Thriller,
Action,
Abenteuer
| Deutschland / USA 2006
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| Stunts & Actionszenen
Mit „Lost” und „Alias” hatte J.J. Abrams schon seinen eigenen visuellen Stil erfunden: da die Action sehr organisch aus seinen sehr menschlichen Figuren entsteht, zieht er meist einen eher naturalistischen, realistischen und gröberen Stil vor im Gegensatz zu überstilisierten Zeitlupen und rasant geschnittenen Kampfsequenzen.
Der legendäre Actionchoreograph Vic Armstrong wurde beauftragt, J.J. Abrams’ besonderen Stil für die große Leinwand in „Mission: Impossible III” umzusetzen. „Alle Diskussionen, die ich am Anfang mit J.J. hatte, drehten sich um den Stil”, betont Armstrong. „J.J. wollte den Actionszenen seinen Stempel aufdrücken und mein Job als Actionregisseur ist, den Stil des Regisseurs auf die Action zu interpretieren und nachzuahmen. Es muss nahtlose Verbindungen zwischen der Action und dem Rest des Filmes geben, denn beides gehört in die gleiche Welt des Filmes. Als wir uns über den Stil verständigt hatten, schaute ich mir die Actionszenen selbst an und kümmerte mich darum, wie ich sie verwirklichen kann.”
Um die komplizierten Action-Einstellungen und Actionszenen zu realisieren, nutzte Abrams alle ‚Pre-visualization’-Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung standen. ‚Pre-visualization’ bedeutet, dass der Regisseur eine Actionsequenz so beschreibt, wie er sie sich vorstellt, und ein Visual Effects Editor daraus eine Computerpräsentation erstellt. So kann jede Abteilung die spezifischen Anforderungen jeder Sequenz schon sehr früh und sehr genau beurteilen und sich dementsprechend vorbereiten.
Special Effects Coordinator Dan Sudick erklärt: „Wenn wir uns mit dem Regisseur zusammen setzen und uns beispielsweise die Vorschau der Brückensequenz anschauen, können wir die Autos sehen, wie sie eine Brücke runter fahren, rollen, sich überschlagen, oder was auch immer J.J. eben will. Und diese Informationen übertragen wir dann in die echte Welt. Wir nehmen uns die Autos vor und präparieren sie so, dass sie sich genauso verhalten, wie es die Computer-Vorschau zeigt.”
Nachdem die Chefs der einzelnen Abteilungen gesehen haben, was der Regisseur für die Sequenz will, können sie sich an die komplexe Arbeit machen, diese Vision zu realisieren. Sudick bleibt bei dem Beispiel der Brückensequenz: „Es müssen enorm viele Autos verkabelt werden. Viele werden von Stuntleuten gefahren und jedes dieser Autos braucht eine Überrollverstärkung. Dann müssen wir sehen, wie wir das von den Autos bekommen, was sie tun sollen. Rollen, Überschläge und Explosionen. Es kann Wochen dauern, eine solche Sequenz zu drehen, die im Film nur ein paar Minuten zu sehen ist.”
Armstrong – ein Filmveteran, der seit über 40 Jahren dabei ist – sagt, dass ihn die Erfahrungen, die er mit Tom Cruise bei „Krieg der Welten” gemacht hat, schon auf die Begeisterung von Produzent und Schauspieler Cruise vorbereit hat, mit der er seine eigenen Stunts macht. „Er ist immer voll dabei, was durch seine ausgeprägten Fähigkeiten letztlich natürlich ideal ist”, sagt Armstrong. „Schon vorher mit ihm gearbeitet zu haben, hat mir wirklich geholfen, weil ich die Stunts schon mit ihm im Hinterkopf entwerfen konnte. Wir haben ein paar unglaubliche Sachen mit Tom angestellt, und er hat meine hohen Erwartungen sogar noch übertroffen.”
