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    Drama, Biografie | USA 2004
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      • | Das Design

      • Howard Hughes bewegte sich im Zentrum von zwei der dynamischsten und glamourösesten Industriezweigen des Goldenen Zeitalters: Luftfahrt und Hollywood. Um den Drive und den Anspruch dieser Welt in der Mitte des vorigen Jahrhunderts glaubwürdig darzustellen, arbeitete Scorsese mit einer Gruppe von Künstlern, die seinen Glauben an die Bedeutung des akkuraten Designs und die Leidenschaft des Geschichtenerzählens teilen.

        Auch wenn Scorsese seit langem bekannt ist für die visuelle Wucht seiner Filme, ist AVIATOR vielleicht seine bis dato visuell ambitionierteste Arbeit, die auf jeder Ebene technische Meisterschaft verlangte. Von Anfang an war das Design-Konzept bestimmt von seiner Entscheidung, den speziellen cinematographischen Look der 20er, 30er und 40er Jahre zu rekapitulieren. Scorsese setzte digitale Technik ein, um die Farbpalette anzugleichen und die Optik des Films die Entwicklung von Hughes als einzelgängerischem Filmemacher der 20er zur amerikanischen Ikone der 40er verdeutlichen zu lassen.

        In seiner üblichen Vorgehensweise prä-visualisierte Scorsese jede Filmszene, legte die Kamera-Achsen fest und verließ sich auf sein Team, seine Visionen umzusetzen. Kameramann Robert Richardson erklärt: „Marty kommt an das Set und weiß genau, was er will. Er kennt die Kamera-Winkel und –Bewegungen, auch die Größe der Linse. Und ist gleichzeitig offen für neue Vorschläge und bereit, Änderungen vorzunehmen, wenn sie sinnvoll erscheinen.“
        Für AVIATOR baute Scorsese auf eine Mischung aus großem Maßstab und intimen Aufnahmen, was entscheidend die Ästhetik des Films bestimmt.
        Richardsons Beleuchtung spiegelt die vielen verschiedenen Filmwelten wider: „Für Fliegereiszenen und den Crash mit der XF-11 habe ich viel Kontrast eingesetzt. Das Dunkel ist sehr dunkel, die Helligkeit darin leuchtet. Die Flammen strahlen und erhellen den Raum drum herum. Für emotionale Sequenzen, beispielsweise zwischen Howard und Katharine Hepburn, haben wir eine andere Atmosphäre geschaffen, ein kontrollierteres, weicheres Licht, in dem sich Menschen ihre Gefühle anvertrauen.“

        „Eine Sache, die Marty besonders wichtig war, war dass man die Augen der Schauspieler sehen konnte. Er glaubt, dass sich dort die wirklichen Emotionen spiegeln. Also habe ich immer auf die Augen geachtet, egal welche Szene oder wie die Beleuchtung gesetzt war.“
        Eng mit Richardson zusammen arbeitete Scorseses langjähriger Mitarbeiter, Produktionsdesigner Dante Ferretti. Ferretti stand vor der schwierigen Aufgabe, lebendige, die Epoche symbolisierende Drehorte zu schaffen, die Hughes Umgebung nachbilden – von Filmsets über Wohnräume bis zu experimentellen Flugzeug-Hangars – alles im Art Deko-Stil der Zeit. Genau die Herausforderung, die Ferretti liebt: “Dante entwirft die größten, authentischsten Sets, die man sich vorstellen kann,” fasst Produzent Graham King zusammen. “Er ist ein solcher Perfektionist, dass jedes Detail stimmen muss, ohne Ausnahme.”

