| Was geliebt wird: Die Verwandlung von Nanny McPhee
Als Nanny McPhee bei den Browns eintrifft, sind die Kinder sofort misstrauisch. „Die Kinder mögen sie nicht wirklich“, sagt die neunjährige Jennifer Rae Daykin, die Lily spielt. „Sie finden sie hässlich, wirklich gemein und denken, sie könnte eine Hexe sein. Sie ist eine gespenstische, furchteinflößende Nanny.“
Nanny McPhee will der Familie fünf scheinbar einfache Lektionen vermitteln: Geht schlafen, wenn man es euch sagt. Steht auf, wenn man es euch sagt. Zieht euch an, wenn man es euch sagt. Hört zu. Tut das, was man euch sagt.
Mit jeder Lektion gibt es ein wenig Zauber, ein Abenteuer, und für die Kinder die Notwendigkeit, ihren eigenen Erfindungsreichtum und ihre Klugheit einzusetzen, um die Dinge zu klären. „Es gibt alberne Essensschlachten und lächerliches Benehmen, aber diese ungezogenen Gören sind eigentlich verlorene kleine Seelen“, sagt Kelly Macdonald. „Und Nanny McPhee bringt ihnen bei, sich selbst zu retten.“
Besonders Simon, der älteste Sohn und wohl unter den Kindern dasjenige, das durch den distanzierten Vater am meisten verletzt ist, muss für diese Lektionen einen steinigen Weg zurücklegen. „Zuerst will Simon sie nur sofort loswerden, genau wie all die anderen namenlosen Kindermädchen, doch Nanny McPhee geht nicht“, erzählt Sangster. „Sie verteidigt sich; sie hat diesen Zauberstab und kann magische Dinge geschehen lassen. Also hat er etwas mehr Respekt vor ihr, und schließlich mag er sie wirklich.“
Die Kinder reagieren positiv auf Nanny McPhees Methode, die auf gegenseitiges Vertrauen aufbaut. Als die Geschichte sich entwickelt, sucht Simon sogar Nanny McPhee in ihrem Zimmer auf, wo noch keines der Kinder je gewesen ist, um einen seiner Pläne zu testen und sich ihrer Zustimmung zu versichern. „Als Simon in ihr Zimmer geht, bittet er auf eine sehr respekt- und vertrauensvolle Weise um Hilfe“, sagt Doran. „Er vertraut darauf, dass die Nanny auf der Seite der Kinder steht, dass sie zu ihrem Wort stehen wird – und er vertraut darauf, dass ihr wirklich etwas an den Kindern liegt. Das ist teilweise auch der Grund, weshalb er bei diesem Gespräch Erfolg hat: er bringt ihr bereits Vertrauen entgegen, bevor er überhaupt irgendetwas gesagt hat. Und das ist genau die Vertrauensbasis, die zuvor beim Gespräch mit seinem Vater gefehlt hatte.“
Ihre Lektionen scheinen darauf ausgerichtet zu sein, den Kindern die Folgen ihres Handelns deutlicher vor Augen zu führen und ihnen klarzumachen, welche Rolle jeder Einzelne für sein eigenes Schicksal spielt. Thompson vergleicht Nanny McPhees Wirkung mit dem ausgleichenden Effekt der Schwerkraft: „Sie wird zum ruhenden Pol, und all diese Menschen, die förmlich in der Luft schweben, beginnen um sie herum zu kreisen, wie ruhige kleine Planeten – dann geht sie plötzlich und hinterlässt diese schöne Konstellation, eine Familie, die ihre Umlaufbahn gefunden hat und sich mit sanften Bewegungen weiterentwickelt... inklusive eventueller Zusammenstöße.“
Dies führt auch zu subtilen Veränderungen in Nanny McPhees Aussehen. Sam Honywood fasst den Standpunkt der Kinder kurz zusammen: „Je netter wir werden, desto weniger hässliche Teile hat sie.“
„Es sind ganz spezifische Momente, die zu ihrer Verwandlung führen“, erläutert Doran. „Als die Kinder zum ersten Mal freiwillig ‚bitte’ sagen, verändert sie sich. Aber verändert sie sich, weil die Kinder ‚bitte’ sagen? Verändert sie sich, weil die Kinder sie lieb gewinnen? Verändert sie sich, weil sie die Kinder lieb gewinnt? Verändert sie sich denn überhaupt? Das müssen die Zuschauer entscheiden – genau wie die Leser der Bücher von Christianna Brand.“
Sobald die Brown-Familie die Nanny ins Herz geschlossen hat, sehen sie das, was Thompson ihre „Warzenheit“ nennt, nicht mehr – die Kinder nehmen nur noch ihre wunderbare Nanny wahr, und das beschreibt Thompson als „die Erinnerung an jemanden, der sie über alles liebte. Sie ist zu Beginn genauso liebevoll und gut wie zum Schluss.“
„Nanny McPhee trifft auf eine Familie voller guter Menschen mit guten Absichten – und bringt ihnen bei, das Gute an sich selbst und an den anderen zu erkennen“, meint Jones. „Als sich alle wieder lieben und vertrauen, muss Nanny McPhee gehen. Sie macht die Menschen nicht gut, sondern zeigt ihnen, dass sie bereits gut sind.“