Ein Muss für Abrams war die tatsächliche Effekt-Arbeit vor der Kamera (im Gegensatz zu CGI) mit Tom Cruise, der so viele Stunts wie möglich selber macht. „Die neueste Computertechnik ist toll, aber wenn man etwas Echtes machen kann und tatsächlich einen Schauspieler hat, der die Stunts selber macht, und man sich nicht darauf verlassen muss, dass der Kopf im Computer ausgetauscht werden muss...das ist einfach nicht zu übertreffen.”
„Für mich gehört das zur Herausforderung beim Filmemachen dazu”, sagt Cruise. „Man kann natürlich keine übertriebenen Risiken eingehen, aber wenn man es durch Training schafft, einen Stunt hinzukriegen, dann bekommt der Film dadurch eben ein Extra an Glaubwürdigkeit – ‚Wow, das ist ja wirklich der Typ, der das da macht’ – und sorgt so für mehr Unterhaltung beim Zuschauer.”
Einer der zentralen Stunts im Film ist eine Sequenz an der Chesapeake Bay Bridge. „Das sind einzigartige Bewegungsabläufe”, sagt Armstrong. „Zu einem bestimmten Zeitpunkt wird die Brücke gesprengt und Ethan muss einen über 5 Meter breiten Spalt überspringen. Er schafft es gerade so und klammert sich mit seinen Fingern fest. Es blieb also nicht aus, dass Tom mit ziemlicher Wucht an der anderen Seite des Spaltes aufschlägt, denn die Menschen wissen einfach, wie der Aufprall aussehen muss, wenn man so eine Distanz überspringt.”
Ein weiterer beeindruckender Stunt erforderte von Cruise, dass er einem Raketeneinschlag in einem der Fahrzeuge entkommen musste. Die Wucht hebt ihn in die Luft und wirft ihn in ein stehendes Auto. „Er schlägt so hart auf, dass dabei das Heckfenster heraus fliegt”, sagt Armstrong. „Wir haben die Kabel am Auto kontrolliert und mit der Explosion haben Tom in die Seite des Autos geschleudert. Er hat es voll getroffen. Er ist horizontal durch die Luft geflogen und der Aufschlag verbeulte die Seitentür. Anschließend haben wir das Ganze gleich noch zweimal machen müssen. Tom ist schon ein ziemlicher Draufgänger – jeder Stuntman wäre sehr stolz darauf, so eine Stuntszene zu seinen Referenzen zählen zu können.”
Cruise nimmt das Lob gelassen: „Es ist, als würde man beim Football als Fänger durch die Mitte des Feldes rennen. Du weißt einfach, dass dich einer der Verteidiger voll erwischen wird. Ich will, dass es aufregend für die Zuschauer ist. Ich hoffe, dass sie in diesem Moment voll Ethan Hunt sind. Es sollte einfach so echt wie möglich aussehen.”
Um sich auf die Stunts in „M:i:III” vorzubereiten, trainierte Cruise viele Monate. „In der Zeit, in der wir „Krieg der Welten” ins Kino gebracht haben, habe ich während der Reisen jeden Tag trainiert. Am Morgen habe ich mich aufgewärmt und dann ‚dynamische Bewegungsabläufe’ geübt”, so Cruise. Diese Technik der dynamischen Bewegungsabläufe wird oft von Kletterern genutzt und bedeutet, dass man das Krafttraining nicht aus der Balance macht, sondern aus schnellen Bewegungen heraus. Diese Art der Bewegungen kostet viel Energie und fordert enorme Anstrengung, das Bewegungsmoment zu erhalten. Aber mit effektiv eingesetzten Einheiten kann die trainierende Person mehr als aus dem Stillstand erreichen. „Mein Ziel war es, alles in Bewegung zu bringen”, erzählt Cruise weiter. „Ich brauchte diese dynamische, explosive Geschwindigkeit für das, was wir mit der Action und der Story erreichen wollten.”