        Eines dieser realistischen Sets ist der Nachbau des legendären Hollywood-Nachtclubs “The Cocoanut Grove”, in dem Howard Hughes zwei Jahrzehnte lang aus und ein ging und in dem Showgirls in mit Pailletten besetzten Kostümen an von der Decke hängenden Schaukeln durch die Luft schwebten.
        Bekannt als „Der Spielplatz der Stars“, war das Cocoanut Grove berühmt für sein marokkanisches Rokoko-Dekor und seine Palmen (die angeblich aus Rudolph Valentinos Film „The Sheik“ von 1921 stammten), sowie für seine musikalischen Darbietungen – die besten Big Bands und Sänger ihrer Zeit traten dort auf.
        Für Howard Hughes war der Nachtclub sowohl Szenerie für geschäftliche wie romantische Begegnungen – Platz für Trinkgelage ebenso wie Rückzugsort.

        Um die damalige Zeit und den Ort genau einzufangen, sah sich Dante Ferretti alte Fotografien des Cocoanut Grove an und besichtigte das jetzt geschlossene Ambassador-Hotel, in dem der Nachtclub lag. „Wir errichteten das Set in ca. vier Wochen und haben dafür rund um die Uhr gearbeitet“, erzählt Ferretti. „Es ist ein sehr getreuer Nachbau des Originals, vielleicht etwas kleiner. Ich habe viel recherchiert und mir Fotos angeschaut, und bin mit dem Set-Dekorateurin Francesca Lo Schiavo ins Ambassador-Hotel gegangen, um den Raum zu sehen. Ich habe dort nachgemessen, so dass wir die richtige Größenvorstellung hatten. Das Set musste aber nicht nur möglichst originalgetreu sein, sondern auch Marty die notwendigen Kamerabewegungen ermöglichen. Der Raum bleibt im Großen und Ganzen gleich, auch wenn sich einige Details ändern, um den Lauf der Zeit zu verdeutlichen: die Farbe der Wände, einzelne Einrichtungsgegenstände, Aschenbecher und Tischwäsche etc.“

        Leonardo DiCaprio kann sich vor allem an eine Szene im Nachtclub Grove erinnern: „Es ist in den 20ern, und Howard ist gekommen, um Hollywood zu erobern. Mein Kopf kommt ins Bild, vor und hinter mir ist alles dunkel, und plötzlich gehen im Raum alle Lichter an, eine ganze Welt erwacht zum Leben: Frauen auf Schaukeln, Kellner tragen Fasane auf Platten vorbei, die Band beginnt zu spielen, die Menschen sind betrunken und tanzen, eine ganze Gesellschaft feiert, und dieser junge Gott des Entertainment-Business kommt daher, um das alles zu übernehmen. Für mich das Coolste, was überhaupt im Film möglich ist: einen Nachtclub betreten in einer großartigen Scorsese-Aufnahme.“

        Das Produktionsteam baute auch zwei vollständig neue Sets auf, die für Howard Hughes und sein privates Allerheiligstes stehen: sein ausgedehntes Hancock Park Haus in Muirfield Road, wo Hughes als junger Mann seine bedeutende Romanze mit Katharine Hepburn auslebte, und sein Bürogebäude mit Screening-Room in der Romaine Street 7000, sein Zufluchtsort während endloser Stunden.
        Lo Schiavo, eine langjährige Mitarbeiterin von Dante Ferretti, richtete Howards Haus und Büro mit handverlesenen Möbeln und wertvollen Kunstgegenständen ein. „Alles musste perfekt, wirklich authentisch sein. Howard war einer der reichsten Männer seiner Zeit in Amerika. Wir mussten seine Umgebung entsprechend ausstatten. Dafür brauchten wir Originale, keine Requisiten. Ich habe drei Monate lang in L.A. nach den besten Möbeln, Bildern, Stoffen und Antiquitäten im spanischen Revival-Stil gesucht, den Howard bevorzugte.“

        Selbst der berühmte Eingangsbereich des Grauman’s Chinese Theatre, wo die überlaufene „Hell’s Angels“ Premiere stattfand, wurde von Ferretti in einem Studio nachgebaut, um das Los Angeles des Jahres 1930 besser darstellen zu können. (Die Innenaufnahmen wurden später vor Ort im Kino in Hollywood gedreht).

