Patrice Lecontes 20. Spielfilm ist eine provokante Liebesgeschichte im Gewand eines spannenden Thrillers. Mit Hitchcock’schem Suspense und Elementen des klassischen Hollywood-Melodrams, und doch mit seiner eigenen Handschrift versehen, hat Leconte eine Geschichte erschaffen, die aus den üblichen Themen moderner Beziehungsgeschichten – Lust, Angst, Obsessionen, Geheimnisse, Missverständnisse, Wandlungen – einen verspielten Thriller zusammenknüpft.
Alles fängt damit an, dass die unglückliche Anna sich auf ihrem Weg zum Psychiater in der Tür irrt. Als sie nämlich unwissentlich in das falsche Büro eintritt, wird sie von dem ihr unbekannten William Faber empfangen, der eigentlich ein schüchterner Steuerberater ist. Anne erklärt, dass sie in einer persönlichen Notlage ist, und – bevor William etwas einwenden kann –, fängt sie an, die intimsten Details aus ihrem Ehe- und Sexualleben vor ihm auszubreiten. Schnell erklärt sie, dass sie seit vier Jahren verheiratet, ihr Ehemann arbeitslos ist (während sie in einer Edelboutique arbeitet), und dass sie und ihr Mann seit sechs Monaten keinen Sex mehr hatten. Und sie gesteht, dass sie Angst hat, verrückt zu werden. Erschrocken über diese Details bringt es William dennoch nicht übers Herz, der verzweifelten Frau seine wahre Identität zu offenbaren. So spielt er mit und akzeptiert einen weiteren Termin als ihr Therapeut. Sie geht, ohne ihren vollen Namen oder ihre Telefonnummer hinterlassen zu haben.
Bei ihrer zweiten Visite versucht William vergeblich, das Missverständnis aufzuklären. Anna verschlägt ihm abermals mit neuen intimen Details aus ihrem Privatleben die Sprache. Verzweifelt versucht er, seinen Fehler rückgängig zu machen, folgt Anna auf die Straße hinunter und fragt seinen Nachbarn, den echten Psychiater Dr. Monnier nach ihrer Telefonnummer – was jedoch nur dazu führt, dass William vorübergehend selbst zu einem Patienten des altklugen Doktors wird. Langsam wird Anna zu Williams Obsession.
Schließlich kommt es zu einem dritten Treffen, bei dem Anna, nachdem sie erfahren hat, wer William wirklich ist, ihm zornig seine List vorhält und ihn beschuldigt, ihr Vertrauen ausgenützt und sie hintergangen zu haben.
Und doch… sie kommt wieder. Sie will und muss weiterreden, und er sehnt sich danach, sie anzuschauen, mit ihr zusammen zu sein, sie kennen zu lernen. Bald haben Anna und William ihre wöchentlichen Termine trotz allem wieder aufgenommen.
Weil er nicht widerstehen kann, diese höchst ungewöhnliche und scheinbar vom Schicksal bestimmte „Therapie“ weiterzuführen, wird William langsam aus seiner Schale gelockt, je mehr er Annas befremdliche und delikaten Ehegeheimnisse zu hören bekommt. Und je mehr Anna sich derweil ausspricht, desto mehr lässt ihre Beklemmung nach, da sie realisiert, dass sie einen Mann gefunden hat, der so zuhören kann, wie niemand sonst, dem sie begegnet ist.
Doch als ihre Sitzungen immer tiefgehender werden, wird William zunehmend argwöhnisch. Wer ist diese Frau, die von verkrüppelnden Unfällen und kontrollsüchtigen Ehemännern erzählt. Ist sie in Gefahr? Ist sie gar gefährlich? Lügt sie? Williams eigene Motive sind gleichermaßen suspekt. Denkt er, er könne Anna retten? Sucht er einfach nur den voyeuristischen Thrill bei ihr? Oder ist er kurz davor, sich gefährlich zu verlieben?
In einem gewundenen, psychologischen Katz-und-Maus-Spiel jagen Anne und William sich gegenseitig zu Orten, die zu erreichen keiner von beiden je erwartet hätte – und bilden allmählich ein Band des Vertrauens, das sie – von Begegnung zu Begegnung – in neue Menschen verwandelt.
Am Ende trennt sich Anna von ihrem Mann, und fängt irgendwo im Süden ein neues Leben als Tanzlehrerin an. Und William packt zum ersten Mal in seinem Leben die Koffer, um ihr nachzureisen…