Ein weiterer dramatischer Stunt in „M:i:III” ist ein Sprung von einem 30 Meter hohen Gebäude. „Er springt und fällt knappe 17 Meter”, sagt Armstrong. „Es war wichtig, dass Tom diesen Stunt macht, denn wir sehen nicht nur den Sprung und den Fall, sondern auch Tom. wie er seinen Charakter beim Fallen spielt. Es ging nicht nur darum, die Augen zuzumachen und einen Bungee-Sprung zu machen. Tom musste nicht nur springen, sondern dabei auch noch spielen. Es ist eines der unglaublichsten Dinge, die ich je von einem Schauspieler gesehen habe.”
„Tom fällt und stoppt einen halben Meter über dem Boden”, sagt Abrams. „Und ich merke, wie ich zwischen den Takes mit irgendwelchen Leuten rede. Ich hatte mich daran gewöhnt, jemanden wie Tom Cruise – der in dieser Situation meine Verantwortung ist - zu haben, der an einem Kran baumelt, mit halsbrecherischer Geschwindigkeit auf den Boden zurast und erst kurz davor gebremst wird. Ich kann mich daran erinnern wie ich mir selbst gesagt habe, dass ich unbedingt wieder wirklich Angst haben sollte.”
Bei einem dritten spektakulären Sprung hechtet Ethan Hunt vom Dach eines Wolkenkratzers zum nächsten. „Tom springt vom Wolkenkratzer, und als das Seil seine volle Spannung erreicht hat, schnellt es ihn in eine andere Richtung”, sagt Armstrong. „Beim Runterfallen bleibt er kopfüber an einer Lampe hängen und als er sich runterlässt, landet er auf einer befahrenen Straße und ein Laster rast auf ihn zu.”
„Für diesen Stunt lag Tom auf der Straße - während ein quer gestellter Lastzug über ihn fährt: ein 15 Meter langer Truck mit extra für diesen Zweck angebauter Zugvorrichtung, die ihn absichtlich quer stellt”, führt Armstrong aus. „Hätte einer der Zug-Zylinder die Spannung verloren, dann hätte sich der Truck gerade ausgerichtet und Tom platt gemacht. Um es auszuprobieren, habe ich mich einmal darunter gelegt und gespürt, wie er über meinen Kopf hinweg zieht. Es war eine beängstigende Erfahrung. Für die echte Aufnahme stand ich auf einem Hügel neben einer der Kameras und es sah lange so aus, als würde der Truck gerade auf ihn zufahren, bevor er sich endlich anfing, quer zu stellen. Man kann sich vorstellen, wie ich mich gefühlt habe.”
„Tom Cruise hat sich für diesen Film öfter in Gefahr gebracht als je zuvor”, sagt Wagner. „Ob Ethan sich von einem 30 Meter hohen Gebäude stürzt, sich schießend aus einem Auto hängt, von explodierenden Feuersbrünsten umher geworfen wird, böse Jungs ausknockt oder andere Menschen rettet, es ist wirklich Tom, der das alles macht. Er macht es und er macht es auf eine sichere und verantwortungsbewusste Art und Weise. Er kennt die Gefahr des Stunts, den er gerade durchführt. Wenn ich allerdings als Produzent daneben stehe und meinen langjährigen Geschäftspartner und Star des Filmes dabei beobachte, wie ein riesiger Truck über ihn weg rutscht, dann kostet das schon einige Nerven. Aber ich weiß, dass er alles unter Kontrolle hat, dass er weiß, was er tut. Er ist ein Stuntman in diesen Momenten. Er ist sehr, sehr präzise.”
Für Keri Russell, die vor „M:i:III” noch keine großen Stunterfahrungen gesammelt hat, waren Cruises Kenntnisse und Tipps entscheidend. „Von einem sechsstöckigen Gebäude bin ich noch nicht allzu oft herunter gesprungen”, lacht Russell. „Es war Furcht einflössend beim ersten Mal – mein Herz pochte wie wild – aber Tom dabei zu haben, hat mir sehr geholfen. Er sagte, ‘Komm, es ist ein Kinderspiel. Bist du aufgeregt?’ Und dann sind wir gesprungen.”