        Für das „Hell’s Angels“-Set zog das Produktionsteam nach Santa Clarita. Auf einem verlassenen Hochplateau, genannt Mystery Mesa, schuf Dante Ferretti ein authentisches 20er-Jahre-Filmset, inklusive einer bunten Sammlung von alten Doppeldecker-Flugzeugen, die Flug-Koordinator Craig Hosking und sein Assistent Matt Sparrow zusammen getragen hatten.
        „Wir konnten Marty 14 Flugzeuge zur Verfügung stellen, sieben Fokker D-VII, die wir als deutsche Flugzeuge bemalt haben, und sieben englische SE-Vs, die als Maschinen der Alliierten dienten. Einige konnten fliegen, andere waren nur Modelle. Wichtig ist, dass sie echt waren. Marty wollte, dass sie echt aussahen, und das taten sie.“

        In Hollywood wurde an Originalschauplätzen wie dem Sowden House an der Franklin Avenue gedreht, das als Ava Gardners Hollywood-Domizil diente, außerdem am Grauman’s Chinese Theatre am Hollywood Boulevard und in Howards damaligem Haus in der Muirfield Road 211, wo heute Bob Bookman von Creative Artists mit seiner Familie lebt. Auch im Wilshire Country Golfclub, der an seine Muirfield-Road-Residenz angrenzt, wurde on location gefilmt. Howards und Katharines erste Begegnung bei einer Golfrunde wurde in den Woodland-Hills-Golfclub verlegt.
        Auch auf der Queen Mary, dem berühmten Ocean-Liner, wurde gedreht, wobei man sich dessen prachtvoller Art Deco Interieurs für zwei Partysequenzen bediente: die Abschlussfeier des „Hell’s Angels“-Drehs und die Party, nachdem Hughes ankündigt, das größte Flugboot der Welt bauen zu wollen.
        In Beverly Hills schlug die Produktion in dem Viertel ihr Lager auf, in dem Howard Hughes mit dem Flugzeug abstürzte – und traf auf Nachbarn, die sich noch lebhaft an das Ereignis erinnerten.

        Ebenso wichtig für das Ambiente des Films wie die Sets sind die zeitgemäßen Kostüme, die aus einer Zeit der großer Raffinesse und des Glamours in der Mode stammen. Kostümbildnerin Sandy Powell reizte an der Aufgabe zweierlei: zum einen die unglaubliche Epoche, die der Film abdeckt, zum anderen die Aussicht, hinter dem Mythos Howard Hughes den Menschen aufzuspüren. “Mich hat die Idee sehr angeregt, mich mit diesen verschiedenen, ja gegensätzlichen Seiten von Hughes zu befassen – er ist Teil der unglaublich glamourösen, exzentrischen, hemmungslosen Hollywood-Welt, gehört aber auch zu der sehr viel seriöseren und konservativen Geschäftswelt. Und dann gibt es noch seine private Seite,” sagt sie. “Diese unterschiedlichen Ansätze mussten in sein Äußeres eingehen, die Kleider hatten aufwändig, aber auch bodenständig zu sein.” Sie fährt fort: “Die Art, wie sich Howards Kleidungsstil im Lauf der Zeit ändert, sagt viel über ihn aus. Als junger Mann ist er sehr gut gekleidet, seine Anzüge stammen aus der Savile Row. Im Lauf der Zeit legt er weniger Wert auf sein Äußeres – natürlich sind seine Kleider immer noch teuer, aber sie sehen nicht so aus. Nachdem Katharine Hepburn ihn verlassen hat und er in ein tiefes Loch fällt, verbrennt er alles und kauft sich neue Anzüge von Sears Roebuck. Zu dieser Zeit seines Lebens besaß er tatsächlich nur zwei Anzüge, einen dunklen und einen hellen. Seine Kleidung ändert sich also, ebenso wie er.” Ehe sich Powell in die Details ihrer Arbeit vertiefte, schaute sie viele Archivfotos an. “Interessant dabei war, dass ich natürlich überwiegend schwarzweiß Material vor mir hatte, mir die Farben also vorstellen musste, dabei aber immer im Kopf hatte, welche Farben und welches Material für die Schauspieler, die meine Kostüme tragen mussten, in Frage kommt,” erklärt sie.

