚Ja, ich will das machen’. Es war ein bisschen wie ein guter Segen von Anfang an, denn ich war völlig
überzeugt von Skript, Regisseur und Schauspieler. Geoffrey und ich hatten nur ein Treffen, gaben uns die Hand und zwei Monate später drehten wir gemein-sam den Film. Es passte einfach alles wunderbar zusammen.“
Keaton, der zugibt, dass er sich vor dem Lesen des Drehbuchs zu „White Noise – Schreie aus dem Jenseits“ nicht mit dem Thema der Kommunikation mit der an-deren Seite beschäftigt hatte, erinnert sich an eine Unterhaltung mit Brooks und Sax: „Ich hatte darüber nie wirklich nachgedacht, aber als ich mit Paul und Geoffrey über den Film sprach, erzählten sie mir ihre persönlichen Geschichten über den Verlust ihrer Väter, wie nahe sie ihnen gestanden hatten, und was sie tun würden, um irgendwie wieder mit ihnen in Kontakt zu treten. Und sie sag-ten, sie müssten nicht zweimal überle-gen, selbst wenn sie nur drei Sekunden hätten, sie würden diese Chance ergrei-fen. Davon war ich irgendwie fasziniert, und als ich anfing, darüber nachzuden-ken, wurde mir klar, dass dies vermut-lich eine universelle Reaktion war.“
„Ich denke, man muss es ernst nehmen, trotz aller Skeptik, von der auch ich eine gehörige Portion habe. Aber selbstver-ständlich gibt es einem zu denken, dass, selbst wenn nur ein Prozent der präsen-tierten EVP-Begegnungen echt ist, hier etwas wahrhaft außergewöhnliches vor sich geht“, kommentiert Sax.
Produzent Brooks bemerkt: „Mein Ge-danke war, was ist, wenn EVP tatsäch-lich ein Schritt über das Phänomen des Ouija-Boards hinaus ist – ein ausgefeil-teres Portal zu einer anderen Ebene? Das ist besonders beunruhigend, wenn man von den über lange Jahre stattgefunde-nen, zahllosen Beispielen scheinbar au-thentischer und erschreckender Begeg-nungen mittels Ouija-Board ausgeht.“
Deborah Kara Unger äußert keine be-stimmte Meinung zum Thema EVP als Mittel der Kontaktaufnahme mit Ver-storbenen, aber bemerkt doch, dass sie glaubt, es sei „kurzsichtig und vielleicht ein bisschen arrogant von uns, anzuneh-men, dass wir so viel wissen, wie wir glauben zu wissen, um zu einer Schluss-folgerung zu kommen. Ich denke, wir sind sehr naiv, was Energie und Masse, Zeit und Raum und Bewusstsein an-geht.“
Unger, die sich als Gefühlsmensch be-zeichnet, kann sich mit Keatons Ein-schätzung über den Wunsch von uns allen, mit denen, die wir lieben, in Kon-takt zu bleiben, auch nach deren Tod, identifizieren. „Ich hasse es, „goodbye“ zu sagen. Es ist furchtbar. Ich sage das nie. Ich denke mir immer irgendein Sze-nario aus, in dem ich denjenigen mögli-cherweise wiedersehe. So albern es klin-gen mag, bei diesem Gedanken fühle ich mich wohler.“
Während Sax, Keaton und Unger alle tiefes und volles Verständnis dafür ha-ben, was Menschen dazu treibt, die Kommunikation mit der anderen Seite zu versuchen, gehen ihre Meinungen dar-über, welche Methoden man anwendet, etwas auseinander. Keaton bezeichnet sich selbst als offen und sagt, EVP sei „ohne Zweifel äußerst faszinierend“.
Zusätzlich zu den packenden Aspekten eines paranormalen Thrillers sah Keaton in dem Drehbuch zu „White Noise – Schreie aus dem Jenseits“ auch die Chance, von der eher zeitlosen Ge-schichte eines gewöhnlichen Mannes auf einer außergewöhnlichen Reise zu erzäh-len, während deren Verlauf er nach Antworten auf unbekanntem und mögli-cherweise gefährlichem Territorium sucht. Was ihn an der Figur besonders reizte, war der Verfall und die fast voll-ständige Zerstörung, der er sich aussetzt, nachdem ihn die Ereignisse auf seinen Weg geführt haben.
„Einer der ursprünglichen Gründe für mich, den Film machen zu wollen, war der Spannungsaspekt“, sagt Keaton. „Ich mag das Genre des übernatürlichen Thrillers von Haus aus – und das ist ja mittlerweile ein eigenes Genre gewor-den, der paranormale Thriller. Wenn man an einen Horrorfilm denkt, denkt man an etwas anderes. Das hier ist angsteinflößend, aber auf eine intelligen-te Art und Weise. Und es wird spekula-tiv.“
„Aber was mich am meisten ansprach, war dieser Charakter, dessen Niedergang man im Verlauf der Geschichte sieht, und der immer besessener ist von etwas, das sein Architekten-Verstand nicht fas-sen kann, und dennoch ist es für ihn Rea-lität. Diese Reise war es, die mich am meisten zu dem Stoff hinzog.“