        Bei der Wahl der Farben musste Powell auch die Farbgebung des Films berücksichtigen, die sich von einem Zweiband Technicolor-Look mit surrealem Touch zu einem eher modernen Foto-Realismus mit echteren Farben bewegt. “Ich fand es spannend, wie ein Kostümbildner der 20er und 30er Jahre zu denken. Damals herrschten zwei Töne vor: Rot und Grün. Das heißt, ein Blau kam eher grün heraus, es wurde also kaum eingesetzt und wir haben es ebenfalls in diesen frühen Szenen vermieden. Das waren meine ständigen Überlegungen. Das Kleid, das ich für Katharine Hepburn in der Cocoanut-Szene von 1935 entworfen habe, hat einen Goldton, aber mit Technicolortechnik gefilmt kommt ein wunderschönes pinkes Gold heraus, das wie Satin wirkt. Für die Szenen im Pantages-Kino und die Handlung unmittelbar danach habe ich ein gelbes Kleid entworfen, eine riskante Farbe. Es wirkt eher grünlich, wie Senf. Aber ich denke, es passt genau.”
        Inspirieren ließ sich Powell von klassischen Filmen der Technicolor-Ära.
        „Zur Vorbereitung während der Vorproduktion zeigte uns Marty den Film ‚Leave Her to Heaven‘ mit Gene Tierney, gedreht in Dreiband-Technicolor. Alles ist leuchtend hell, vor allem eine Szene beeindruckte mich, in der Tierney in einem türkisfarbenen Bademantel mit Paspeln, die zu ihrem roten Lippenstift passen, zu sehen ist, und die Farbe des Bademantels passt zu Ihren Augen. Dann legt sie sich auf ein türkisfarbenes, mit roten Rosen dekoriertes Sofa legt – alles springt dich an, pure Technicolor-Magie. Also suchte ich in Stoffgeschäften in New York und fand einen tollen türkisfarbenen Stoff für einen Mantel und einen roten für das Kleid darunter, als Hommage an Gene Tierney.“

        Zur Authentizität von AVIATOR trägt entscheidend auch die Musik der Zeit bei, der schwungvolle Jazz und raffinierte Big Band Sound aus Hughes’ Tagen. Martin Scorsese arbeitete bei den Live-Einspielungen eng mit Musik-Supervisor Randy Poster zusammen. Den Score schrieb Oscar-Gewinner Howard Shore.
        „Marty weiß alles über die Musik der Epoche, wir hörten uns viele Aufnahmen an von Bands, die dort spielten, um zu wissen, wie die Musik damals klang“, erzählt Poster.
        „Wir haben versucht, den Big-Band-Stil der Ära bis ins Detail zu kopieren. Unser Band-Leader Vince Giordano und seine Spieler sind in das historische Material eingetaucht und haben etwas Einzigartiges geschaffen, mit frischem, lebendigem Sound, weil sie die Dynamik und die Grundzüge der Musik verstanden haben. Während wir uns von den 20er über die 30er zu den 40er Jahren bewegen, sind die Veränderungen sehr subtil, aber das Publikum nimmt es unterschwellig wahr.“
        Die Darbietungen toppen die Künstler, die mit den Bands auftreten: Popsänger Rufus Wainwright als 20er-Jahre-Sänger mit französischem Einfluss, der Gershwins „I’ll Build a Stairway to Paradise“ singt; seine Schwester Martha ist die Sängerin der 40er-Jahre-Band, die Sammy Fains und Irving Kahals „I’ll be Seeing You“ darbietet, und ihr Vater, der bekannte Pop- und Folksänger Loudon Wainwright, spielt und singt den Klassiker von Harry Creamer/Turner Layton „After You’ve Gone“ mit der 30er-Jahre-Band.

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